zur Navigation springen

Politik

07. Dezember 2016 | 13:29 Uhr

Obama sagt Tschüss : Lob und etwas Baldrian für Merkel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Obama kommt heute zum Abschiedsbesuch nach Berlin

Eigentlich sollte der lange geplante letzte Berlin-Besuch des scheidenden US-Präsidenten Barack Obama vor allem einem Zweck dienen: der Bundesregierung mit Genugtuung klar zu machen, dass sie unter Hillary Clinton im Weißen Haus mit Kontinuität in der amerikanischen Außen- und Transatlantik-Politik rechnen könne. Doch auch Obama wurde vom Wahlsieg Donald Trumps kalt erwischt und geschockt. Und nun lauten seine Hausaufgaben: Angela Merkel und dem Rest Europas heute klarzumachen, dass vermutlich alles gar nicht so schlimm wird, wie es die Wahlkampfaussagen Trumps befürchten lassen.

Einen ersten Anlauf dazu unternahm Obama bereits bei seiner Pressekonferenz vor dem Abflug am Montagnachmittag (Ortszeit) nach Griechenland, der ersten Station seiner Abschieds-Tournee. Er beschrieb Trump als „pragmatisch“ – und prognostizierte, dass die Bedeutung des Amtes schnell ein „Weckruf“ (Obama) für den Republikaner sein werde, der in den Monaten vor dem Erfolg immer wieder deutliche Kritik an der Lastenverteilung innerhalb der Nato geübt hatte.

Obama hatte bei dem Medienauftritt dann jede Menge Baldrian für die Europäer parat: Trump habe ihm gegenüber versichert, dass er sich an Amerikas Verpflichtung gebunden fühlt, jeden Nato-Alliierten zu verteidigen, falls dieser von Russland oder einer anderen Nation attackiert werde. Im Vorfeld der Wahl hatten Trumps wohlwollende Worte in Richtung Kreml und Wladimir Putin („Ein starker Führer, anders als Obama“) für Besorgnis und Rätselraten in Bezug auf die künftige US-Sicherheitspolitik gesorgt.

Dass der ohne Familie anreisende Obama im Hotel Adlon in Berlin als sogenannte lahme Ente absteigen wird, dessen Entscheidungen bis zum Amtsantritt Trumps am 20. Januar 2017 kaum noch Relevanz haben werden, ist sowohl dem Gast wie auch dem Gastgeber klar. Er wolle gegenüber Angela Merkel auch seine Dankbarkeit für ihre berechenbare und humanitäre Politik ausdrücken, heißt es in Washington. Das will das Weiße Haus ausdrücklich auch auf die umstrittene Flüchtlingspolitik der Kanzlerin bezogen wissen, die einen klaren Kontrapunkt zu den Abschottungsideen Trumps darstellt. Der Republikaner hatte im Wahlkampf für einen vorläufigen Einreisestopp für Migranten gesprochen, die aus Nahost-Krisenregionen wie Syrien kommen. Ob und wie Trump daran festhalten wird, ist wie so vieles andere auch noch unklar.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Nov.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen