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Vogelgrippe breitet sich aus : Bundesweite Stallpflicht?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vogelgrippe breitet sich in Deutschland schnell aus. Zentraler Krisenstab entscheidet heute über Maßnahmen

Die Vogelgrippe breitet sich weiter in Deutschland aus. Der hochansteckende Erreger H5N8 ist nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems inzwischen bei Wildvögeln in elf Bundesländern nachgewiesen worden, in zwei davon – Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein – sind auch Nutzgeflügelbestände betroffen. Damit erfolge die Ausbreitung des Erregers derzeit mit großer Dynamik, urteilte das Institut in einer aktualisierten Risikoanalyse. Nachdem anfänglich nur der äußerste Norden und Süden Deutschlands betroffen war, mehrten sich nun auch Funde in den übrigen Gebieten Deutschlands.

Heute soll erneut der zentrale Krisenstab beraten, dem Vertreter von Bund und Ländern, Tierärzte und Experten angehören. Dabei dürfte auch eine mögliche bundesweite Stallpflicht auf die Agenda kommen. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hatte entschieden, die Vorbereitungen dafür zu treffen. „Wir nehmen die Ausbreitung der Vogelgrippe in Deutschland sehr ernst“, sagte er.

Gestern trat bereits eine Eilverordnung in Kraft. Demnach müssen nun auch kleinere Betriebe strenge Sicherheitsmaßnahmen treffen. Unbefugten ist der Zutritt in die Ställe verboten, Tierhalter müssen Schutzkleidung tragen sowie Hände und Stiefel desinfizieren können. Zuvor galt dies nur für Betriebe mit mehr als 1000 Tieren.

Der Erreger war seit Anfang November in sieben Geflügelbeständen nachgewiesen worden, darunter in einem Großbetrieb mit 30 000 Hühnern im schleswig-holsteinischen Grumby sowie sechs kleineren Haltungen. Das Friedrich-Loeffler-Institut hält bei den betroffenen privaten Geflügelhaltungen eine Übertragung durch den direkten Kontakt mit infizierten Wasservögeln für wahrscheinlich. Insgesamt sind laut Bundesagrarministerium mittlerweile 226 Fälle von H5N8 bei Wildvögeln gemeldet. Dabei handelt es sich laut FLI zum Teil nur um Erstmeldungen. Die Zahl der betroffenen Wildvögel sei weitaus höher. In MV waren zuletzt ein privater Nutzgeflügelbestand in Sundhagen und eine Entenhaltung im Tierpark Sassnitz betroffen. Der erste Betrieb befinde sich in der Nähe einer bereits von der Vogelgrippe betroffenen Haltung. Derzeit würden in beiden Fällen sämtliche Geflügelhaltungen in einem drei Kilometer großen Sperrbezirk ermittelt und kontrolliert, so ein Sprecher des Kreises.

Strauße in MV müssen sterben

Die Vogelgrippe bedroht einen der traditionsreichsten Straußenbetriebe in Nordosten, den von Harald Pfeiffer aus Canzow bei Woldegk (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). „Ich habe meine Tiere jetzt zum Schlachten angemeldet“, erklärte Pfeiffer gestern in Canzow. Grund dafür sei, dass er für die 54 Laufvögel keine Ausnahmegenehmigung vom Veterinäramt des Landkreises bekommen habe wie bei früheren Fällen von Vogelgrippe. „Strauße kann man aber nicht guten Gewissens einsperren“, sagte Pfeiffer, der seit 2001 als einer der ersten Züchter im Land diese Vögel hält. Der Schlachtwert eines Straußes liege bei etwa 1000 Euro. Eine Sprecherin des Landkreises bekräftigte das „Aufstallgebot“ für den Mann aus Canzow. Wenn bei den Straußen der Erreger H5N8 festgestellt würde, wären in einem Umkreis von zehn Kilometer mehr als 700 000 Stück Geflügel betroffen. Dies sei ein zu hohes Risiko, deshalb sollten die Strauße eingestallt werden. Dies wird aber in den Kreisen unterschiedlich gehandhabt. „Bei uns gab es zwei Ausnahmegenehmigungen für Straußenhalter in Blankensee und bei Ahlbeck am Haff“, erklärte Achim Froitzheim, Sprecher im Kreis Vorpommern-Greifswald. „Strauße einsperren ist schwierig, da braucht man eine Reithalle.“ Auch Straußenhalter im Kreis Ludwigslust-Parchim sollen aus Tierschutzgründen Ausnahmegenehmigungen haben.

 

 

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erstellt am 22.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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