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Wirtschaft

11. Dezember 2016 | 09:02 Uhr

Dieselkrise trifft Belegschaft : VW spart und streicht Jobs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bis zu 30 000 Stellen fallen weg. Die Kosten sollen um fast vier Milliarden Euro pro Jahr sinken

Es geht ans Eingemachte. Seit Monaten haben die Beteiligten in Wolfsburg um ein Regelwerk gerungen, das schon mit seinem Namen die Weichenstellung sein soll für die kommenden Jahre. Und das Ergebnis macht klar, warum Arbeitnehmer und VW sich auf den letzten Metern so schwer getan haben. Bis zu 30 000 Stellen sollen in den kommenden Jahren weltweit wegfallen, die Kosten um fast vier Milliarden Euro pro Jahr sinken. Damit kommt auch die Dieselkrise endgültig bei der Belegschaft an.

Allein in Deutschland stehen 23 000 Stellen zur Disposition – der Abbau soll zwar sozialverträglich geschehen, betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben. Viele aber werden sich umstellen und umlernen müssen. Manches Werk wird weniger – und andere – Arbeit haben.

Denn VW muss sparen und gleichzeitig in neue Technologien investieren, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ein Drahtseilakt unter Zeitdruck. Vieles stand auf dem Prüfstand, aber am VW-Fundament sollte nicht gerüttelt werden. Teilnehmer beschreiben die Gespräche als zäh, hart, aber insgesamt sehr fair. Die Lage für VW ist allerdings auch ernst. Die Kernmarke VW Pkw mit den Verkaufsschlagern Golf, Tiguan und Passat wandelt nicht erst seit der Abgasaffäre gefährlich nah an der Verlustzone.

Von 100 Euro Umsatz blieben in den ersten neun Monaten nur rund 1,60 Euro als Gewinn vor Zinsen und Steuern hängen – zu wenig für die Ansprüche des Weltkonzerns. Markenchef Herbert Diess will die Umsatzrendite in den kommenden Jahren nun mehr als verdoppeln.

Die großen Gewinne fahren im VW-Konzern nämlich andere ein. Dass die Premiumschlitten von Porsche und Audi lukrativer sind, liegt auf der Hand. Aber selbst die Konzerntochter Skoda glänzt im Vergleich zu VW mit seiner Gewinnkraft. Diess war auch deshalb von BMW geholt worden, weil ihm der Ruf des strikten Kostenkillers vorauseilt.

Der Streit um das Warum der hohen Kosten hat Tradition im Vielmarkenkonzern. Wessen Entwicklungsleistungen kommen wem zugute, welche gemeinsamen Kosten werden welcher Marke allein angelastet? Hinter den Kulissen soll es deswegen erneut gerummst haben. Der Stresstest Dieselkrise ist der Solidarität unter den bisher zwölf Marken des Konzerns nicht sehr zuträglich.

Belegschaft und Unternehmen haben nun den sogenannten Zukunftspakt geschlossen – doch ohne Schmerzen wird es nicht gehen. In Wolfsburg glaubt man auf allen Seiten, den Ausweg durch einen Personalabbau gefunden zu haben, der sich die zahlreichen Babyboomer an der Altersteilzeitgrenze zunutze macht. Sie sollen für Entlastung sorgen, wenn sie weniger arbeiten oder in Frührente gehen. Ob die Sparbemühungen reichen, das bezweifeln viele. Schon Ex-Chef Martin Winterkorn hatte in seinem Effizienzprogramm fünf Milliarden Euro als Ein-sparziel ausgerufen. Genutzt hat es bislang wenig.

Der Österreicher Diess kann für sich verbuchen, dass die als teuer geltenden deutschen Werke durch den Jobabbau insgesamt um ein Viertel profitabler werden sollen – vor allem auch auf Kosten von Leiharbeitern.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 20:55 Uhr

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