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Wirtschaft

09. Dezember 2016 | 12:43 Uhr

Energiewende : Um die sieben Cent

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dass Verbraucher für die Energiewende noch etwas drauflegen müssen, steht fest – auch für die „EEG-Umlage“

Stromverbraucher müssen sich wieder auf höhere Kosten einstellen: Die sogenannte Ökostrom-Umlage wird zu Jahresbeginn 2017 deutlich ansteigen und das obwohl Bundestag und Bundesrat gerade erst ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz beschlossen haben, das die bisherige Überförderung abbauen und den Anstieg der Strompreise dämpfen sollte. Ein neuer Preis-Schock für die Verbraucher? Hintergründe zur geplanten Erhöhung der Ökostrom-Umlage von Rasmus Buchsteiner.

Was ist die EEG-Umlage?

Die EEG-Umlage ist ein Aufschlag auf den Strompreis. Aus den Einnahmen werden die bislang auf 20 Jahre garantierten Vergütungen für Betreiber von Windrädern, Photovoltaik- und Biogasanlagen finanziert. Das Gesamtvolumen der Vergütungen dürfte in diesem Jahr rund 24 Milliarden Euro betragen.

Die Ökostrom-Umlage macht derzeit etwa ein Fünftel des Strompreises aus. Im kommenden Jahr wird sie Experten zufolge von aktuell 6,354 Cent je Kilowattstunde auf rund sieben Cent steigen – ein neuer Höchststand.

Mitte Oktober soll die Umlage von den Netzbetreibern festgesetzt werden.

Wie erklären Experten den neuerlichen Anstieg?

Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht zwei wesentliche Gründe: Die EEG-Umlage errechne sich aus der Differenz der Vergütungen für erneuerbare Energien und dem Strompreis an der Börse. „Je niedriger der Börsenpreis, desto höher die Umlage. Der Börsenstrompreis wiederum ist gesunken, da neben den erneuerbaren Energien vor allem noch immer zu viele Kohlekraftwerke am Netz sind, die zu einem enormen Strom-Angebotsüberschuss führen“, so die Expertin. Ein konsequenter Kohleausstieg würde helfen, den Börsenstrompreis zu stabilisieren, die Klimaziele zu erreichen und einen überdimensionierten Netzausbau zu verhindern: „Er würde die Energiewende enorm verbilligen.“

Welche Belastungen kommen jetzt auf Stromkunden zu?

Es ist noch nicht absehbar, ob der Anstieg der Umlage eins zu eins an die Kunden weitergegeben wird. „Wenn die EEG-Umlage tatsächlich auf sieben Cent je Kilowattstunde ansteigen würde, wären dies für eine vierköpfige Familie in etwa knapp 30 Euro Mehrkosten im Jahr“, so Expertin Kemfert. Allerdings seien die Börsenstrompreise deutlich gesunken: „Wenn diese im gleichen Umfang an die Verbraucher weitergegeben werden würden, dann dürften die Mehrkosten deutlich geringer ausfallen,“ sagt Kemfert.

Was bedeutet der Anstieg der EEG-Umlage politisch?

Der für die Energiewende und ihre Kosten zuständige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte im vergangenen Jahr etwas voreilig erklärt, die Kostendynamik bei den erneuerbaren Energien sei durchbrochen – dank der vorletzten EEG-Reform, die zum 1. August 2014 in Kraft trat. Die geplanten Stromautobahnen von Nord nach Süd, die zumindest in Bayern nach einem schwarz-roten Koalitionskompromiss größtenteils unterirdisch verlaufen sollen, könnten zu Mehrkosten von bis zu 16 Milliarden Euro führen: Ausgaben, die ebenfalls auf die Stromkunden umzulegen wären.

Bringt das „EEG 2017“ Entlastung?

Die Reform tritt Anfang 2017 in Kraft. Sie sieht eine schrittweise Abkehr vom System der festen Garantievergütungen vor. Für die bisherigen Anlagen gibt es Bestandsschutz. 80 Prozent der zusätzlich erforderlichen Ökostrom-Menge wird künftig ausgeschrieben. Wer den günstigsten Preis anbietet, kommt zum Zuge. Der Ökostrom-Ausbau wird deutlich gebremst.
 

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