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03. Dezember 2016 | 14:41 Uhr

Mit dem Zug über Oder und Neiße

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Oft langsam und umständlich – der Bahnverkehr zwischen Berlin-Brandenburg und dem östlichen Nachbarn läuft nicht immer reibungslos

) Wer mit der Bahn über die deutsch-polnische Grenze will, braucht Nerven und Zeit. Entweder fahren die Züge nur am Wochenende, einmal täglich oder eingleisige und nicht elektrifizierte Streckenabschnitte bremsen Reisende aus. Neben der Verbindung von Berlin nach Posen gibt es zwischen der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg und dem Nachbarland vier regionale Trassen.

Im Norden pendeln Züge des RB 66 von Berlin nach Stettin. Dreimal täglich fahren Reisende ohne Umsteigen. Sie müssen fast zwei Stunden einplanen, die Strecke ist größtenteils nicht elektrifiziert und auf einem 40 Kilometer langen Abschnitt eingleisig befahrbar.

Fünf zusätzliche Verbindungen gibt es, bei denen jedoch ein Umstieg in Angermünde (Uckermark) nötig ist - was zu noch längerer Reisezeit führt. Immerhin steht die grenzüberschreitende Schienenverbindung nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) im Bundesverkehrswegeplan 2030 mit dem Vermerk „vordringlicher Ausbau-Bedarf“. „Was genau damit gemeint ist, darum dürfte es heute beim deutsch-polnischem Bahngipfel in Stettin gehen“, sagt VBB-Sprecherin Elke Krokowski.

Nicht im Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt ist die wichtige Ost-West-Verbindung von der Bundeshauptstadt nach Gorzow - trotz vieler Interventionen und Proteste auch aus der Ostbrandenburger Wirtschaft. Sie verläuft auf der Trasse der ehemaligen preußischen Ostbahn, die Berlin ab 1851 mit Kaliningrad verband. Soweit reicht die Strecke des RB26 längst nicht. Durch das Oderbruch geht es in knapp zwei Stunden bis Gorzow - aber nur einmal täglich durchgehend. Eingleisigkeit und fehlende Elektrifizierung werden abschnittsweise zum Problem.

Erwischen Reisende die durchgehende Verbindung nicht, müssen sie in der Grenzstadt Kostrzyn von der Niederbarnimer Eisenbahn in die polnische Staatsbahn umsteigen - längere Wartezeiten inklusive. „Die Polen gehen auf Nummer sicher und lassen einen großen Zeitpuffer“, sagt Eike Arnold vom VBB. Dass die Polen für ihre Bahnen Gleichstrom, die Deutschen Wechselstrom nutzen, dass es verschiedene Signale und Zug-Sicherungssysteme gibt, mache grenzüberschreitenden Zugverkehr nicht einfacher, sagt er.

Trotz aller Schwierigkeiten sollte das Thema auf politischer Ebene im Gespräch bleiben, schon mit Blick auf das wirtschaftlich boomende Westpolen, meint Arnold. „Geschäftsleute müssen eine schnelle Reise-Alternative zum Auto haben.“ Das gilt auch für die Zugverbindung von Berlin über Frankfurt (Oder) nach Zielona Gora. „Die Bahn fährt morgens von Polen zwei Stunden und 40 Minuten in die Bundeshauptstadt und abends wieder zurück. Sie wird von Pendlern aus dem Nachbarland genutzt“, sagt Alena Karaschinski, die in Frankfurt (Oder) das Büro der grünen Bundestagsabgeordneten Annalena Baerbaum leitet. Deutsche Geschäftsreisende könnten davon nicht profitieren. Karaschinski hält die Reaktivierung der Zugerbindung von Berlin-Breslau für sinnvoller. Auf dieser fährt am Wochenende der von Touristen genutzte Kulturzug in Europas Kulturhauptstadt 2016. „Ein erweitertes Fahrgastangebot sollte Thema des Bahngipfels sein“, meint sie. Schließlich gab es diese reguläre Verbindung bis zum Jahr 2014.

Dann setzte die Deutsche Bahn aus Kostengründen auf Fernbusse und legte die Trasse still. Wohl auch, weil Streckenabschnitte in der Lausitz zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden müssten. Diese Bahnverbindung findet sich laut Karaschinski im Bundesverkehrswegeplan, aber es wird kein „vordringlicher Bedarf“ gesehen.

„Der gut angenommene Kulturzug ist für den VBB eine Möglichkeit, die Nachfrage bei Reisenden wieder anzukurbeln, sodass die Deutsche Bahn diese Strecke hoffentlich auch wochentags wieder bedienen wird“, sagt Arnold.

 

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