zur Navigation springen

Wirtschaft

04. Dezember 2016 | 21:23 Uhr

Arbeitsministerium : Wie tief sinkt das Renteniveau?

vom
Aus der Onlineredaktion

Spitzentreffen im Arbeitsministerium mit verhärteten Fronten

Verhärtete Fronten beim Spitzentreffen zur Rente gestern im Arbeitsministerium: Immer mehr Rentner, immer weniger Beitragszahler, wie kann die Altersvorsorge gerecht und bezahlbar bleiben? Wird die Rente zum zentralen Wahlkampfthema? Hintergründe von Tobias Schmidt.

Wie ist die lage?
Im Juli gab es eine Rekord-Rentenerhöhung von 4,25 Prozent im Westen und 5,95 Prozent in den neuen Ländern. Nicht zuletzt, weil die geburtenstarken Baby-Boomer-Jahrgänge allmählich das Rentenalter erreichen, dürften die Erhöhungen künftig geringer ausfallen. Neben den geringeren Erhöhungen müssen sich künftige Ruheständler darauf einstellen, dass sie im Verhältnis zum Durchschnittslohn ein geringes Rentenniveau erhalten: Nach Berechnungen des Ministeriums würde die Höhe von derzeit 47,5 bis 2045 auf 41,6 Prozent des Durchschnittseinkommens sinken. Bei einem Einfrieren des Rentenniveaus bei 47,5 Prozent stiegen die Beiträge bis 2045 von 18,7 auf 26,4 Prozent. Die jährlichen Kosten: 40 Milliarden Euro.


Was fordern die Gewerkschaften?
„Hauptanliegen“ des DGB ist es, „das gesetzliche Rentenniveau zu stabilisieren“, so DGB-Chef Reiner Hoffmann gestern in Berlin. Dafür müssten die Beiträge noch vor 2030 „behutsam“ angehoben werden, um Demografie-Reserven aufzubauen.

Was wollen die Arbeitgeber?
Das Gegenteil: Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), verlangte gestern eine „Haltelinie“ beim Beitragssatz von 22 Prozent auch über 2030 hinaus. Er verweist auf Berechnungen, wonach sich die Renten günstiger entwickeln als die Beiträge. Für zusätzliche Leistungen, sei es für höhere Ostrenten oder Unterstützung von Erwerbsgeminderten, bestehe „kein finanzieller Spielraum“, so Kampeter.

Wie haben sich die Parteien aufgestellt?
SPD-Chef und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte sich schon im Frühjahr für eine Stabilisierung des Rentenniveaus stark gemacht. Er ist sich dabei mit CSU-Chef Horst Seehofer einig. Der bayrische Ministerpräsident will überdies eine Anhebung der Ostrenten nur bei einer Ausweitung der Mütterrenten akzeptieren. Die Anpassung der Ostrenten an Westniveau wurde im Koalitionsvertrag vereinbart. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte jetzt erneut, bei einer Umsetzung der Pläne müssten die gegenwärtigen Arbeitnehmer im Osten künftig Einbußen hinnehmen, weil die Höherwertung ihrer Einkommen wegfalle. Ohne diesen Verzicht werde es „nicht gehen“.

Was plant Nahles?
Die Arbeitsministerin will nach dem nächsten Spitzentreffen am 20. Oktober ihr Gesamtpaket präsentieren und hat sich noch nicht tief in die Karten blicken lassen. Eines ihrer Vorhaben: „Haltelinien“ beim Rentenniveau. Wo sie diese einziehen will, ließ sie offen. Darüber hinaus will Nahles Riester-Rente und Betriebsrenten als Ergänzung der gesetzlichen Rente attraktiver machen und sie will Geringverdiener bezuschussen um sie vor Altersarmut zu schützen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen