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Politik

09. Dezember 2016 | 14:37 Uhr

Politik : Rechte Feindbilder verfestigen sich

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Langzeitstudie belegt Zunahme menschenfeindlicher Einstellungen. Umfrage sieht AfD in Sachsen bei 25 Prozent

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist schon weit länger ein interdisziplinäres Forschungsfeld, als es Pegida und AfD gibt. Seit 2002 gehen Forscher der Universität Bielefeld, seit 2006 auch solche der Leipziger Universität regelmäßig der Frage nach, welche abwertenden und feindseligen Meinungen gegenüber gesellschaftlichen Gruppen sich in der Bevölkerung halten oder neu festsetzen. Erkenntnis bisher: Rund ein Drittel der Bürger trägt solche Einstellungen in sich, selbst wenn sie sich nach außen „politisch korrekt“ äußern, verhalten und bei Wahlen abstimmen. Das war bis 2014 der Befund.

Nun ergab der jüngste „Sachsen-Monitor“, eine Infratest-dimap-Umfrage für die Sächsische Staatsregierung, Folgendes: 62 Prozent der gut 1000 Befragten vertreten die Meinung, dass Deutschland eine „starke Partei“ brauche, die „die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“. Ebenfalls fast zwei Drittel der Befragten wünschten sich „eine starke Hand“. 39 Prozent sind dafür, Muslimen die Zuwanderung zu untersagen. 18 Prozent der Sachsen glauben, dass Deutsche „anderen Völkern von Natur aus überlegen“ sind.

„Man soll sich auch keine Illusion machen, dass diese ganzen Einstellungen nur auf Sachsen begrenzt sind“, sagte dimap-Geschäftsführer Reinhard Schlinkert. Im Freistaat seien sie „vielleicht in manchen Ausprägungen etwas stärker als im Rest der Bundesrepublik“. Befragungen zeigten aber immer wieder, dass rund die Hälfte aller Deutschen der Aussage „Es macht mir Angst, dass so viele Flüchtlinge kommen“ zustimmten.

Laut einer weiteren dimap-Umfrage für den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) würde übrigens ein Viertel aller sächsischen Wähler für die AfD stimmen, wäre jetzt dort Landtagswahl. Regulär steht der Urnengang erst 2019 an, doch eine vorgezogene Neuwahl ist wegen einer laufenden Anfechtung der Wahl 2014 nicht ausgeschlossen.

Die MDR-Umfrage ist eine weitere Momentaufnahme, die aber den Trend jüngster Landtagswahlen bestätigt. Und ein Fingerzeig auf die Bundestagswahl 2017.

Studie: Rechtsruck bei den AfD-Anhängern

Die Anhänger der AfD sind nach einer Umfrage im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung seit 2014 genauso nach rechts gerückt wie die Partei selbst. Aus der Studie geht hervor, dass fast 74 Prozent der AfD-Sympathisanten eine abwertende Haltung zu Asylsuchenden für richtig halten. Vor zwei Jahren waren noch knapp 57 Prozent dieser Meinung.

Fremdenfeindlichkeit unterstützen der Umfrage zufolge mittlerweile 46,5 Prozent der AfD-Anhänger (2014: 33,2 Prozent). Zu Muslimfeindlichkeit bekennen sich 43,5 Prozent (2014: 30,2 Prozent). „Die Daten bestätigen: Jene, die die Ideen der AfD gut finden, sind im Vergleich zu 2014 deutlich nach rechts gerückt“, heißt es in der Studie „Gespaltene Mitte, feindselige Zustände“ der Stiftung.

Der AfD-Co-Vorsitzende Jörg Meuthen bezeichnete die Studie als „lächerlich“. Sie beleidige „mehrere Millionen Wähler und Sympathisanten einer 15 Prozent-Partei als rechtsaußen bis rechtsradikal und menschenfeindlich“.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 20:45 Uhr

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