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Politik

25. September 2016 | 05:43 Uhr

Reaktionen : Merkels Menetekel, Gabriels Chance?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sieger und Verlierer der Berliner Abgeordnetenhaus-Wahl – Reaktionen in den Parteizentralen

Geschafft! Stakkato-Applaus in der Berliner Columbia-Halle. Sigmar Gabriel atmet tief durch, strahlt zufrieden, genießt den Moment. Dass die Hauptstadt-SPD eines ihrer schlechtesten Ergebnisse einfährt, wird an diesem Abend zur Nebensache: Für die SPD zählt, dass sie nun fünf weitere Jahre den Senat führen kann, auch wenn sich viele – insbesondere aus der Bundespartei – ein deutlich besseres Abschneiden gewünscht hätten. „Das war nicht einfach“, blickt Parteichef Gabriel zurück auf den Wahlkampf. Man habe es dennoch gegen den allgemeinen Trend geschafft, stärkste Partei zu bleiben, gibt sich der SPD-Vorsitzende kämpferisch. Das Ergebnis von Berlin dürfte er als Rückenwind auch für den wichtigen SPD-Konvent heute in Wolfsburg sehen, bei dem die Delegierten über das umstrittene EU-Kanada-Freihandelsabkommen zu entscheiden haben.

„Nicht erfreulich“ sei das Ergebnis der CDU, räumt Generalsekretär Peter Tauber im Konrad-Adenauer-Haus zumindest ein und beeilt sich, die Ursachen für die historische Schlappe seiner Partei in Berlin zu verorten. So sei der Wahlkampf „sehr stark landesspezifisch geprägt“, die Unzufriedenheit mit dem rot-schwarzen Senat groß gewesen. Von dieser Stimmung habe sich die CDU nicht absetzen können, so Tauber. In der Zentrale der Bundes-CDU herrscht an diesem Abend gähnende Leere. Angela Merkel will sich erst am heutigen Montag äußern. Stattdessen heißt es für die CDU-Chefin Krisenmanagement am Telefon. Anders als die Bundes-SPD mit den Berliner Genossen hat die CDU-Spitze keine gemeinsame Wahlparty mit dem Landesverband veranstaltet, will offenbar auf Distanz bleiben. „Wir können nicht zufrieden sein“, analysiert Unionsfraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer.

Bei der Linken kennt die Freude keine Grenzen. Ausgiebig feiern sie in einem Szeneclub in Friedrichshain ihren Erfolg. „Ein ganz großartiges Signal“, lobt Parteichefin Katja Kipping. Als einzige im Bundestag vertretene Partei habe die Linke deutlich zugelegt. Euphorie, Küsschen und Schulterklopfen für Klaus Lederer, den Spitzenkandidaten in der Hauptstadt. Rot-Rot-Grün in Sicht, die Linkspartei nach fünf Jahren Opposition wieder auf dem Sprung in Regierungsverantwortung. Die Spitzen von Bundespartei und Bundestagsfraktion, Bernd Riexinger, Katja Kipping und Dietmar Bartsch, liegen sich in den Armen. Ein Jahr vor der Bundestagswahl wächst bei den Linken die Hoffnung auf Rot-Rot-Grün im Bund.

Anders dagegen die Stimmung bei den Grünen: Im „E-Werk“ wird zwar gejubelt, doch bleibt das Ergebnis hinter den eigenen Erwartungen zurück. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt spricht von einem Resultat „in schwierigen Zeiten“. Die mögliche Rückkehr in den Senat und die Aussicht auf Rot-Rot-Grün sorgen auch hier für neue Bündnisdebatten. Die Zusammenarbeit mit SPD und Linkspartei als Modell für den Bund? Grünen-Chef Cem Özdemir winkt ab. „Die Zeit von Modellen ist vorbei“, sagt er.

Riesenjubel dagegen bei der FDP. Die Liberalen im Thomas-Dehler-Haus feiern Wiederauferstehung. „Weit über diese Stadt hinaus ist das ein Signal“, jubelt Parteichef Christian Lindner. Für „seine“ FDP ist es ein wichtiger Etappensieg auf dem Weg zur Bundestagswahl 2017 und der erhofften Rückkehr ins Parlament.

Freude auch im Charlottenburger Ratskeller, wo die AfD den Einzug ins Abgeordnetenhaus und ihren zehnten Wahlerfolg in Folge feiert. „Wir sind jetzt in der Hauptstadt angekommen“, freut sich AfD-Vizechefin Beatrix von Storch. Und Parteivorsitzender Jörg Meuthen blickt bereits nach vorn: „Wir sind felsenfest überzeugt, dass wir nächstes Jahr mit einem zweistelligen Ergebnis im Bundestag landen werden.“


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erstellt am 18.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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