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Politik

07. Dezember 2016 | 21:19 Uhr

Schwere Explosion : IS bekennt sich erstmals zu Bombenanschlag in der Türkei

vom

Bei der Explosion einer Autobombe in der Kurdenmetropole Diyarbakir im Südosten der Türkei sterben neun Menschen. Die Regierung vermutet die PKK hinter dem Anschlag. Dann bekennt sich der Islamische Staat.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich erstmals zu einem Selbstmord-Bombenanschlag in der Türkei bekannt. Über sein Sprachrohr Amak reklamierte der IS eine schwere Autobombenexplosion nahe einer Polizeizentrale in der südöstlichen Kurdenmetropole Diyarbakir für sich.

Zuvor hatte der IS schon die Verantwortung für Attentate auf Personen in der Türkei übernommen, etwa auf syrische Aktivisten, die über Gewalttaten in IS-besetzten Gebieten berichtet hatten.

Bei dem Anschlag am Freitag waren neun Menschen getötet worden, darunter mindestens zwei Sicherheitsbeamte. Die türkische Regierung hatte den Anschlag der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zugeschrieben.

«Sollte das Bekenntnis des Islamischen Staates richtig sein, dann haben die Männer des sogenannten Kalifats (den Anschlag) nur zwei Tage nach dem Aufruf von Abu Bakr al-Bagdadi zu Anschlägen in der Türkei ausgeführt», schrieb der Experte Thomas Joscelyn des Analyseinstituts Foundation for Defense of Democracies in Washington in einem Blogbeitrag am Freitag.

Der zum Kalifen ausgerufene IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi hatte in einer Audio-Botschaft zu Angriffen auf die Türkei aufgerufen: «Kämpfer des Kalifats, hier kommen die ungläubigen, türkischen Soldaten (...), zeigt ihnen Eure Stärke.» Türkische Streitkräfte waren im August mit verbündeten Rebellen in Syrien einmarschiert und hatten den IS aus einigen Gebieten an der Grenze vertrieben.

Bei dem Bekenntnis des IS handele es sich möglicherweise um eine Strategiewende, meint der Experte Joscelyn. In der Vergangenheit habe sich die Terrormiliz noch «absichtlich unklar» über größere Terroranschläge in der Türkei geäußert. So habe sich niemand zu dem Anschlag auf den Flughafen in Istanbul im Juni bekannt.

Nicht nur das IS-Bekenntnis widerspricht der Behauptung der türkischen Regierung, hinter dem Anschlag in Diyarbakir stehe die kurdische PKK. Auch die prokurdische Parlamentspartei HDP gibt dem IS die Schuld an dem Anschlag.

In dem Polizeigebäude hätten sich auch inhaftierte kurdische Oppositionspolitiker befunden. Mindestens ein Amtsträger seiner Partei sei bei dem Anschlag ums Leben gekommen, sagte Ziya Pir von der HDP. Auch der Ko-Vorsitzende der HDP, Figen Yuksekdag, soll in dem Gebäude gewesen sein.

«Dass der IS eine kurdische Stadt zum Ziel nimmt, passt genau zu dem, was wir - aus beschlagnahmten Dokumenten - über seine Strategie in der Türkei wissen», schrieb der Türkei-Experte des Atlantic Councils auf Twitter. Es sei jedoch nicht unmöglich, dass der Islamische Staat sich zu einem Anschlag bekenne, den er nicht verübt habe.

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erstellt am 05.Nov.2016 | 13:47 Uhr

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