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Politik

08. Dezember 2016 | 01:06 Uhr

Nach der US-Wahl : Manipulierte Wahlmaschinen?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Experten raten Clinton zur Wahlanfechtung. US-Wissenschaftler sprechen von Auffälligkeiten – doch die Argumente überzeugen kaum

Wird Donald Trump nun doch nicht Präsident? Gibt es eine Wahlanfechtung in letzter Minute von Hillary Clinton? Diese möglichen sensationellen Entwicklungen deutete gestern unter anderem der Sender CNN an, und auch das „New York Magazine“ zog in seiner Online-Ausgabe nach. Die amerikanischen Medien stützen sich in ihrer Berichterstattung auf eine vermeintliche Manipulation der Wahl in den drei für den Ausgang mitentscheidenden Bundesstaaten Pennsylvania, Michigan und Wisconsin, die alle Trump für die meisten Demoskopen überraschend gewonnen hatte. Wissenschaftler wollen dort Auffälligkeiten festgestellt haben, die auf Manipulationen hindeuten könnten. Und: Sie hätten sich bereits mit der Clinton-Kampagne getroffen, um Anfechtungen und Nachzählungen vorzuschlagen.

Als wichtigstes Indiz für mögliche Beeinflussungen von außen wollen die Experten – unter anderem Computerwissenschaftler von der Universität Michigan – festgestellt haben, dass Clinton in Wahlbezirken mit Wahlcomputern deutlich weniger Stimmen bekam als in Wahlbezirken anderer Bundesstaaten, in denen vorwiegend mit Papierzetteln abgestimmt wurde. Diese Unterschiede lägen bei bis zu sieben Prozent, was statistisch auffällig sei. Im Vorfeld der Wahl hatte es wiederholt Befürchtungen über Manipulationen von Hackern gegeben. Diese waren allerdings fast immer im Trump-Lager laut geworden. In den drei genannten Schlüsselstaaten hätte Hillary Clinton am Ende 55 000 Stimmen mehr als Trump benötigt, um das Ruder noch herum zu reißen.

Doch die Theorie von bewussten Manipulationen hat große Löcher – und dürfte sich am Ende als nicht haltbar erweisen. Zum einen räumen die Wissenschaftler ein, es gebe außer ihren auf Statistik gestützten Vermutungen keine wirklich konkreten Beweise dafür, dass Wahlmaschinen manipuliert worden seien. Zum anderen haben die Wahlautomaten – das wurde von Überwachern vor Ort immer wieder bestätigt – keine Internet-Verbindung. Doch die wichtigsten Argumente gegen die These der „Experten“ lassen sich schlichtweg im Wahlverhalten der US-Bürger finden. Trump gewann gerade deshalb in Pennsylvania, Michigan und Wisconsin so viel Unterstützung, weil in diesen Bundesstaaten die Konjunkturerholung in den letzten acht Jahren unter Barack Obama weit hinter den Erwartungen zurück geblieben war. Der Republikaner hatte dort unter weißen Arbeitern wesentlich motiviertere Wähler als Clinton, die beispielsweise Wisconsin keinen einzigen Wahlkampfbesuch abgestattet hatte und gut sichtbar außerhalb der großen Städte unter einem Euphoriedefizit litt. Vor allem in ländlichen Regionen bekam Clinton am Ende kein Bein auf den Boden.

Der direkte Vergleich mit anderen Bundesstaaten, in denen Clinton bei der Nutzung von Papierwahl-
bögen besser abgeschnitten hatte, verbietet sich also aufgrund der enormen regionalen Unterschiede. Doch die Akademiker haben offenbar nur ihre Zahlen gesehen – und die politische Komponente dieser Wahl völlig vernachlässigt. Am Ausgang dürfte sich deshalb nichts ändern.

 

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erstellt am 23.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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