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Bützower Zeitung

08. Dezember 2016 | 08:59 Uhr

Steinhagen : Ein neues Kapitel beginnt

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Nach mehr als vier Jahrzehnten in der Milchviehanlage Steinhagen geht Fütterungstechniker Manfred Ruprecht in Rente

Wenn der Zeiger heute Nachmittag auf 17 Uhr springt, Manfred Ruprecht seine Gummistiefel und die Arbeitskleidung ablegt, um Feierabend zu machen, wird er von seiner Arbeitsstätte wie gewohnt den Heimweg antreten. Mit dem Unterschied, dass er es heute zum letzen Mal tun wird. Heute hat der 64-Jährige seine letzte Schicht in der Milchviehanlage Steinhagen, bei der er seit mehr als vier Jahrzehnten gearbeitet hat. Noch fünf Tage Resturlaub, dann beginnt nach 41 Jahren und fast fünf Monaten sein neues Kapitel namens Rente.

Am 9. Juli 1975 begann das Arbeitsverhältnis von Manfred Ruprecht bei der Milchviehanlage – da war die noch gar nicht fertig. Es folgten Zwischenstationen und ein Lehrgang zum Fütterungstechniker. Das Kapitel Steinhagen wurde begonnen.

Gleich in der Anfangszeit passierte etwas, an das der heute 64-Jährige noch immer zurückdenkt. „Der Höhepunkt war damals das Angewöhnen der ganzen Kühe“, sagt er. „Wir haben damals am ersten Tag gleich mit fast 600 Kühen angefangen.“ Das Problem: Die Tiere waren schon etwas älter und mussten an das Karussel (so wird die Melkmaschine genannt) erst gewöhnt werden. „Allein das Raufgehen war schon ein Problem. Welche Kuh macht schon etwas gern, das sie nicht kennt?“ Die Lösung: Zwei Mann schoben von hinten, einer kümmerte sich um den Kopf – „und das mit jeder einzelnen Kuh“.

Seither arbeitet Manfred Ruprecht als Fütterungstechniker. „Ich sorge dafür, dass die Kühe satt werden und gute Milch geben“, fasst er seinen Job zusammen. Mit einem Futtermischwagen werden die einzelnen Futterkomponenten eingesammelt und gemischt. Von dort aus kommt die Mischung in einen Dosierer, der computertechnisch die weitere Fütterung übernimmt. „Es wird nichts dem Zufall überlassen.“ 1500 Kühe werden von Manfred Ruprecht gefüttert. In der Nachtschicht sind die Fütterungstechniker übrigens auch als Geburtenhelfer gefragt. All dies wird nun sein Nachfolger übernehmen.

Das Kapitel Steinhagen fing vor mehr als 40 Jahren aus recht praktischen Gründen an. „Ich bin bodenständig. Ausschlaggebend war der Neubau der Anlage“, blickt der gebürtige Rosenower zurück. Mit einem Arbeitsverhältnis gab es auch eine Wohnung, was als verheirateter 23-jähriger Vater eines Kindes wichtig war. Ein zweites Kind kam später noch hinzu. Die Arbeit überzeugte ihn. „Es gab einen vernünftigen Schichtrhythmus und man hat regelmäßig frei.“ Er würde sich wieder so entscheiden.

Ob Manfred Ruprecht die Arbeit während seines neuen Lebenskapitels vermissen wird? „Ich glaube nicht. Urlaub habe ich ja auch immer überstanden.“

Nun, mit Beginn des neuen Kapitels, werden andere Sachen wichtig. „Meine Frau ist bereits seit einem Jahr zu Hause. Wir wollen das restliche Leben genießen. Man weiß ja nie, wann der Sensenmann kommt.“ Auf dem Programm stehen fortan viele Wanderungen, Reisen, die Familie und der Garten.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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