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Bützower Zeitung

26. April 2017 | 09:47 Uhr

Schwaan : Erinnerung an die Familie Marcus

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Schwaaner Kulturförderverein stellt im Max-Samuel-Haus aus / Neffe jüdischer Familie berichtet von seinen Erfahrungen

Dr. Hella Ehlers, Vorstandsmitglied des Schwaaner Kulturfördervereins, eröffnete am Sonntag im Max-Samuel-Haus in Rostock die Ausstellung „Von Moses Abraham bis Willi Marcus. Zur Geschichte jüdischen Lebens in Schwaan“. Sie gab Einblicke in das Leben der ersten Juden in der Warnowstadt von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zu ihrem Ende 1942. Sie dankte den Mitarbeitern des Hauses für die erfolgreiche 15-jährige Zusammenarbeit und hob besonders das Engagement des ehemaligen Leiters, Frank Schröder, hervor, der sie immer wieder ermuntert habe, sich für ein öffentliches Gedenken in Form einer Tafel am jüdischen Friedhof in Schwaan einzusetzen.

An der Eröffnung der Ausstellung nahm auch der Neffe der Familie Marcus, der Rostocker Hans-Ludwig Levy, 1929 in der Hansestadt geboren, teil. Auf einem der Ausstellungsfotos ist er als dreijähriger Junge auf Besuch in der Brückenstraße 8, dem Haus der Familie Marcus in Schwaan, zu sehen. Bis zur Deportation der Familie im Juli 1942 war er dort oft zu Gast. So erinnert er sich an einen Besuch mit Onkel Willi und Tante Paula auf einem nahegelegenen Bauernhof, weil er als Kind Schwierigkeiten mit dem Aussprechen der Zischlaute hatte. Auf dem Bauernhof waren schwarze Schweine zu sehen, und seine Tante forderte ihn auf, den Satz „Schwarze Schweine aus Schwaan“ zu üben.

Außerdem ist ihm ein gemeinsamer Ausflug nach Warnemünde in Erinnerung geblieben. Das damals aufgestellte Plakat „Juden unerwünscht“ hat er bis heute nicht vergessen. Die Freunde des Kulturvereins dankten Hans-Ludwig Levy mit einem besonderen Geschenk, dem Buch „Schwaan wie ein Hauch verträumten Sinnens“.

Willi Marcus ist 1942 in Auschwitz ermordet worden. Der Cousine Inge gelang damals die Flucht nach Dänemark.

Die musikalische Begleitung der Ausstellung hatte der Pianist, Komponist und Kantor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Schwaan, Alexander Moseler, übernommen.

Die Schau ist noch bis Freitag, 31. März, immer montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr im Max-Samuel-Haus, Schillerplatz 10, in der Nähe des Rostocker Hauptbahnhofes gelegen, zu besichtigen. Am 22. sowie am 29. März um 18 Uhr finden Vorträge zur Geschichte der Juden in Mecklenburg und zur Begräbniskultur am Beispiel des jüdischen Friedhofs Schwaan statt. An diesem Donnerstag und am 30. März, jeweils um 14 Uhr, führen die Kuratoren Dr. Hella Ehlers und Hans-Jürgen Bramow durch die Ausstellung.

Der Eintritt für die Ausstellung und die Begleitveranstaltungen ist frei.




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