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Wirtschaft

07. Dezember 2016 | 23:10 Uhr

Altlasten wiegen noch schwer : Deutsche Bank überrascht mit Gewinn

vom

Kann die Deutsche Bank den Vertrauensverlust stoppen? Die Quartalszahlen sind ein kleiner Lichtblick. Doch viele Baustellen bleiben. Das hat auch Folgen für die Mitarbeiter.

Ein überraschender Quartalsgewinn verschafft der Deutschen Bank nach turbulenten Wochen eine Atempause. Trotz juristischer Altlasten und der anhaltenden Zinsflaute erwirtschaftete Deutschlands größtes Geldhaus von Juli bis September einen Überschuss von 278 Millionen Euro. Branchenbeobachter hatten einen Verlust erwartet. «Wir sind beim Umbau unserer Bank gut vorangekommen», sagte Vorstandschef John Cryan am Donnerstag in Frankfurt.

Zugleich stimmte er die Mitarbeiter angesichts sich weiter eintrübender Ertragsaussichten auf eine Verschärfung des Sparkurses ein. Die Lage werde noch eine Weile schwierig bleiben, schrieb der Vorstandschef in einem Brief an die Beschäftigten: «Wir werden deshalb unseren Umbau beschleunigen und noch verstärken müssen, wie wir es ja zum Halbjahr schon angedeutet haben.»

Bisher will der deutsche Branchenprimus im eigenen Haus unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze streichen, 4000 davon in Deutschland. Bis Ende 2017 sollen etwa 200 der 700 Filialen geschlossen werden.

Drängendstes Problem sind derzeit die juristischen Altlasten. Die US-Justiz hatte Mitte September mit einer Strafforderung von 14 Milliarden Dollar die Verhandlungen über krumme Hypothekengeschäfte eröffnet und damit den Aktienkurs einbrechen lassen. «Die Bank arbeitet hart daran, diese Angelegenheit so bald als möglich abzuschließen», versicherte Cryan. Die drohende Strafe führte zwischenzeitlich sogar zu Spekulationen über mögliche Staatshilfen für die Bank. Diesem Eindruck war Cryan aber entgegengetreten.

Die Diskussionen um die Stabilität der Bank belasteten auch das Tagesgeschäft. Verunsicherte Kunden zogen vor allem im Handelsgeschäft und in der Vermögensverwaltung Gelder ab. Von Juli bis Ende September sackten die Liquiditätsreserven des Instituts um rund 23 Milliarden auf 200 Milliarden Euro ab. Inzwischen hat sich die Situation dem Quartalsbericht zufolge aber wieder stabilisiert.

Im dritten Quartal legte das Institut zusätzlich 500 Millionen Euro für juristische Altlasten zurück. Die Bank hat für offene Strafen damit nun insgesamt 5,9 Milliarden Euro reserviert. «Wir wollen die wichtigsten Rechtsfälle in diesem Jahr abschließen», sagte Cryan. Dazu zählen auch die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Sanktionsverstößen bei Geschäften in Russland.

Die Erträge - also die gesamten Einnahmen - stiegen trotz des Zinstiefs und des laufenden Schrumpfkurses im dritten Quartal verglichen mit dem Vorjahr um 2 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Dabei profitierte die Deutsche Bank unter anderem von einem anziehenden Handelsgeschäft mit Anleihen. Dieses Geschäft ist traditionell eine Stärke der Bank, allerdings will sie es wegen strengerer Kapitalvorschriften verkleinern.

Ordentliche Gewinne gab es in der Privatkunden-Sparte, im Fondsgeschäft und im Beratungsgeschäft mit großen Kunden. Vor einem Jahr hatte konzernweit unter dem Strich ein Verlust von rund sechs Milliarden Euro gestanden, weil Cryan kurz nach seinem Amtsantritt milliardenschwere Abschreibungen vorgenommen hatte.

Weiterhin auf der Verkaufsliste steht die Postbank. «Wir wollen sie aber erst verkaufen, wenn wir einen attraktiven Preis dafür bekommen», betonte Cryan. Da Käufer für die Postbank angesichts schwacher Ertragsaussichten infolge der Niedrigzinsen derzeit nicht gerade Schlange stehen, machten zuletzt Gerüchte die Runde, die Deutsche Bank lote bereits Alternativen zu einer Trennung aus.

Dank des überraschenden Gewinns stärkte die Deutsche Bank ihren Kapitalpuffer. Die harte Kernkapitalquote kletterte im dritten Quartal um 0,3 Prozentpunkte auf 11,1 Prozent. Die Quote gibt das Verhältnis von Eigenkapital zu Risiken an. Eigenkapital gilt als wichtige Stütze von Banken in schwierigen Zeiten.

Anleger reagierten positiv. Aktien der Deutschen Bank legten bis zum Nachmittag um 0,6 Prozent zu. Seit dem Tiefestkurs Ende September haben sie rund ein Viertel hinzugewonnen. Seit dem Jahresbeginn steht aber immer noch ein Verlust von 40 Prozent zu Buche.

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Cryan-Brief an die Mitarbeiter

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erstellt am 27.Okt.2016 | 15:25 Uhr

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