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09. Dezember 2016 | 04:58 Uhr

Interview Martina Gedeck : „Ich glaube an unser Rechtssystem“

vom
Aus der Onlineredaktion

Sie spielte schon die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof. Jetzt ist Martina Gedeck als Staatsanwältin im TV-Gerichtsdrama

Martina Gedeck hält den im TV-Gerichtsdrama „Terror – Ihr Urteil“ des 164-fachen Mordes angeklagten Bundeswehrsoldaten für schuldig. Im Interview mit Matthias Hoenig erklärt sie ihre Sicht:

Ist der Pilot für Sie persönlich - jenseits Ihrer Rolle als Staatsanwältin – schuldig?

Martina Gedeck: Aus meiner Sicht ist er schuldig, weil er gegen seinen Vorgesetzten, das Verteidigungsministerium, einfach eigenmächtig eine Entscheidung gefällt hat. Das ist ja für ihn als Soldaten der Bundeswehr nicht statthaft. Er hätte es nicht tun dürfen.

Hat sich Ihre persönliche Einstellung, die ja fast auf Linie der Staatsanwältin ist, während der Dreharbeiten geändert?

Ich bin froh, dass wir das Grundgesetz haben als Grundlage unseres Rechtsstaates. Ich halte es für problematisch, die Grundlagen der Verfassung zu verlassen. Es kann ja nicht sein, dass jeder, wie er denkt, einfach agiert. Wir leben ja nun nicht in einem diktatorischen Staatsgefüge - zum Glück, sonst wäre das eine andere Situation. In unserem Staat kann man sich meines Erachtens gut darauf verlassen, dass kompetente Menschen über die Verfassung wachen.

Sie haben auch die RAF-Terroristin und Staatsfeindin Ulrike Meinhof gespielt. Jetzt verkörpern Sie als Staatsanwältin eine Repräsentantin des Rechtsstaats. Für welche Figur haben Sie mehr Sympathien, Verständnis oder auch Unverständnis?

(Gedeck holt tief Luft, lässt sich Zeit): Ich habe großes Verständnis für die Staatsanwältin. Ich kann ihren Argumenten gut folgen. Auch in ihrer Vernehmung und Vernehmungstaktik finde ich: Es ist sehr schlüssig, sehr klug, sehr nachvollziehbar und die Argumente des Plädoyers gefallen mir, auch wenn sie komplex sind.

Und Ulrike Meinhof...?

Bei ihr liegt der Fall natürlich vollkommen anders. Sie hätte ihrem Beruf treu bleiben und als Journalistin weiter versuchen sollen, auf den Staat und auf die Gesellschaft einzuwirken und nicht mit Terror.

Ist unser Rechtssystem überfordert, einen Fall, wie des Piloten, gerecht aufzuarbeiten?

Eine differenzierte Rechtsprechung ist möglich, aber nur von Fall zu Fall. Man muss vieles abwägen und am Ende beim individuellen Prozess bleiben. Es ist immer schwierig Recht zu sprechen, aber ich glaube an unser Rechtssystem.

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