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Politik

03. Dezember 2016 | 03:30 Uhr

Abschiedsbesuch : Obamas Goodbye in Berlin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Têtê a têtê im Adlon, Gipfel im Kanzleramt und wehmütiger Abschied: Merkels letzter Empfang für den scheidenden US-Präsidenten

Küsschen am Abend zur Begrüßung. Überraschend treffen sich US-Präsident und Kanzlerin bereits kurz nach der Landung. Barack Obama lässt bitten, lädt Angela Merkel zum Dinner ins Hotel Adlon am Pariser Platz nahe der amerikanischen Botschaft, wo der mächtigste Mann der Welt bis morgen mit seinem Stab residiert. Eine erste Begegnung und ein Gespräch bereits vor dem offiziellen Empfang im Kanzleramt – ein Zeichen für die hohe gegenseitige Wertschätzung und Vertrautheit zwischen den beiden Politikern. Obama kommt mit Verspätung aus Athen, wo er seine wohl letzte große Rede an die Welt gehalten hatte, eine Art politisches Vermächtnis. Bei seinem letzten Berlin-Besuch ist keine Rede mehr geplant. Um 17.51 Uhr war die Air Force One, die Präsidentenmaschine, auf dem Flughafen Tegel gelandet.

Sicherheitsstufe Eins Plus in der Hauptstadt. 5000 Polizisten sichern den Besuch von Obama. Teile des Regierungsviertels werden abgeriegelt, jeder Meter der Präsidenten-Kolonne mit mehr als 40 gepanzerten Fahrzeugen wird auf dem Weg durch die Stadt überwacht, und nicht nur auf dem Kanzleramt sind Scharfschützen postiert. Knapp drei Tage lang wird das Berliner Regierungsviertel zur Hochsicherheitszone. Seit Tagen bereits bereiten Polizei, Bundeskriminalamt und Secret Service den Besuch vor.

Hintergrund
Mehr als 5000 Polizisten im Einsatz
Der Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama in Berlin wird von mehreren Tausend Polizisten bewacht. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach gestern von mehr als 5000 Beamten, die bis morgen im Einsatz seien. Laut GdP bekommen die Berliner Sicherheitsbehörden Verstärkung aus 13 weiteren Bundesländern und von der Bundespolizei. Die Zahl von 5000 Beamten ist auch deswegen so hoch, weil Obamas Besuch über drei Tage geht und weitere Regierungschefs erwartet werden. Die Polizisten müssen Ruhezeiten einhalten, so dass immer nur ein Teil von ihnen im Einsatz ist. Berliner und Touristen werden kaum eine Möglichkeit haben, Obama zu sehen oder ihm zuzuwinken. Öffentliche Auftritte Obamas wurden nicht angekündigt. Die eigens eingerichtete Sicherheitszone umfasst den gesamten Bereich um das Kanzleramt, den Reichstag, das Brandenburger Tor, die US-Botschaft, das Hotel Adlon und das Holocaust-Mahnmal. Auf Dächern am Pariser Platz werden voraussichtlich Scharfschützen Stellung beziehen und Polizeiboote auf der Spree auf und ab fahren.

 

Komplimente und Freundlichkeiten, noch bevor er überhaupt da ist: „Sie war die engste Verbündete meiner achtjährigen Präsidentschaft“, schwärmt Barack Obama. Er freue sich auf seine Reise, blickt der scheidende US-Präsident auf seine Abschiedstour. Goodbye in Berlin – eigentlich sollte die gemeinsame Eröffnung der Hannover-Messe im April bereits die letzte Begegnung der Kanzlerin und des mächtigsten Mannes der Welt auf deutschem Boden während seiner Amtszeit gewesen sein. Im Kanzleramt rechnete man eigentlich nicht mehr mit einem weiteren Deutschlandbesuch.

Jetzt ist er noch einmal gekommen, um Abschied zu nehmen. Ein Hauch von Wehmut im Kanzleramt nach acht Jahren einer politischen Beziehung mit Höhen und Tiefen, mit Aufs und Abs.

Obama in Berlin – an Gesprächsstoff mangelt es bei dem Besuch nicht, der bereits vor der Präsidentschaftswahl geplant war. Wie tickt Donald Trump? Merkel und ihre Berater haben bisher keine Kontakte zu Obamas Nachfolger. Trump hatte im Wahlkampf die Kanzlerin heftig wegen ihrer Flüchtlingspolitik kritisiert. Ob das Handelsabkommen zwischen den USA und der EU, der Klimaschutz, ob Syrien, der Kampf gegen den IS, Brexit oder Griechenland und der Euro - die politische Tagesordnung ist lang. „Eine Rückkehr in eine Welt vor der Globalisierung wird es nicht geben“, schreiben Merkel und Obama in einem gemeinsamen Gastbeitrag für die „Wirtschaftswoche“. Deutsche und Amerikaner müssten Verantwortung übernehmen und „die Globalisierung nach unseren Werten und Vorstellungen“ gestalten. Angesichts der großen Herausforderungen „ist eine Zusammenarbeit wichtiger als jemals zuvor“, versichern Kanzlerin und Präsident – verbaler Schulterschluss bereits vor dem Besuch.

Trotz eines dichten Programms soll Zeit für Persönliches und Privates bleiben. Am Donnerstag gehört Obama zunächst noch Merkel allein. Auf der Tagesordnung stehen Gespräche unter vier Augen und im erweiterten Kreis und schließlich ein Abendessen im Kanzleramt. Für morgen dann hat Merkel Frankreichs Staatspräsident Hollande und die Regierungschefs von Spanien, Italien und Großbritannien, Mariano Rajoy, Matteo Renzi und Theresa May zu einem europäisch-amerikanischen Abschieds-Gipfel in die Berliner Regierungszentrale eingeladen.

Zitate

US-Präsident Obama hatte sich gestern vor seiner Landung in Berlin  für seine letzte große Rede außerhalb der USA die Wiege der Demokratie in Athen ausgesucht. Einige seiner Kernsätze:

„Die Geschichte zeigt uns, dass Länder mit demokratischer Führung dazu neigen, gerechter, stabiler und erfolgreicher zu sein.“

 „Der nächste US-Präsident und ich könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber die Demokratie ist größer als jede Einzelperson.“

 „Fortschritt ist keine Garantie. Fortschritt muss sich jede Generation verdienen.“

 „Die wichtigste Rolle spielt nicht der Präsident oder  der Regierungschef. Die wichtigste Rolle im Land ist die des Bürgers.“

„Die Welt war – insgesamt – nie wohlhabender, besser gebildet, gesünder und weniger gewalttätig als heute, auch wenn das schwer zu glauben ist, wenn wir Nachrichten schauen.“

„Wir müssen klarmachen, dass Regierungen dafür da sind, dem Interesse der Bürger zu dienen und nicht umgekehrt.“



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erstellt am 17.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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