zur Navigation springen

Politik

23. März 2017 | 09:17 Uhr

Studie : Spitzenwerte für Gesundheitssystem

vom
Aus der Onlineredaktion

Studie attestiert der medizinischen Versorgung in Deutschland Bestnoten

Wie gut ist Deutschlands Gesundheitssystem? Eine Studie für den Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass es hierzulande im europäischen Vergleich die kürzesten Wartezeiten und den schnellsten Zugang zu innovativen Arzneimitteln gibt. Als weitere Vorteile werden die freie Arztwahl sowie ein umfangreicher Leistungskatalog genannt.

Nach einer weiteren Studie, diesmal von der Techniker Krankenkasse, sind 80 Prozent der Versicherten in Deutschland mit ihrer eigenen medizinischen Versorgung zufrieden. Die Ergebnisse befeuern die Debatte über die Zukunft des deutschen Systems mit seinem Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Könnte die SPD mit Kanzlerkandidat Martin Schulz den Ruf nach einer Bürgerversicherung verbunden mit einer Abwicklung der PKV doch zu einer Kernforderung für den Bundestagswahlkampf erklären.

Ärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery warnt die SPD vor Fehlschüssen. „Die Studie belegt sehr deutlich, dass wir in Deutschland eines der gerechtesten Gesundheitssysteme überhaupt haben“, erklärte der Präsident der Bundesärztekammer gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Von Gleichmacherei auf niedrigerem Niveau hat niemand etwas. Die Bürgerversicherung ist das Gegenteil von gerecht.“

Aus Sicht der PKV-Experten zeigt die Untersuchung klar den Vorteil von dualen Systemen wie in Deutschland. Dieses Modell führe zu einem der umfangreichsten Leistungskataloge überhaupt und zum schnellsten Zugang zu neuen Arzneimitteln. Zudem sei die private Krankenversicherung ein wettbewerbliches Korrektiv. Geringere Qualität oder Leistungskürzungen würden die gesetzliche Krankversicherung gegenüber der privaten schwächen. In anderen europäischen Ländern mit einheitlichen Gesundheitssystemen seien oftmals deutlich weniger Leistungen vom öffentlichen System abgedeckt. So müsse Physiotherapie in den Niederlanden oder die zahnärztliche Versorgung in der Schweiz privat gezahlt werden. Dagegen gebe es in Deutschland keine Pflicht zur Registrierung bei einem Hausarzt und den direkten Zugang zum Facharzt der Wahl.

Hohe Zuzahlungen – für die Autoren der PKV-Untersuchung ein weiteres Problem. Besonders hoch seien die Extra-Aufwendungen der Versicherten in Frankreich, wo das öffentliche System nur etwa drei Viertel der Kosten medizinisch notwendiger Behandlungen übernehme. Wartezeiten seien in Ländern mit beitragsfinanzierten Systemen weniger verbreitet als in Ländern, wo die Gesundheitsversorgung vornehmlich aus Steuermitteln bestritten werde.

76 Prozent der Patienten in Deutschland erhalten am selben oder am nächsten Tag einen Arzttermin – ein Spitzenwert in Europa. In den Niederlanden sind es 63 Prozent, in Schweden 58 Prozent und in Frankreich 57 Prozent.

Was die PKV-Studie außen vor lässt: Die Prämien steigen rasant, unter anderem wegen der aktuellen Niedrigzinsen. Zwei Drittel der Privatversicherten dürften in diesem Jahr betroffen sein. Gerechnet wird mit einem Aufschlag von im Schnitt bis zu elf Prozent. Eine Entwicklung, durch die sich die Sozialdemokraten in ihrer Kritik am deutschen Zwei-Säulen-System bestätigt fühlen.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen