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Bützower Zeitung

09. Dezember 2016 | 16:33 Uhr

Weißer Ring : „Die Hemmschwelle ist groß“

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Immer weniger Menschen im Altkreis Güstrow nehmen Beratung in Anspruch

Opfern von Gewalt zur Seite stehen, sie beraten und zur Polizei, Staatsanwaltschaft oder vor Gericht begleiten – diesen Zielen hat sich der Verein Weißer Ring verschrieben. In der Außenstelle des Altkreises Güstrow, in deren Einzugsbereich auch Bützow fällt, wird das Beratungsangebot aber immer weniger wahrgenommen. „Es ist definitiv zurückgegangen“, sagt Erik Balcerkiewicz, der Anfang des Jahres die Leitung der Außenstelle übernommen hat. Es habe etwa 20 bis 25 Anfragen gegeben, fünf bis zehn davon mündeten in einer konkreten Fallbearbeitung. „Das ist schon ziemlich gering“, so Balcerkiewicz.

Im Altkreis Güstrow engagieren sich fünf Mitarbeiter für den Weißen Ring. Neben der telefonischen Beratung, die laut Balcerkiewicz am häufigsten genutzt wird, vereinbaren sie auch persönliche Treffen. Der Rückgang der Beratungen bedeute aber nicht, dass die Gewaltdelikte nachgelassen hätten. Das Problem sei vielmehr, dass die Hürde, bei einem Verein anzurufen und sich Hilfe zu holen, für viele zu groß sei, sagt Balcerkiewicz. „Nicht selten finden Straftaten innerhalb der Familie statt. Täter und Opfer sind dann eng verbunden. Die Hemmschwelle ist dann besonders groß.“

Einen weiteren Grund sieht Erik Balcerkiewicz auch darin, dass der Weiße Ring vielen Menschen als Institution gar kein Begriff ist. Viele Opfer von Gewaltverbrechen wüssten somit gar nicht, dass sie sich dort überhaupt Hilfe suchen können. Generell seien sich viele Betroffene gar nicht über ihre Rechte im Klaren, sagt Balcerkiewicz, der hauptberuflich die Polizeidienststelle in Teterow leitet. Die meisten wüssten zum Beispiel nichts über das Opferentschädigungsgesetz, das Opfern von Gewalttaten und kriminellen Handlungen die Unterstützung des Staates zusagt.

Balcerkiewicz rät allen, die von einer Straftat traumatisiert sind, sich an eine Vertrauensperson zu wenden und mit dieser darüber zu sprechen. Wer aber das Gefühl hat, sich an niemanden wenden zu können, kann den Weißen Ring kontaktieren. „Wir können zwar nicht jedem endgültig helfen, aber zuhören können wir auf jeden Fall“, betont Erik Balcerkiewicz.

Opferschutz seit 1976

Der Weiße Ring wurde 1976  in Mainz gegründet und zählt aktuell rund 50 000 Mitglieder in ganz Deutschland. Der Verein hilft Opfern von Gewaltdelikten. Dazu zählen unter anderem Sexualdelikte, häusliche Gewalt und Stalking. Die Mitarbeiter helfen durch menschlichen Beistand,  Begleitung zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht, Gewährung von Rechtsschutz sowie finanzielle Unterstützung von tatbedingten Notlagen.  Voraussetzung für die Hilfe ist das Anzeigen der Straftat bei der Polizei.

Die Außenstelle des Altkreises Güstrow ist unter 0151/55 16 46 22 erreichbar. Leiter Erik Balcerkiewicz bittet Anrufer darum, auf den Anrufbeantworter zu sprechen. „Ich versuche immer, zeitnah zurückzurufen.“ Darüber hinaus kann auch per E-Mail unter weisser-ring-guestrow@web.de Kontakt aufgenommen werden.

 

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erstellt am 14.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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