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Politik

25. März 2017 | 03:01 Uhr

Gefährliche Produkte : Wenn die Puppe nach Chemie stinkt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mehr als 2000 gefährliche Produkte wurden 2016 aus den Regalen genommen

Die kleine Dame hatte einen auffälligen Körpergeruch, der ihr Schicksal schließlich besiegelte. Die Produktwächter aus Großbritannien zogen die Spielzeugpuppe aus dem Verkehr und informierten sofort die europäischen Nachbarn. Der chinesische Hersteller hatte sie aus giftigem Weichkunststoff gefertigt.

Das Beispiel ist kein Einzelfall. Erst in dieser Woche schlugen die Kontrolleure wieder zu und kassierten ein Schutzgitter für Kleinkinder ein. Der Produzent hatte die Abstände der Gitterstäbe, die eigentlich verhindern sollen, dass ein Kleinkind einen Raum verlässt oder eine Treppe hinunterfällt, so gewählt, dass ein Krabbelbaby zwar seinen Kopf hindurchstecken, aber nicht wieder herausziehen kann. Das Risiko liest sich dann im Bericht der EU-Kommission erschreckend nüchtern: Strangulation.

Mehr als 2000 Produkte nahmen die Prüfer der Mitgliedstaaten im Vorjahr aus den Regalen und verbreiteten die Warnungen über das sogenannte schnelle Informationssystem der EU, das unter dem Namen Rapex seit einigen Jahren betrieben wird. Am häufigsten waren Spielzeugartikel (26 Prozent) betroffen. Es folgten Kraftfahrzeuge (18 Prozent) und Kleidung (13 Prozent) – wie jene Babyschuhe aus Fernost, die in dieser Woche aus den Läden verschwanden. Bei der Produktion waren chemische Stoffe benutzt worden, die zu einer mehrfach höheren Belastung des Kleinkindes geführt hätten, als die EU dies erlaubt.

Mehr als die Hälfte der gemeldeten Problemwaren stammten aus China. 468 Produkte aus europäischer Herstellung mussten eingestampft werden. 102 Meldungen betrafen US-amerikanische Waren, 53 mal galt die Warnung Lieferungen aus der Türkei. Identifiziert eine der 31 nationalen Kontrollbehörden ein für den Verbraucher gefährliches Produkt, geben die Mitarbeiter eine Warnung über das Schnellwarnsystem Rapex heraus. Die anderen Mitgliedsstaaten können dann im eigenen Land Schritte einleiten, um den entsprechenden Artikel vom Markt zu nehmen. Untersucht werden nur Produkte, die keine Lebensmittel sind.

Doch die Nachrichten, die Verbraucherschutzkommissarin Vera Jourova gestern in Brüssel präsentierte, waren nicht nur negativ. Zum einen sei die Kooperation mit den chinesischen Behörden deutlich verbessert worden. Zum anderen habe es einen „Durchbruch“ bei der Zusammenarbeit mit den großen Onlinehändlern gegeben. Jourova: „Wir konnten uns mit Amazon, Ebay und Alibaba einigen, gemeinsam auf eine Entfernung von Produkten hinzuarbeiten, die über das Schnellwarnsystem gemeldet wurden. Ich rufe andere Anbieter auf, diesem Beispiel zu folgen.“ Konkret haben sich die Betreiber dieser Onlineshops verpflichtet, Waren, die von der EU als „potenziell unsicher oder nicht normgerecht identifiziert wurden“, aus ihrem Angebot zu streichen. Um schneller reagieren zu können, wurde eine zentrale Kontaktstelle bei den Behörden eingerichtet.

Die meisten Hinweise (319) kamen im Vorjahr aus der Bundesrepublik, 224 aus Spanien, weitere 199 Tipps aus Frankreich.




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erstellt am 17.Mär.2017 | 12:00 Uhr

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