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Bützower Zeitung

10. Dezember 2016 | 06:02 Uhr

Ehrenamt : Bützower Tafel steht vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Personelle Probleme zwingen das Team um Katja Köster dazu, die Lebensmittel-Ausgaben in den nächsten zwei Wochen zu stoppen.

Die Bützower Tafel hat ab heute geschlossen. Die Entscheidung dafür fiel gestern Morgen – obwohl heute die Ausgabe von Lebensmitteln hätte stattfinden sollen. Grund für diesen radikalen Schritt sind personelle Probleme.

Katja Köster hatte im Juli den Vorsitz des Vereins übernommen und diesen umstrukturiert. Von Beginn an begleitete sie der Konflikt, überdurchschnittlich viel Zeit in ihre ehrenamtliche Tätigkeit zu investieren, ohne eine Arbeitsstelle zu haben, von der sie ihren Lebensunterhalt finanzieren kann. „Ich bin auf Bezüge vom Amt angewiesen“, erklärt sie. Und genau das ist das Problem. „Das ist nicht mehr zu vereinbaren. Ich mache hier einen Full-Time-Job“, so Köster. Entsprechend hoch ist der Druck von der Agentur für Arbeit, eine bezahlte Stelle zu finden.

Das Team ist überlastet

Das Fass zum überlaufen brachte die Tatsache, dass Köster ihre Aufgaben bei der Tafel krankheitsbedingt nicht mehr ausführen konnte. Ihre Stellvertreterin Christina Rohde übernahm. Die Belastung für das ohnehin überstrapazierte Team stieg weiter, die Situation spitzte sich zu.

„Wir sind zu wenig Leute, die hier enorme Arbeit leisten“, sagt Christina Rohde deutlich und fügt an: „Unsere letzte Ausgabe haben wir vergangenen Dienstag mit drei Leuten durchgeführt“.

Gestemmt werden müssten aber auch die Organisation, Absprachen mit Märkten, die Fahrten und die Sortierung. Alles Aufgaben, die nicht in einer halben Stunde erledigt seien. „Das geht an die Substanz“, gibt Rohde offen zu. Die Situation sei so keinen Tag länger tragbar gewesen. Nun haben die Frauen die Notbremse gezogen. „Wir müssen sie ziehen, wenn wir nicht ganz und gar kaputt gehen wollen – uns bleibt keine andere Wahl“, so Rohde.

„Für uns kam das heute sehr plötzlich“, berichtet Marie Dobbertin, ehrenamtliche Helferin. Sie hilft regelmäßig dabei, die Waren zu sortieren und ist zuständig für die Ausgabe. „Wir machen das gern und finden die Situation jetzt sehr schade“, so Dobbertin weiter. Auch sie sagt: „Die Kapazitäten sind erschöpft. Es ist sehr viel Verantwortung. Man unterschätzt die Arbeit“, gibt sie zu bedenken. „Wir fühlen uns im Stich gelassen“, bringt sie die Stimmung gestern auf den Punkt.

Ideallösung ist Anstellung über Tafel

„Es trifft jetzt alle“, fasst Katja Köster niedergeschlagen zusammen. Die Konsequenz sei, die Tafel zu schließen. Die Partnermärkte reagieren frustriert, denn sie bleiben auf der Ware sitzen. Leidtragende sind aber vor allem die 1300 Menschen, die im Monat das Angebot der Bützower Tafel in Anspruch nehmen und ab heute keine Lebensmittel bekommen. „Das wird ein Super-Gau“, ist sich Katja Köster der Konsequenz bewusst und: „Wir geben keine Garantie, dass wir am 17. wieder aufmachen“, fügt sie an. Denn es müsse sich dringend etwas ändern, um die Arbeit wieder aufnehmen zu können.

Die Ideallösung für Katja Köster wäre eine Anstellung über die Tafel. Ohne Träger und neue Sponsoren ist das aber nahezu unmöglich. „Ich habe versucht, einige Wege zu gehen“, berichtet die Vorsitzende. So habe sie bei der Stadt, dem Landesverband der Tafel und auch beim Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit vorgesprochen – bisher ohne Erfolg.

„Das ist für mich überraschend“, kommentierte Bürgermeister Christian Grüschow die Nachricht gestern. In einem gemeinsamen Gespräch Mitte Januar sei er mit Köster Möglichkeiten durchgegangen, ihr „Engagement auf feste Füße zu stellen“, um eine dauerhafte Beschäftigung zu ermöglichen. Ergebnis sei gewesen, dass er sie an Ansprechpartner der Agentur für Arbeit in Rostock und Güstrow verwies, aber auch eine bessere finanzielle Unterstützung in Aussicht stellte. „Das Amt ist bereit, den jährlichen Zuschuss weiter zu gewähren und gegebenenfalls zu erhöhen“, so Grüschow. Der dafür nötige Antrag sei bisher nicht eingegangen. Aus Krankheits- und Zeitgründen, so Köster. Einen Antrag auf 4000 Euro Förderung habe sie jedoch im Vorjahr fristgerecht eingereicht.

„Unser Ziel war, die Leute gut zu versorgen. Das haben wir geschafft. Aber wir können so nicht weitermachen“, sagt Köster abschließend, ratlos, wie es weitergeht.

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erstellt am 01.Feb.2016 | 16:45 Uhr

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