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Politik

26. September 2016 | 03:56 Uhr

Verbale und tätliche Angriffe : Rechte und Flüchtlinge attackieren sich in Bautzen

vom

In Bautzen greifen Rechtsextreme und Flüchtlinge einander an. Die Aggression der Rechten macht selbst vor Rettungswagen nicht halt. Die sächsische Kleinstadt sorgt immer wieder für Negativschlagzeilen.

In der sächsischen Stadt Bautzen ist es erneut zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen gekommen.

Wie die Polizei mitteilte, standen sich am Mittwochabend auf einem Platz rund 80 gewaltbereite Männer und Frauen - zum Großteil aus dem politisch rechten Spektrum - sowie 20 junge Asylbewerber gegenüber. Zwischen beiden Lagern kam es zu heftigen Wortgefechten und tätlichen Übergriffen, Zeugen zufolge flogen Flaschen. Bereits am Vorabend war ein 32-jähriger Bautzener bei Ausschreitungen auf dem Kornmarkt durch einen Flaschenwurf verletzt worden.

In Bautzen war es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Konflikten gekommen. Im Februar hatten Schaulustige einem Brand in einer Flüchtlingsunterkunft zugesehen und die Löscharbeiten behindert. Im März war Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Besuch in Bautzen beschimpft und beleidigt worden. Damals hatte er mit Bürgern über die Flüchtlingskrise diskutiert.

Ein Großaufgebot von rund 100 Polizisten trennte am Mittwochabend die Gruppen. Die Sicherheitskräfte forderten sie auf, den Platz zu verlassen. Aus den Reihen der Asylsuchenden seien die Beamten unter anderem mit Flaschen und Holzlatten beworfen worden, hieß es. Es kam zum Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken.

Daraufhin gingen die Asylbewerber über eine Brücke in Richtung ihres Heimes. Die Rechtsextremen teilten sich in Gruppen auf und verfolgten die Flüchtlinge. Nachdem die Asylbewerber ihre Unterkunft erreicht hatten, bewachte die Polizei das Gebäude und forderte die 32 Bewohner auf, es nicht zu verlassen. Auch drei weitere Asylbewerberunterkünfte in Bautzen und dem Ort Niedergurig im Landkreis Bautzen wurden nach Angaben der Polizei bewacht.

Ein 18-jähriger Bewohner des Heimes erlitt aus noch unbekannter Ursache Schnittverletzungen. Als er ins Krankenhaus gebracht werden sollte, wurde der Rettungswagen behindert und von den Rechtsextremen mit Steinen beworfen. Ein zweiter Rettungswagen brachte den Marokkaner schließlich unter Polizeischutz ins Krankenhaus. Ein weiterer, 20-jähriger Bewohner des Heimes soll sich selbst mit einer Flasche am Kopf verletzt haben. Dazu wurde zunächst nichts Näheres bekannt.

Der Polizeieinsatz war um halb drei Uhr nachts beendet. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung. Zeugen sind aufgerufen, sich zum melden.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 11:27 Uhr

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