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Berufsbildungsverein Steinhagen : Azubis mehr auf Achse als beim Lernen

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Geschäftsführer des Berufsbildungsvereins Steinhagen moniert Zeitverschwendung bei Fahrten zu auswärtigen Schulstandorten

Peter Müller ist unzufrieden. Der Geschäftsführer des Berufsbildungsvereins (BBV) in Steinhagen moniert seit langem, dass die Jugendlichen viel mehr auf Achse sind als zu lernen. Denn Schüler pendeln zwischen den Schulstandorten und Steinhagen, was vor allem kostbare Zeit koste. Um dieses Problem anzugehen, lud sich Müller nun die Integrationsbeauftragte des Landes, Dagmar Kaselitz, sowie Ada Quade, Referatsleiterin des Bildungsministeriums, ein und stellte bereits im Vorfeld klar: „Der Raum wird mit einem Ergebnis verlassen.“

Als der Raum dann schließlich verlassen wurde, konnte Peter Müller aufatmen. „Ich bin zufrieden“, sagte er. Gemeinsam mit Dagmar Kaselitz und Ada Quade wurde ein Kompromiss ausgehandelt, der nun in die Überprüfung geht. Die Überlegung ist, dass in Steinhagen eine Ganztagsschule eingerichtet werden soll – in Kooperation mit dem Schulstandort Güstrow. Den Überlegungen nach sollen die Schüler dann dreimal die Woche ganztägig Schule haben und zweimal die Woche in der Werkstatt die Praxis angehen, beziehungsweise umgekehrt.

Momentan ist es nämlich so, dass die derzeit zwölf Jugendlichen des BBV an drei Schulen des Landkreises beschult werden und den praktischen Teil in Steinhagen erledigen. Laut Müller koste dies vor allem Zeit, genau wie Kosten, die eigentlich unnötig seien. Morgens per Bus von Steinhagen zum Bützower Bahnhof, per Zug zum Güstrower Bahnhof und von dort aus zur Schule. Und später wieder zurück, da nachmittags die Praxis in Steinhagen ansteht. „Die Jugendlichen schwirren nur umher“, moniert Peter Müller. Er schätzt, dass die Jugendlichen für vier Unterrichtsstunden etwa acht bis zehn Stunden unterwegs sind. Dies sei zum einen unnötig, zum anderen auch kontraproduktiv.„Sie sind mehr unterwegs, als dass sie lernen.“ Dem Tag fehle die Struktur, was auch der Integration der Jugendlichen mit Migrationshintergrund nicht förderlich sei.

Mit dieser Einigung, die alle drei Beteiligten des runden Tisches zufriedenstellte, gehen Kaselitz und Quade nun nach Schwerin. In ihren Gremien wollen sie das Besprochene vorantreiben. „Beide haben mir versprochen, dass sie die Vorschläge Bildungsministerin Birgit Hesse und Sozialministerin Stefanie Drese die Vorschläge unterbreiten“, so Peter Müller. Auch er wolle seine parteilichen Kontakte spielen lassen, sodass binnen weniger Wochen eine Entscheidung zustande kommen soll.

Müllers Liste an Vorschlägen zur Verbesserung ging noch weiter. Vieles scheitert jedoch daran, dass landesweit Lehrermangel herrscht. Zudem seien die Wünsche sehr vielseitig, so Integrationsbeauftragte Kaselitz. „Wir haben im Schulsystem Regeln. Und an die müssen wir uns halten“, sagte sie. „Aber wir können versuchen, diese zu optimieren.“ Nun werde geprüft, was geht und was eben nicht.

Auch wenn das gemeinsam ausgeklügelte Konzept sinnig erscheine, dämpfte Kaselitz die Erwartungen, die Peter Müller in all seinen Forderungen zu hegen scheint. „Die Struktur des Berufsschulsystems zu ändern, ist sehr schwer.“ Landesweit sei dies quasi nicht schaffbar, was insbesondere an der Lehrersituation läge.

Grundsätzlich stehe sie aber hinter der Institution Berufsbildungsverein. „Herr Müller hat gesagt: Wer will, wird gefördert.“ Dies sei natürlich unterstützenswert. Ein Kooperationsvertrag mit Güstrow zur Aufgabenteilung wäre ein erster Schritt. „Dafür müssen wir nun mit allen Projektpartner an einen Tisch.“ Und als selbsternannte „Terrier“ wird Peter Müller darauf achten, dass dies nicht zu lange dauert.

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erstellt am 18.Mär.2017 | 06:00 Uhr

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