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Politik

10. Dezember 2016 | 00:08 Uhr

Wahl zum US-Präsidenten : Warum Trump gewinnen kann

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Umfragen sehen den Republikaner hinter Clinton – doch noch ist die Wahl zum US-Präsidenten nicht verloren

Seit Monaten ist der Sender CNN Hillary Clintons bester Freund. Die Moderatoren zeigen täglich auf bunten Schautafeln, dass Donald Trump gar keine Chance hat, die Wahl am 8. November zu gewinnen. Und die jetzt gefeuerte CNN-Kommentatorin Donna Brazile spielte dem Clinton-Lager sogar in zwei Fällen vorab Fragen zu, die der Moderator dann später bei einer Vorwahl-Debatte stellte. Von Neutralität keine Spur.

Dennoch hat Donald Trump durchaus Chancen, in sechs Tagen die Sektkorken knallen zu lassen. Und dafür gibt es für unseren USA-Korrespondenten Friedemann Diederichs mindestens fünf gute Gründe.

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Die Wahlbeteiligung

Wer in den USA konservativ denkt, hat – vor allem nach der Wiederaufnahme neuer Ermittlungen durch das FBI – mit Hillary Clinton immer noch das perfekte Feindbild. Republikaner sind so motiviert wie nie zuvor, ihre Stimmen abzugeben. Und die Anhänger der Demokraten? Sie verabscheuen Donald Trump. Aber ein nicht geringer Teil von ihnen verabscheut auch die Art und Weise, wie Clinton mit Hilfe der Parteiführung Bernie Sanders in den Vorwahlen abservierte. Wikileaks hat dazu in den letzten Tagen Informationen nachgelegt. Nicht auszuschließen, dass ein Teil der Sanders-Fans am Wahltag zu Hause bleibt.

Die Organisation am Boden

Der Korrespondent dieser Zeitung war zuletzt in Pennsylvania, Florida und Ohio unterwegs – alles wichtige Schlüsselstaaten für die Wahl. In allen drei Bundesstaaten platzen die Hallen bei Trump-Auftritten aus den Nähten, während Hillary Clinton teilweise in halbleeren Turnhallen sprach. Die Motivation der Helfer Trumps ist enorm. Und die Zahl der „Trump/Pence“-Schilder in den Vorgärten übertrifft die der „Clinton/Kaine“-Plakate um ein Vielfaches.

Obamacare

 Viele US-Bürger erhielten die letzten Tage Post – und fühlen sich von den Demokraten, allen voran Obama, betrogen. Die von ihm 2010 durchgepeitschte Krankenversicherung „Obama-care“ ist längst nicht mehr erschwinglich, die Beiträge steigen um bis zu 125 Prozent im Jahresvergleich. Und anders als vom Weißen Haus versprochen, konnten die meisten Versicherten ihre bisherigen Ärzte und Versicherungen nicht behalten, sondern mussten sich einer Art Kassenarzt-System unterwerfen.

Der Schein-Aufschwung

 Die von Clinton und Obama so gepriesene Erholung von der Rezession spüren die meisten Bürger nicht. 43 Millionen von ihnen leben weiter in Armut, Millionen werden von der Arbeitslosen-Statistik nicht mehr erfasst, weil sie resigniert und die Suche nach einem Job aufgegeben haben. Unter Obama stieg die Zahl der Empfänger von Lebensmittelmarken auf ein Rekordniveau. Die Wall Street hat sich nicht wegen Obama, sondern trotz seiner wenig unternehmensfreundlichen Politik erholt.

Die Umfragen

Sind die aussagekräftig bei dieser Wahl? Zum einen werden sie teilweise unwissenschaftlich geführt. So kam heraus, dass der Sender NBC kürzlich bei einer Erhebung, die Hillary Clinton weit vorn sah, 1000 mehr Demokraten als Republikaner befragt hatte. Und: In der Anonymität der Wahlkabine könnten auch jene für Trump stimmen, die sich davor zurückscheuen, öffentlich ihre Sympathien für den Populisten einzugestehen.

Kommentar: Einmalige Situation

Wenn in sechs Tagen in den USA die Wählerstimmen ausgezählt werden, steht das Land vor einer einmaligen Situation: möglicherweise mit einer Präsidentin leben zu müssen, über der der Schatten einer kriminellen Untersuchung schwebt. Das FBI hat jetzt deutlich gemacht, dass es bis zum 8. November nicht in der Lage sein wird, die zahlreichen neuen Emails auszuwerten, die mit Blick auf Hillary Clintons umstrittenes Kommunikationsverhalten als US-Außenministerin interessant sein könnten.

Die Frage aller Fragen ist nun, ob und wie diese Affäre und vor allem die umstrittene Bekanntgabe der neuen Untersuchung durch den FBI-Chef der Kandidatin in letzter Minute schaden wird.

Wer ein überzeugter Fan der Clintons ist, wird sich von den frischen Negativschlagzeilen nicht beirren lassen. Sie hassen Donald Trump so sehr, wie die überzeugten Trump-Anhänger die Clintons hassen. Entscheidend wird am Ende sein, wie jene rund 20 Prozent abstimmen, die derzeit als noch unentschlossen gelten.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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