zur Navigation springen

Bützower Zeitung

31. Mai 2016 | 04:01 Uhr

Demonstration : Bützow zeigt sich bunt und tolerant

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

300 Menschen aus Bützow, Nachbarstädten und dem Land protestieren gegen Demonstration der rechten Szene an der Warnow

Es sollte ein Demonstrationszug einer so genannten Bützower Bürgerinitiative gegen Asylmissbrauch werden. Doch schnell wurde klar, wieder einmal versuchte die NPD, ihrer rechten Gesinnung Raum zu geben. Doch es zeigt sich auch. Bützower wollen das nicht tatenlos hinnehmen. Keine Toleranz der Intoleranz, das war ihre klare Botschaft.

Sonnabendvormittag, kurz nach 9 Uhr. Noch ist es ruhig in Bützow. Und doch ist es anders als sonst an einem Sonnabendvormittag.

Gottfried Hägele vom Bützower Bündnis für eine offene Gesellschaft und Toleranz baut mit Pastor Friedemann Preuß einen Infostand auf dem Schlossplatz auf. Das Bündnis hatte sich im Juni gegründet, nachdem bekannt wurde, dass gegen die Aufnahme von 55 Kriegsflüchtlingen in Bützow Front gemacht wird. Eine Gruppe, eine so genante Bützower Bürgerinitiative, hatte sich dazu im Internet bekannt.


Kriegsflüchtlinge gut integrieren


Hier auf dem Schlossplatz soll nun die Demo „gegen Asylmissbrauch“ starten. Eine Privatperson hatte am Mittwoch bei der Kreisverwaltung diese angezeigt. Die Verwaltung und die Polizei hatten das Demonstrationsrecht zu gewährleisten. Die Polizei ist mit einem 200 Mann starken Aufgebot präsent. Die Einsatzwagen stehen aufgereiht auf dem Schlossplatz, andere haben sich am Krummen Haus postiert. Nach und nach füllt der sich Platz rund um das Plakat „Eine Blume für Bützow“.

Ein Unternehmer packt eine Heliumflasche aus. Mehrere Frauen blasen damit bunte Luftballons auf. Mitarbeiter der Diakonie signalisieren auf einem Plakat „Wir lassen keinen im Regen stehen“. Sie haben auch Regenschirme mit lachenden Smileys mitgebracht, die an diesem heißen Sommertag als Sonnenschirme dienen. Ihre Botschaft ist die vieler anderer: Wir lassen keinen Platz für Intoleranz.

Man könne es nicht verhindern, dass „in Bützow für eine menschenverachtende Haltung demonstriert wird“, hatte Hägele im Vorfeld erklärt. Doch das Bützower Bündnis für eine offene Gesellschaft und Toleranz will gegen die Demo der Neonazis kreativ, laut und bunt protestieren.

Bürgermeister Christian Grüschow (parteilos) kommt. Er hatte von Anfang an klar gemacht, das Thema Kriegsflüchtlinge offen anzugehen, den Bützowern so auch Ängste nehmen zu wollen und die Asylbewerber gut zu integrieren.

Es sind nicht nur Menschen aus Bützow und der Region gekommen. Ebenso Vertreter der Güstrower Initiative „Flüchtlinge willkommen in Güstrow“, vom Landesflüchtlingsrat sowie von der Initiative Endstation Rechts.


Kirchenglocken läuten wie zum Protest


Um 10.30 Uhr soll sich der Demonstrationszug in Bewegung setzen. Doch Gegendemonstranten blockieren die Aalfangbrücke. Die Polizei versucht zu vermitteln. Mit einer Stunde Verspätung werden die Demonstranten auf eine andere Strecke geschickt. Es geht (zunächst) nicht in die Karl-Marx-Straße, sondern zum Rathausplatz. Und spätestens mit dem Auftritt dort von Udo Pastörs wird deutlich, die NPD nimmt die Steigbügel, die ihr geboten werden, um ihrer rechten Gesinnung Raum zu geben. Während Pastörs redet, läuten wie zum Protest die Kirchenglocken.

Die Mitstreiter vom Demokratiebündnis haben an der Kreuzung Gartenstraße, Rühner Landweg/Forsthof einen weiteren Infostand aufgebaut. Sie verteilen Kaffee, Kuchen und Erfrischungsgetränke. Die Demo soll zu Wohnungen der Asylbewerber am Rühner Landweg und am Leninring gehen. Doch der Polizei bleibt nichts anderes übrig, darauf einzuwirken, erneut einen anderen Weg einzuschlagen.Es geht zurück zur Wismarschen Straße. An der Kreuzung zur Karl-Marx-Straße stoppt eine Sitzblockade erneut den Zug.

Noch einmal angespannte Minuten. Um eine Eskalation zu vermeiden, kann der Demonstrationszug unter lautstarken Protesten zum angemeldeten Versammlungsplatz in der Karl-Marx-Straße. Dort ergreifen Pastörs und ein NPD-Kreistagsmitglied das Wort. Die Reden werden mit Buh-Rufen und Trillerpfeifen begleitet. Dann geht es zurück zum Schlossplatz.

Das Demokratiebündnis baut die Infostände ab. 15 Uhr: Die letzten Einsatzwagen der Polizei rücken ab. Polizeisprecher Gert Frahm spricht von etwa „ 300 Protestierende“, die sich einem „etwa 100 Personen umfassenden Aufzug der rechten Szene“ entgegenstellten. Und er spricht von „einigen wenigen Platzverweisen“, die ausgesprochen wurden. Und davon, dass „die Beamten der Landespolizei MV und der Bundespolizei einen vor allem wegen der Hitze herausfordernden Einsatz erlebten“.

In Bützow kehrt wieder Wochenendruhe ein.

 

 

 

 

 

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 20.Jul.2014 | 21:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen