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Politik

04. Dezember 2016 | 15:17 Uhr

Pflegereport : Zu Hause sterben: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Viele Menschen möchten zu Hause sterben – doch das Gesundheitswesen ermöglicht dies nicht

Zu Hause und nicht einsam zu sterben – es kann wohl kaum etwas Menschlicheres geben, als sich das zu wünschen. Wunsch und Wirklichkeit klaffen aber in Deutschland weit auseinander. Dem aktuellen DAK-Pflegereport zufolge, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, sterben drei Viertel der Menschen in Krankenhäusern und Heimen, obwohl sich die Mehrheit wünscht, zu Hause zu bleiben. Laut Pflegereport ist im Krankenhaus jeder Fünfte, im Heim sogar jeder dritte alte Mensch beim Sterben allein. Die Familie bereut das später häufig.

Laut DAK-Report sagen gut ein Drittel der Angehörigen, ihr Verstorbener hätte nicht im Krankenhaus sein sollen, knapp ein Drittel, er hätte nicht im Pflegeheim sterben sollen. Als häufigsten Grund geben sie an, der Verstorbene habe sich dort nicht wohlgefühlt. Knapp die Hälfte hat gesehen, dass ihr Angehöriger zu oft allein war. Es wäre besser gewesen, den Sterbenden zu Hause zu versorgen, meinen die meisten, die sich einen anderen Ort gewünscht hätten. Nur die Hospize kommen gut weg. 90 Prozent der Angehörigen sind mit der Begleitung ihres Verstorbenen zufrieden.

Das Sterben in der Klinik kostet die Krankenkassen rund zehnmal so viel wie ein Patient, der zu Hause stirbt. Darauf machte der Vorstandsvorsitzende der DAK, Herbert Rebscher, aufmerksam. Es sei also auch aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll, die Krankenhausaufenthalte am Lebensende zu minimieren, sagte er. Viele seien vermeidbar, wenn es den Hausärzten gelinge, eine gute Versorgung mit Krankenpflege und möglicherweise auch Palliativversorgung – also der schmerzlindernden Begleitung – zu organisieren.

Das Krankenhaus sei die letzte Lösung, wenn die Angehörigen überfordert sind oder Hausärzte fehlen, bilanzierte der Leiter der Studie und Chef des Instituts AGP Sozialforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg, Thomas Klie. Er bemängelte, dass zu wenig getan werde, um Pflegebedürftige weiter zu Hause zu versorgen. Es müssten die Anreize erhöht werden, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

Der Report zeigt auch, dass pflegende Angehörige gute Erfahrungen mit der Begleitung Sterbender machen und sich viel zutrauen, wenn sie unterstützt werden. Jeder Zweite wünscht sich neben fachlicher Unterstützung ehrenamtliche Helfer an seiner Seite. Gute Erfahrungen kehren die Verhältnisse um: Während sich nur ein Drittel der Bevölkerung insgesamt zutraut, einen Sterbenden bis zu dessen Tod zu pflegen, sind es unter den pflegenden Angehörigen zwei Drittel.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht in dem Report einen weiteren Beleg dafür, dass Pflegebedürftige in Heimen keine angemessene Sterbebegleitung erhalten. Das neue Palliativgesetz gebe darauf keine Antwort, kritisierte Vorstand Eugen Brysch.

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erstellt am 20.Okt.2016 | 08:00 Uhr

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