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25. Juli 2016 | 17:56 Uhr

Bahn-Fernverkehr : Über sieben Jahre Verspätung

vom
Aus der Onlineredaktion

Bahn-Fernverkehr 2013 mit zweitschlechtester Statistik / Rückschlag im Nahverkehr nach positivem Trend

Immer wieder hat der Bahn-Konzern Besserung gelobt. Doch bestätigt die Bundesregierung jetzt, dass seit 2004 Verspätungen im Fernverkehr deutlich zugenommen hat. „Die Bahn wird immer unpünktlicher und unzuverlässiger. In vielen Fällen muss man eine Stunde früher losfahren, wenn man einen Anschluss sicher bekommen will“, erklärte Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. Verspätungen und kein Ende? Hintergründe zur Debatte über die neue Pünktlichkeitsstatistik von Rasmus Buchsteiner.

Wie ist es aktuell um die Pünktlichkeit der Züge in Deutschland bestellt?
Laut Bahn-Konzern waren im vergangenen Jahr 73,9 Prozent der Fernzüge und 95,1 Prozent der Nahverkehrszüge pünktlich.

Allerdings: In die Bahn-Statistik gehen Züge auch dann noch als pünktlich ein, wenn sie bis zu 5:59 Minuten verspätet ankommen. Im Oktober 2014 verschlechterte sich die Bilanz – streikbedingt. Nur noch 68,4 Prozent der Fernzüge waren pünktlich.


Wie hat sich die Situation in den letzten zehn Jahren entwickelt?
Laut Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag, die unserer Berliner Redaktion vorliegt, ist die Summe der jährlichen Verspätungsminuten im Fernverkehr zwischen 2004 und 2013 von 2,91 Millionen auf 3 787 237 gestiegen – das sind mehr als sieben Jahre in einem einzigen Jahr. Das entspricht einem Anstieg von 48 500 Stunden auf 63 000 Stunden Verspätung. Im Nahverkehr sank die Zahl der Verspätungsminuten im gleichen Zeitraum von 12,35 Millionen auf 12,01 Millionen.


Welche Strecken sind am stärksten von Verspätungen betroffen?
Besonders häufig kommt es auf der Strecken zwischen Hamburg und Hannover, Bremen und Hamburg, Hannover und Bremen, Dortmund und Duisburg sowie Köln und Duisburg zu Zugverspätungen. Auch zwischen München und Augsburg sowie auf der Berliner Stadtbahn kommt es häufig zu Verzögerungen.

Wie reagiert der Bahn-Konzern auf die neue Statistik?
Der Konzern spricht von stabilen Werten im Fernverkehr und deutlichen Verbesserungen im Nahverkehr. Der Verkehr auf der Schiene habe in den vergangenen Jahren insbesondere auf den Hauptstrecken und in den Knoten zugenommen, „und das bei einem weitgehend unveränderten Netz“, heißt es in einer Mitteilung der Bahn. Vorstand Ulrich Homburg: „Gegen mutwillige Eingriffe in den Bahnverkehr, Personen im Gleis, extreme Witterung oder Streik können wir nur bedingt etwas tun.“

Welche Entschädigungsregelungen gelten bei Verspätungen?
Ab 60 Minuten Verspätung werden 25 Prozent des Fahrpreises erstattet, ab 120 Minuten Verspätung 50 Prozent. In Streitfällen können sich Bahnreisende an eine Schlichtungsstelle wenden.

Streiks und Schnee –worauf müssen sich Reisende in den nächsten Wochen und Monaten einstellen?
Die Bahn investiert 70 Millionen Euro, um ein Winterchaos wie in der Vergangenheit zu vermeiden. Für den Winterdienst werden 28 000 Bahn-Mitarbeiter in Bereitschaft sein. Bundesweit stehen 41 Enteisungsanlagen für Züge zur Verfügung.

 

Kommentar von Rasmus Buchsteiner

Fortschritt ist eine Schnecke
Bahnchef Rüdiger Grube hatte immer wieder  mehr Konzentration aufs Brot-und-Butter-Geschäft versprochen, doch die Pünktlichkeitsbilanz der Züge im Fernverkehr fällt weiterhin schlecht aus. Innerhalb von zehn Jahren eine Zunahme der Verspätungszeiten um rund 30 Prozent – das bereitet Kopfschmerzen. Obwohl  Streiks und extreme Wetterlagen kaum vorhersehbar sind, sie bleiben Hilfsargumente, um eigene Versäumnisse zu kaschieren. Schwer wiegt, wenn fehlende Züge, Stellwerke mit zu wenig Personal und schlecht geplante Baustellen zu  Verspätungen führen – das sind auch Fehler der Vergangenheit. Die  fatale Fixierung auf den  Börsengang hat notwendige Investitionen aufgeschoben. Deutschlands Schienennetz ist an die Grenze der Belastbarkeit geraten.

 

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