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Wirtschaft

08. Dezember 2016 | 03:08 Uhr

Binnenschifffahrt im Osten bedroht : Der Kampf um die Schiffe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schifffahrt auf der Elbe unterliegt starken Schwankungen durch Niedrigwasser. Binnenhäfen im Osten ringen um Aufträge

Eigentlich sollten hier am Wasser Rotorblätter für Windkraftanlagen verladen werden. Doch davon ist schon seit Langem nichts zu sehen. Für den Elbe-Binnenhafen in der Kleinstadt Mühlberg in Brandenburg gab es vor Jahren eine Vision. Der Standort sollte sich als Nische für schwere und sperrige Lasten etablieren. Zwei Schwerlastplatten wurden extra eingebaut.

Doch dann kam alles anders. Heute kämpft der Hafen um Aufträge, oft steht er leer. Auch andere Elbe-Binnenhäfen in Ostdeutschland mühen sich händeringend um Kunden.

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In Mühlberg gab es vor Jahren eine Hafensanierung mit Fördermitteln – laut Stadt belief sich die Hilfe auf rund 2,5 Millionen Euro. Und weil sich in den Winterhalbjahren Zehntausende Gänse im umliegenden Schutzgebiet aufhalten, seien noch blendfreie Lampen eingebaut worden. Die Bürgermeisterin der Kleinstadt mit rund 4000 Einwohnern, Hannelore Brendel (parteilos), sagt zu den Gesprächen mit einem Windkraftanlagenhersteller rückblickend: „Alles hat gepasst, aber der Wasserweg konkurriert mit Straße und Schiene und bietet nicht immer die wirtschaftlichste Transportmöglichkeit.“ Heute generiert der Hafen wenig Umsatz. 2015 legten hier sieben Schiffe an. In diesem Jahr sollen es laut Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH (SBO), die Geschäftsbesorger für den Hafen Mühlberg ist und weitere eigene Häfen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Tschechien betreibt, immerhin geschätzt bis zu zwölf werden. Das Frachtgut sind zum Beispiel Wasserbaupflaster, Wasserbausteine, Holz und Düngemittel.

Das Statistische Bundesamt zählt für die Elbe in Ostdeutschland 16 größere Binnenhäfen, an denen Güter befördert oder umgeschlagen werden. Die Güterbeförderung auf der gesamten Elbe in Deutschland – also auch die Abschnitte im Westen inbegriffen – sei im ersten Halbjahr 2016 bezogen auf den Vergleichszeitraum 2015 um rund elf Prozent zurückgegangen. Besonders deutlich zeigte sich der Rückgang auf dem Elbabschnitt zwischen der Grenze zu Tschechien und Magdeburg. Dort schrumpfte die Summe der Beförderung im ersten Halbjahr um ein Fünftel (20,8 Prozent).

Warum sind die Zahlen bei den meisten Häfen rückläufig? Das liege an vielen Faktoren, sagt SBO-Logistikleiter Frank Thiele. Er nennt Beispiele: Die holzverarbeitende Industrie in Tschechien habe in diesem Jahr überhaupt kein Stammholz aus Ostdeutschland importiert, weil es in dem Nachbarland selbst einen starken Überhang an Holz gegeben habe. Und Verlader aus dem Bereich erneuerbare Energien hätten seit anderthalb Jahren keine Binnenschiffstransporte angefordert. „Und uns liegt der Lkw-Verkehr schwer im Magen“, sagt Thiele. Eine große Menge an Speditionen und niedrige Dieselpreise führten zu wachsender Konkurrenz.

Drohendes Niedrigwasser ist nach Experteneinschätzung das größte Manko für die Elbe in Ostdeutschland. In diesem Jahr zum Beispiel gab es laut SBO auf der Oberelbe zehn Wochen lang keine Berufsschifffahrt – für Kunden ist das keine gute Nachricht.

Häfen gehen deshalb zunehmend in die Offensive. Trimodalität nennt sich das Konzept – also die Verkehrswege Wasser, Schiene und Straße kombiniert an einem Hafen. So kann bei Niedrigwasser umgesteuert werden, die Güter kommen zum Kunden dann per Zug oder Lastwagen, wie das landeseigene Unternehmen SBO erläutert. Mit dem Konzept habe man gute Erfahrungen etwa bei sächsischen Häfen gemacht – für Mühlberg sei das auch eine Chance, sagt Thiele. Dort gibt es bislang keine Anbindung.

Ähnlich wird die Lage auch am Elbeport in Wittenberge eingeschätzt. „Unsere Zukunft sind die Schiene und die Straße“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Bacher. Grund seien die ständig unsicheren Wasserstände der Elbe. „Das ist schlecht für Schiffe mit Tiefgang.“

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erstellt am 04.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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