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Wirtschaft

06. Dezember 2016 | 09:09 Uhr

Tuifly : Goldene Piloten-Zeiten sind vorbei

vom
Aus der Onlineredaktion

Tagelang zwangen Krankmeldungen Tuifly an den Boden. Der Streit mit der Airline ist auch als Verteidigung von Besitzständen zu erklären

Der erbitterte Widerstand der Tuifly- Belegschaft gegen eine Verschmelzung mit Teilen der Air Berlin ist ein Abwehrkampf gegen schlechtere Arbeitsbedingungen. Während der Mutterkonzern Tui beteuert, dass Tuifly als eigenständige, deutsche Airline erhalten bleiben soll, trauen Piloten, Flugbegleiter und Bodenpersonal den Versprechungen nicht und bangen um ihre Besitzstände, denn bei anvisierten Partnern wird deutlich weniger gezahlt. Warum Pilot längst kein Traumjob mehr ist, analysiert Christian Ebner.

VIEL KONKURRENZ

Wurden vor nicht allzu langer Zeit die Piloten noch handverlesen, gibt es inzwischen ein Überangebot. Nach Branchenschätzungen kommen allein in Deutschland zu den rund 10 000 aktiven Verkehrspiloten noch mehr als 1000 arbeitslose Flugzeugführer. Die europäische Pilotenvereinigung ECA geht sogar von 16 Prozent arbeitslosen Piloten in Europa aus. Im internationalisierten Arbeitsmarkt konkurrieren sie zunehmend mit Crews aus Asien, wo weit geringere Gehaltsniveaus herrschen.

Starkes Gehaltsgefälle In der Luftfahrt gibt es ein enormes Gehaltsgefälle. Bei der von Etihad/Air Berlin und Tui geplanten Ferienflugholding würden die Extreme aufeinandertreffen, denn Tuifly-Piloten gehören zu den Spitzenverdienern im europäischen Vergleich. Kapitäne können dem Branchenportal „Pilotjobsnetwork“ zufolge in der Endstufe auf Jahresgehälter jenseits der 200 000 Euro kommen – so viel wird sonst nur noch bei Lufthansa oder Air France gezahlt. Bei der Air-Berlin-Tochter Niki wird bestenfalls ein Drittel verdient.

Das allein erklärt schon, warum die Tuifly-Piloten unter keinen Umständen mit den Österreichern verschmolzen werden wollen.

WOHLFÜHLBEREICHE GESCHLOSSEN

Der Zugang zu den lohnenden Pfründen ist Berufsanfängern versperrt. Die Lufthansa hat seit 2013 keinen einzigen Piloten mehr zu den Bedingungen des lukrativen und daher umstrittenen Konzerntarifvertrages eingestellt. Nach dem Vertragswerk wird ohnehin nur noch die Hälfte der Piloten in der Lufthansa-Gruppe bezahlt, für die übrigen etwa bei Swiss oder Austrian gelten niedrigere Gehaltstabellen. Die Folge ist ein interner Kostenwettlauf.

ATYPISCHE BESCHÄFTIGUNGS-VERHÄLTNISSE

Leiharbeit und Scheinselbstständigkeit sind zwei Methoden, mit denen Fluggesellschaften die Personalkosten für ihre Piloten drücken. Laut einer Studie der Universität Gent geben rund 16 Prozent der europäischen Piloten an, atypisch beschäftigt zu sein. Sie sind entweder bei Personaldienstleistern angestellt oder werden von den Fluggesellschaften angehalten, mit einigen Kollegen eine eigene Dienstleistungsfirma zu gründen.

AUSBILDUNG SELBST BEZAHLEN

Selbst bei der Lufthansa sind die Zeiten vorbei, dass das Unternehmen den Groß- teil der Ausbildungskosten trägt.

Der größte Luftverkehrskonzern Europas will seine komplette Ausbildung umstellen und zu „marktgerechten Bedingungen“ Piloten weit über den eigenen Bedarf ausbilden. Den Besten sollen dann Festanstellungen angeboten werden.  An privaten Flugschulen kostet die Verkehrspilotenlizenz bis zu 120 000 Euro.

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