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Politik

10. Dezember 2016 | 11:47 Uhr

Sigmar Gabriel über Deutsche Bank : Klartext über den Wolken

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sigmar Gabriel reist nach Teheran und findet im Flugzeug deutliche Worte zur Deutschen Bank

Gleich beginnt der Luftwaffen-Airbus 340 auch schon mit dem Landeanflug auf Teheran. Doch Sigmar Gabriel will noch etwas loswerden. Der Vizekanzler hat es sich bequem gemacht in seinem Ledersessel in der VIP-Kabine der Maschine und macht seinem Ärger über die Deutsche Bank und ihren Chef John Cryan Luft: „Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer von Spekulanten erklärt.“ Klartext von Gabriel über den Wolken.

Spekulanten seien am Werk, um das Vertrauen in die Deutsche Bank gezielt zu schwächen, hatte Bank-Boss Cryan erklärt. Nicht Spekulanten, sondern Fehler des Managements seien für die aktuellen Probleme der Deutschen Bank verantwortlich, kontert SPD-Chef Gabriel: „Das Szenario ist, dass Tausende Menschen ihre Arbeit verlieren werden. Sie tragen jetzt die Verantwortung für den Wahnsinn, der betrieben wurde von verantwortungslosen Managern.“

Normalerweise äußern sich Minister auf Auslandsreisen selten zur Lage in Deutschland – anders Gabriel. Die Rolle als SPD-Chef legt er nie ganz ab. Mit seiner Banker-Schelte deutet er an, dass im Zweifel nicht mit Zustimmung der Genossen für Staatshilfen an Deutschlands Geldhaus Nummer Eins zu rechnen wären. Obwohl Tausende Kilometer entfernt, setzt Gabriel damit am Sonntagabend einen Punkt. Der Vertreter des Deutschen Bankenverbandes hinten im Regierungsflieger bekommt von alledem erst einmal nichts mit.

Im Land der Mullahs angekommen hält sich der SPD-Chef wieder strikt ans Protokoll, gibt als Wirtschaftsminister den Türöffner. Seine Mission: Die Handelsbeziehungen wieder ankurbeln, ohne heikle Themen wie die iranische Unterstützung für Syriens Machthaber Baschar al-Assad und den Streit um das Existenzrecht Israels auszuklammern. Erneut ein diplomatischer Drahtseilakt, kurz nach dem Besuch bei Kremlchef Wladimir Putin in Moskau.

Der deutsche Wirtschaftsminister zu Gast in der pulsierenden 14-Millionen-Metropole Teheran. Die ultrakonservative Zeitung „Javan“ empfängt den Besucher aus dem fernen Berlin mit ätzender Kritik und fordert, „diesen Freund der Zionisten“ nicht ins Land zu lassen. Gabriels Kolonne bahnt sich ihren Weg durch den chaotischen Innenstadt-Verkehr. Vorbei an riesigen Plakatwänden mit Porträts des erzkonservativen Republikgründers Ayatollah Khomenei und des heutigen obersten Religionsführers Ali Chamenei.

Es ist ein Land, das zwar weltweit immer noch Schlagzeilen wegen steigender Hinrichtungszahlen und Menschenrechtsverletzungen macht, nun nach Atomdeal und Aufhebung der Wirtschaftssanktionen die traditionell guten Beziehungen zu Deutschland aber wieder aufleben lassen will. Nach jahrelanger Eiszeit sollen goldene Jahre folgen, auch wenn die Finanzierung von Projekten vorerst noch schwierig bleibt.

Ortstermin im Wirtschaftsministerium. Blitzlichtgewitter, als die ersten Verträge unterschrieben werden. Absichtserklärungen zumeist, unter anderem für den Bau eines Gaskraftwerks, die Fertigung von Industrie-Kühlgeräten und eine Zusammenarbeit beim Vertrieb von E-Book-Readern. Siemens wollte einen prestigeträchtigen Vertrag zur Lieferung von Diesel-Zügen unter Dach und Fach bringen. Airbus, so war es schon im Januar vereinbart worden, soll 118 neue Flugzeuge liefern. Niemand braucht solche Zeichen des Aufbruchs derzeit so wie Präsident Hassan Ruhani, der als gemäßigt gilt. Scheitert er mit seinem Bestreben, breitere Bevölkerungsschichten aus Armut und Arbeitslosigkeit zu führen, könnte es für ihn bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr eng werden.



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erstellt am 03.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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