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08. Dezember 2016 | 12:52 Uhr

Größtes Risiko: Ungeschützer Sex

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein Arzt in den USA diagnostizierte 1981 eine Erkrankung, die später Aids genant wird. Prof. Emil Reisinger (58), Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten an der Rostocker Universitätsmedizin, erklärt im Interview mit Udo Roll warum Kondome nach wie vor der wirksamste Schutz sind.

Mediziner erforschen das Aids-Virus seit gut 30 Jahren. Warum gibt es bislang keine Impfung wie gegen Grippe?

Emil Reisinger: Anders als etwa ein Grippevirus ist der HI-Virus sehr kompliziert. Er versteckt sich quasi im menschlichen Erbgut kann dort über Jahre schlummern. Das Virus aus der Zelle herauszubekommen oder es am Eindringen zu hindern, das ist die große Herausforderung für die Medizin.

Und wann könnte dieser Durchbruch gelingen?

Einen Lösungsansatz sehe ich im Bereich der Molekularbiologie mit einem Verfahren, das es ermöglicht die Virus-DNA aus den befallenen Zellen heraus zu trennen. Das wird aber voraussichtlich noch 10 Jahre dauern.

Welche Therapie-Möglichkeiten gibt es zurzeit?

Bei den Behandlungsmethoden konnten in den vergangenen Jahrzehnten beachtliche Fortschritte erzielt werden. Vor 30 Jahren betrug die Lebenserwartung eines HIV-Infizierten vier bis sechs Jahre. Mit den heutigen Kombinationspräparaten kann die Vermehrung des Virus im Körper deutlich gehemmt werden. Betroffene haben dadurch fast die gleiche Lebenserwartung wie gesunde Menschen. Eine vollständige Heilung ist derzeit aber noch nicht möglich. Deshalb bleibt die Aufklärungsarbeit auch so wichtig, um Neuinfektionen zu vermeiden.

Wo sollte die Aufklärung denn ihrer Meinung nach ansetzen?

Sie muss vor allem kontinuierlich erfolgen. In der Schule am besten als Pflichtfach. Für Menschen, die keiner Risikogruppe angehören, besteht die größte Ansteckungsgefahr bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

Aber sollte das nach 30 Jahren nicht mittlerweile angekommen sein?

Wir erleben es nach wie vor: Ein Mann oder eine Frau lernt jemanden im Urlaub kennen und dann haben sie ungeschützten Sex. Das ist wie Russisch-Roulette – auf einmal ist die Kugel im Lauf und sie haben sich infiziert. Der beste Schutz ist ein Kondom – oder sie leben enthaltsam.

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erstellt am 30.Nov.2016 | 20:00 Uhr

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