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Deutschland & Welt

25. August 2016 | 10:04 Uhr

Diskriminierung : Zu dick, zu dünn, zu klein?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Immer wieder müssen sich Gerichte mit Fällen beschäftigen, bei dem das Aussehen des Klägers eine entscheidene Rolle spielt

Manchmal sind wenige Zentimeter entscheidend: Das Landesarbeitsgericht Köln hat gestern die Klage einer Frau abgewiesen, die wegen ihrer Körpergröße von der Lufthansa nicht zur Pilotenausbildung zugelassen worden war. Das Gericht gab der Klägerin zwar darin recht, dass Frauen mit dieser Regelung diskriminiert würden, weil sie nun mal durchschnittlich kleiner seien als Männer.

Dennoch lehnte das Gericht es ab, die Lufthansa zu einer Entschädigung zu verurteilen, weil der Frau durch das Vorgehen kein Schaden entstanden sei.

Ein Fall von vielen, bei denen äußerliche Merkmale bei der Einstellung von Berufsbewerbern eine wichtige Rolle spielen. Doch welche Ablehnungsgründe sind juristisch erlaubt?

 

Dürfen Personaler Bewerber ablehnen, nur weil sie ihnen zu unattraktiv sind?

Grundsätzlich ja. Was moralisch vielleicht fragwürdig anmutet, ist meist rechtlich zulässig. Trotzdem dürfte der Personaler Größe, Gewicht oder Optik kaum offen als Ablehnungsgrund anführen, um sich rechtlich abzusichern. „Solange er sich bedeckt hält, ist er aus dem Schneider“, sagt die Stuttgarter Arbeitsrechtlerin Sandra Flämig.

 

Und wenn Bewerber die Stelle nicht bekommen, weil sie eine Frau sind?

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet jegliche Benachteiligung wegen des Geschlechts. Auch aufgrund von ethnischer Herkunft, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter und der sexuellen Identität dürfen Bewerber keine Absage erhalten.

 

Wann sind Einschränkungen bei der Bewerberauswahl rechtlich erlaubt?

Das hängt von der Tätigkeit ab. Gewisse Anforderungsprofile hebeln das AGG aus. „Wenn es wirklich sachliche Gründe gibt, die nicht nur vorgeschoben sind, ist eine Ablehnung okay“, erklärt Arbeitsrechtlerin Flämig. Die Leitung eines Frauenhauses dürfe zum Beispiel offen nur nach weiblichen Sekretärinnen suchen – da greift die Gleichbehandlung der Geschlechter nicht.

 

Darf Übergewicht eine Rolle spielen?

Auch hier gilt allgemein die freie Entscheidung des Arbeitgebers, und zwar nicht nur bei repräsentativen Tätigkeiten. Nur als Folge einer Behinderung fällt Fettleibigkeit in den geschützten Bereich des AGG. Aber selbst dann kann je nach Job Übergewicht gegen eine Einstellung sprechen.

 

Wie lässt sich Diskriminierung belegen?

In der Praxis eher schwer. Abgelehnte Bewerber müssen eine Benachteiligung mit Indizien nachweisen. Das kann zum Beispiel eine diskriminierende Stellenanzeige sein oder eine schriftliche Absage mit unrechtmäßiger Begründung. Wird der Ablehnungsgrund lediglich im Vorstellungsgespräch genannt, kann die Aussage eines Zeugen helfen.

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