zur Navigation springen

Politik

08. Dezember 2016 | 10:58 Uhr

Trump neuer Präsident der USA : Wahlsieg des Populisten - Donald Trump gelingt die Sensation

vom

Es ist ein politisches Erdbeben. Donald Trump gewinnt nach einer stundenlangen Zitterpartie überraschend die Präsidentschaftswahl in den USA. Fast alle Umfragen lagen daneben.

Dem Außenseiter Donald Trump gelingt die Sensation: Der umstrittene Republikaner hat überraschend und entgegen der allermeisten Umfragen die Präsidentschaftswahl in den USA gewonnen, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Hillary Clinton räumte ihre Niederlage jedoch zunächst nicht ein. Sie verzichtete in der Nacht auf eine Rede.

Die Sorge vor einem Sieg des Populisten Trump war vor der Wahl groß gewesen, auch in Deutschland.

Der Milliardär wird am 20. Januar als der 45. Präsident in das Weiße Haus einziehen. Er kann beim Regieren auf die Mehrheit seiner Republikaner im US-Kongress setzen und mögliche entscheidende Vorhaben umsetzen. Die Konservativen verteidigten ihre Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus.

Mit der Entscheidung für den Rechtspopulisten gab die Mehrheit der Amerikaner ihren niedersten Instinkten nach. Sie wählten eine Zukunft, die auf Mauern und Massendeportation setzt, und einen engstirnigen Nationalismus, der so begrenzt ist wie dessen narzisstischer Führer.

Die Wahlnacht war über Stunden eine extreme Zitterpartie. Der Unternehmer konnte die besonders umkämpften Staaten Florida, North Carolina, Ohio und Wisconsin für sich entscheiden.

Clinton gewann von den sogenannten Swing States (Wechselwählerstaaten) lediglich Nevada, Virginia und Colorado. Ihre Niederlage dürfte das Ende ihrer politischen Karriere bedeuten.

Vor allem in mehreren Bundesstaaten im sogenannten Rostgürtel der USA, einer einst florierenden und inzwischen vom wirtschaftlichen Abschwung geprägten Industrieregion, konnte die Demokratin nicht überzeugen.

Trump hatte mit populistischen Parolen Wahlkampf gemacht. Er wetterte immer wieder gegen Einwanderung, internationale Handelsabkommen und Globalisierung und machte diese für den Verlust von Arbeitsplätzen in den USA verantwortlich. Seine Stimmungsmache verfing offensichtlich stärker, als es Meinungsforscher vorausgesehen hatten. Die Märkte reagierten auf Trumps Wahlsieg mit starken Kursschwankungen.

Der 70-Jährige Trump ist ein politischer Quereinsteiger, ein Amt hatte er nie inne. Seine Qualifikation begründete er in der Vergangenheit auch mit seinen Leistungen als Unternehmer. Die aber sind keineswegs so glorreich, wie er immer wieder behauptet. Innerhalb von 18 Jahren meldeten vier Firmen aus seinem Kasino-Imperium Insolvenz an. Trump ist zum dritten Mal verheiratet und hat fünf Kinder.

Beide Kandidaten hatten sich in den vergangenen Wochen erbitterte Auseinandersetzungen geliefert. Der Wahlkampf gilt als einer der härtesten und schmutzigsten der amerikanischen Geschichte. Er war geprägt von persönlichen Beleidigungen und Schmähungen. Ein Ringen um politisch attraktivere Positionen gab es nicht. Fakten und Inhalte spielten kaum eine Rolle.

Noch nie in der Geschichte der US-Wahlen waren zwei Kandidaten gleichermaßen so unbeliebt: Trump wegen seiner Art und seiner Ausfälle, Clinton wegen ihrer Skandale und ihrer Nähe zum bestehenden System.

Wahlberechtigt waren etwa 219 Millionen Menschen. Voraussetzung war, dass sich ein Wähler registrieren ließ und nicht von der Wahl ausgeschlossen wurde - beispielsweise wegen einer kriminellen Vergangenheit. Die Wahlmänner wählen im Dezember stellvertretend für das amerikanische Volk den Präsidenten.

Was dieses Wahlergebnis für Europa bedeutet, lesen Sie hier:

 

Christen, Frauen, Minderheiten

In vielen Gruppen hat Donald Trump besser abgeschnitten als es ihm vorhergesagt wurde. Laut ersten Umfrageergebnissen vor den Wahllokalen halfen ihm fünf Gruppen besonders:

  • Weiße ohne Hochschulabschluss

Erste Erhebungen der «New York Times» zeigen fast 40 Prozent Vorsprung für Donald Trump unter weißen Wählern ohne College-Abschluss. Auch bei Weißen mit College-Abschluss lag er noch um einige wenige Prozentpunkte vorne.

  • Ethnische Minderheiten

Um Trumps Vorsprung bei Weißen aufzuholen, hätte Hillary Clinton viele Stimmen von Afro-Amerikanern, Latinos und asiatisch-stämmigen Amerikanern gebraucht. Auch wenn sie insgesamt jede dieser Gruppen gewann: Bei allen dreien schnitt die Demokratin schlechter ab als ihr Vorgänger Barack Obama im Jahr 2012.

  • Evangelikale

Laut «Washington Post» haben strenggläubige Christen in einem Maß für Trump gestimmt, wie seit 2004 nicht mehr für die Republikaner. Er konnte demnach 81 Prozent in dieser Gruppe für sich gewinnen. Hillary Clinton lag bei 16 Prozent. 

  • Frauen

Auch wenn Clinton hier gewann: Weibliche Wähler haben sich nicht in dem Maß von Trump abgewandt, wie es zwischenzeitlich vorhergesagt wurde. Aus einem Vorsprung von Barack Obama von rund 12 Prozent machte Hillary Clinton laut «New York Times» nur etwa 14 Prozent Vorsprung. Der Fernsehsender NBC unterscheidet weiter und kommt beispielsweise unter konservativen Frauen sogar auf eine Unterstützung von 78 Prozent für Trump.

  • Wähler von Drittparteien und von Freifeld-Kandidaten

Wer weder Clinton noch Trump wählen wollte, konnte sich für einen Kandidaten kleinerer Parteien entscheiden oder einen Wunschkandidaten auf eine leere Zeile schreiben. Zu Letzterem liegen noch keine Details vor, aber Gary Johnson von den Libertären liegt bei rund drei Prozent, die Grüne Jill Stein kommt auf knapp ein Prozent. Besonders unter jungen Wählern waren die beiden in Umfragen beliebt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen