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11. Dezember 2016 | 10:56 Uhr

Nordkirche segnet künftig Schwule und Lesben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Mecklenburg-Vorpommern können sich in einer Lebenspartnerschaft lebende schwule und lesbische Paare künftig in öffentlichen Gottesdiensten segnen lassen. Das hat die in Travemünde tagende Landessynode der Nordkirche gestern mit großer Mehrheit beschlossen. Künftig sind solche Gottesdienste Amtshandlungen, auf die jedes Mitglied der Nordkirche einen Anspruch hat. So wie Traugottesdienste heterosexueller Paare sollen sie in den Kirchenbüchern verzeichnet werden.

In der Neuregelung soll sich nach Angaben von Landesbischof Gerhard Ulrich das „geistliche Lernen unserer Kirche“ widerspiegeln. „Es geht um Menschen“, sagte Ulrich. „Es geht um ihre Lebensgeschichten – um Liebe und Leiden und Leidenschaft.“ Gott habe alle Menschen als seine Ebenbilder geschaffen, „sündig und gerechtfertigt zugleich – keiner mehr oder weniger als andere!“ Pastorinnen und Pastoren können allerdings auch weiterhin Segnungen aus Gewissensgründen ablehnen. In diesem Fall sollen die zuständigen Pröpste dafür Sorge tragen, dass die Segnung durchgeführt wird.

Anders als andere Landeskirchen verzichtet die Nordkirche darauf, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare offiziell als Traugottesdienst zu bezeichnen. „Wenn das Verschiedene verschieden benannt wird, ist damit keine Abwertung verpackt“, sagte Ulrich. „Aber ich glaube fest, dass es keine durch Liebe verbundene Partnerschaft zweier Menschen gibt, in denen Gott nicht der Schöpfer aller Dinge ist.“

Dagegen warnte der Vorsitzende der theologischen Kammer der Nordkirche, Daniel Havemann, es bestehe die Gefahr einer Abwertung des Segnungsgottesdienstes zu einer „Trauung zweiter Klasse“. Die Debatte darüber bleibt aber im Schwung: So soll es in den nächsten Jahren eine Themensynode geben, bei der über das Verhältnis von Trauungen und Segnungen debattiert werden soll. Ein Antrag der Jugenddelegierten in der Landessynode, den Begriff „Segnung“ durch Trauung zu ersetzen, wurde von der Synode auf diese Themensynode verwiesen.

Doch selbst unter den Bischöfen der Nordkirche gab es unterschiedliche Positionen: Der pommersche Sprengelbischof Hans-Jürgen Abromeit erklärte vor der Synode, auch er hätte „Hemmungen, die Segnung zu vollziehen.“

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