zur Navigation springen

Politik

05. Dezember 2016 | 09:34 Uhr

Hintergründe zur Kriminalstatistik : Null Toleranz bei häuslicher Gewalt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Übergriffe in Paarbeziehungen: Zwei Drittel der betroffenen Frauen bringen Fälle nicht zur Anzeige

Fast 130 000 Menschen, 82 Prozent davon Frauen, sind im vergangenen Jahr Opfer von häuslicher Gewalt geworden. 415 Menschen wurden von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Das geht aus der ersten Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA) über zur Anzeige gebrachte Fälle von Gewalt unter Partnern hervor, die gestern in Berlin vorgestellt wurde. Von „schockierenden Zahlen“ sprach Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD). Die Statistik müsse dazu genutzt werden, „die Gewalt sichtbar zu machen“. Tobias Schmidt erklärt die Hintergründe.

Wieviel Gewalt gegen Frauen in den eigenen vier Wänden gab es?
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 127 457 Fälle von Gewalt unter Partnern zur Anzeige gebracht. 104 000 Opfer waren Frauen. Bei den meisten Delikten handelte es sich um einfache Körperverletzung (65 000), zu gefährlicher Körperverletzung kam es in 11 400 Fällen. 2436 Frauen wurden von ihren Ehemännern, Lebensgefährten oder Ex-Partnern vergewaltigt oder sexuell genötigt. 333 Frauen wurden zu Hause getötet. Das sind 43 Prozent aller weiblichen Todesopfer in Deutschland.

Sind nur Frauen Opfer?
Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung sind die Opfer fast zu 100 Prozent weiblich, beim Stalking zu 90 Prozent. Allerdings brachten auch
23 167 Männer häusliche Gewalt zur Anzeige, und in fast allen Fällen waren die Täter weiblich. 82 Männer wurden von ihren Partnerinnen ums Leben gebracht. Das sind fünf Prozent aller männlichen Todesopfer hierzulande.

Wie entwickelt sich die häusliche Gewalt?
Die Fälle von bekanntgewordener Gewalt in Partnerschaften gehen seit 2012 nach oben: Vor vier Jahren lag die Gesamtopferzahl bei 120 758, das waren fast 7000 beziehungsweise 5,5 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Besonders deutlich sind Zahlen von Körperverletzungen gestiegen, bei Tötungsdelikten und Vergewaltigungen gingen die Zahlen leicht zurück. Zugenommen hat auch der Anteil der Männer unter den Opfern, er stieg von 16,5 auf 18,2 Prozent. Das bedeutet aber nicht, dass die Gewalt zunimmt, sondern dass mehr Delikte zur Anzeige gebracht werden und das Dunkelfeld kleiner wird.

Was ist über die Täter bekannt?
Ebenso wie die Opfer kommen auch die Täter aus den verschiedenen Gesellschaftsschichten, in acht von zehn Fällen sind es Männer. In knapp 37 Prozent der Fälle ging die Gewalt vom Ex-Partner aus, ein Viertel der Täter stand bei der Tat unter Drogeneinfluss. Gut 70 Prozent der Tatverdächtigen waren Deutsche. Größte Gruppe unter ausländischen Tatverdächtigen waren Türken (23 Prozent), gefolgt von polnischen Staatsbürgern (7). 60 Prozent der männlichen Täter waren schon früher polizeilich in Erscheinung getreten.

Kann die gewaltSpirale durchbrochen werden?
Zwei Drittel der betroffenen Frauen bringen Gewalt nicht zur Anzeige und holen auch keine Hilfe. Vielfach fühlen sie sich abhängig von ihrem Partner oder wollen verhindern, dass sie ihre Kinder verlieren oder die Familie auseinanderbricht.

>> Hilfetelefon

>> BKA Kriminalstatistik

zur Startseite

von
erstellt am 22.Nov.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen