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Bützower Zeitung

09. Dezember 2016 | 22:18 Uhr

Bützow : Ein Fenster zum Bürgeradel

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Eine altertümliche Wandzeichnung in der Rühner Straße erregt das Interesse von Kunsthistorikern und Restauratoren

Eine Obstschale auf Marmorgrund – das ist alles, was das Wandgemälde im Haus Nr. 6 in der Rühner Straße zeigt. Es wird seit Monaten umfangreich restauriert und saniert. Das Gemälde, das dabei zum Vorschein kam, ist für Bützow als Kleinstadt geschichtsträchtig und regt Experten zu Spekulationen an.

Dieses Bild ist eine Supraporte. Das ist ein Gemälde, welches während der Renaissance in Anwesen und Schlössern über Türbögen angebracht oder aufgemalt wurde. Die Anwesenheit eines solchen Gemäldes in einem Bützower Haus lässt vermuten, dass Bützows Geschichte noch vielfältiger ist als vorerst gedacht. „So ein Bild in einem Haus in der Mitte der Stadt ist schon bemerkenswert“, sagt Boris Frohberg, Restaurator aus Berlin. Er wurde beauftragt, sich mit der Ueichnung und dem Haus in der Rühner Straße zu beschäftigen.

„Solche Bilder finden wir sonst meistens nur in Schlössern oder Adelsresidenzen. Dieses hier ist außerdem qualitativ sehr hochwertig“, so Frohberg. Ein befreundeter Kunsthistoriker aus Güstrow, Dr. Dieter Pocher, habe ihm seine Vermutung bestätigt, es handle sich um ein zwischen 1810 und 1830 gemaltes Bild. „Der Maler war mit Sicherheit ein Künstler aus einer Metropole und die Bildgestaltung auf dem Stand seiner Zeit“, sagt Frohberg. Damit sei es sehr wahrscheinlich, dass der Bilderschaffende – der ein Künstler und kein ansässiger Malermeister war – von der damals dort lebenden Familie extra angeworben worden war. Das wiederum ließe den Schluss zu, dass der Hausherr selbst zu den intellektuellen Kreisen seiner Zeit gezählt habe. „Die hohe Qualität des Bildes spricht dafür, dass es nicht günstig war“, ist sich Frohberg sicher.

Der gemalte Rahmen des Bildes ist ebenso Zeuge des Kunstverständnisses, wie die Bedeutung. Diese Art von Bildern wurde laut Frohberg von dem Bürgeradel zur Aufwertung des Raumes benutzt und bilde eine „Pompejanisches Zimmer“. Diese entstanden in Anlehnung an die aufklärerische Beschäftigung mit der Antike. Möglicherweise war der Besitzer Mitglied und Gastgeber eines „Tabakclubs“, einer Runde aus Gelehrten und Aufgeklärten, ähnlich den Freimaurern, so Frohberg.

Das Haus – insbesondere das Zimmer – geben aber noch mehr Rätsel auf. So wurde die Wand, auf der sich das Gemälde befindet, erst später eingebaut. Das kleine Kämmerchen dahinter hat keine Fenster. Was also in dem dunklen Raum hinter einer so reich verzierten Wand aufbewahrt wurde, bleibt vorerst ein Rätsel. Er werde die Wände weiter untersuchen, so Frohberg.

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erstellt am 07.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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