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Politik

03. Dezember 2016 | 01:21 Uhr

Ost-West-Angleichung umstritten : Warum reicht die Rente nicht?

vom
Aus der Onlineredaktion

Hintergründe zur Debatte über den Alterssicherungsbericht der Bundesregierung

Millionen Menschen droht Altersarmut – wenn sie sich allein auf die gesetzliche Rente verlassen. Das Versorgungsniveau künftiger Rentner werde „ohne zusätzliche Altersvorsorge in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen“, heißt es im neuen Alterssicherungsbericht der Bundesregierung.
Er ist die Datengrundlage für die anstehenden Beratungen in der Koalition über Renten-Reformen. Warum reicht die Rente allein nicht mehr? Hintergründe von Rasmus Buchsteiner:

Wie entwickeln sich die Renten in den nächsten Jahren?
Im Sommer 2017 können sich die knapp 21 Millionen Rentner in Deutschland auf ein Plus von 2,3 Prozent im Westen bzw. 2,58 Prozent im Osten einstellen – deutlich geringer als in diesem Jahr. Die Renten waren zum 1. Juli 2016 so stark wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr angehoben  worden – um 4,25 Prozent im Westen und um 5,95 Prozent im Osten.

Was ist mit dem Rentenniveau?
Das Rentenniveau wird in den nächsten Jahren sinken. Es ist eine Rechengröße, die eine Durchschnittsrente nach 45 Beitragsjahren ins Verhältnis zum aktuellen Durchschnittseinkommen setzt. Derzeit liegt der Wert bei 47,6 Prozent. Laut Gesetz darf er bis 2030 nicht unter 43 Prozent fallen. Ohne Reformen würde das Rentenniveau bis 2045 auf 41,6 Prozent sinken. Ein sinkendes Niveau bedeutet aber nicht automatisch, dass weniger Rente gezahlt wird. Sinkende Zahlbeträge sind ohnehin per Gesetz ausgeschlossen. Und zudem sehen alle Prognosen jährliche Erhöhungen vor – um im Schnitt zwei Prozent.

Wie steht es aktuell um die Altersbezüge in Deutschland?
Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen von älteren Ehepaaren liegt aktuell bei 2543 Euro, bei alleinstehenden Männern sind es 1614 Euro, bei Frauen, die allein leben, 1420 Euro. Beamte, Richter und Berufssoldaten sind deutlich besser abgesichert: Männliche Pensionäre, die als Richter oder Beamter tätig waren, beziehen aktuell 3070 Euro brutto monatlich, Frauen 2640 Euro. Bei pensionierten Berufssoldaten sind es 3010 Euro (Männer) bzw. 3370 Euro (Frauen).

Gibt es heute schon ein Problem mit Altersarmut?
„Nur rund drei Prozent der 65-Jährigen und Älteren sind auf Leistungen der Grundsicherung im Alter angewiesen“, heißt es im Alterssicherungsbericht. Die Armutsquote ist damit halb so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Erwerbsgeminderte, Rentner, die entweder nicht gearbeitet haben oder länger als fünf Jahre arbeitslos waren und/oder keinen Schulabschluss haben, sind überproportional häufig auf staatliche Stütze angewiesen. Niedrige Rentenansprüche bedeuten nicht unbedingt gleich Altersarmut – u.a. wegen zusätzlicher Einnahmen, etwa aus Vermietungen, oder weil die Betroffenen über ihre Partner abgesichert sind. So beträgt das durchschnittliche Haushaltseinkommen derer, die selbst nur Rentenansprüche von weniger als 250 Euro haben, laut Regierungsbericht 4136 Euro.

Verlassen sich die Deutschen vor allem auf die gesetzliche Rente?
Insgesamt verfügen 70,4 Prozent der für den Alterssicherungsbericht Befragten über eine zusätzliche private Altersvorsorge, 33,8 Prozent über einen Riester-Vertrag, 20,4 Prozent sowohl über eine Riester-Police als auch über eine betriebliche Vorsorge. Je höher das Einkommen, desto größer die Verbreitung der zusätzlichen Altersvorsorge, so der Bericht. Allerdings: Bei Geringverdienern ist die Vorsorge-Quote geringer. Noch nicht einmal jeder zweite Arbeitnehmer mit weniger als 1500 Euro brutto hat neben der gesetzlichen Rente eine zusätzliche private oder betriebliche Absicherung fürs Alter.

Was steht auf dem Reformzettel der Koalition?
Schwarz-Rot will in den nächsten Wochen ein umfassendes Renten-Reformpaket schnüren – ob es auch die von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) angekündigten „Haltelinien“ für das Rentenniveau enthalten wird, ist offen. Fest steht: Die Altersbezüge von langjährigen Geringverdienern sollen aufgestockt werden. Außerdem soll der Staat künftig Betriebsrenten-Zuschüsse für Arbeitnehmer mit geringen Einkommen zahlen. Erwogen wird zudem, Riester- und Betriebs-Rentenansprüche bei der Grundsicherung nicht mehr hundertprozentig anzurechnen. Ein weiteres strittiges Thema ist die geplante Ost-West-Rentenangleichung: Die CSU hatte ihre Zustimmung kürzlich von einer weiteren Ausweitung der Mütterrente abhängig gemacht.

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erstellt am 27.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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