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Politik

11. Dezember 2016 | 14:53 Uhr

Grüner macht sich für Merkel stark : In der falschen Mannschaft?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wirbel um Kretschmanns Plädoyer für erneute Kanzlerkandidatur Merkels – Unmut bei Grünen und Linken

„Ich wüsste auch niemand, der diesen Job besser machen könnte als sie“, sagte Winfried Kretschmann über Angela Merkel und die K-Frage bei der Union. Mittwochabend in der ARD: Vor Millionenpublikum spricht sich der grüne Ministerpräsident aus Stuttgart für die Kanzlerin aus. „Das fände ich sehr gut“, sagte Kretschmann über eine erneute Kanzlerkandidatur Merkels. Aus seiner Sicht sei die Kanzlerin „sehr wichtig in der europäischen Krise“. Ihren Kurs hält er für richtig. Bereits im Frühjahr hatte Kretschmann erklärt, er bete angesichts der Flüchtlingskrise jeden Tag für Angela Merkel. Nun folgt ein Vorstoß, der als klare Absage an Rot-Rot-Grün verstanden werden kann und als Versuch, konservative Wählergruppen für die Grünen zu gewinnen.

Das neue leidenschaftliche Plädoyer des grünen Oberrealos aus Stuttgart für die Kanzlerin kommt zu einem heiklen Zeitpunkt für die Grünen. Eine Woche vor dem Grünen-Parteitag in Münster begeht der baden-württembergische Regierungschef damit aus Sicht vieler in der Ökopartei einen Tabubruch. Zuletzt war es Konsens gewesen, keine Festlegungen für künftige Regierungskonstellationen zu treffen. Die Reaktionen auf sein Plädoyer für Merkel und die Feststellung, dass CSU-Chef Horst Seehofer ihm näher sei als Bodo Ramelow, Ministerpräsident der Linkspartei in Thüringen, fallen deutlich aus. „Wir wollen Merkels Große Koalition ablösen und werden dabei ganz bestimmt keine Vorfestlegungen auf etwaige Kanzlerkandidatinnen oder Kanzlerkandidaten vornehmen“, erklärte Grünen-Chefin Simone Peter. Ihr Co-Vorsitzender, der Kretschmann-Vertraute Cem Özdemir, warnte dagegen vor Koalitionsdebatten zum jetzigen Zeitpunkt.

Anders fallen die Reaktionen führender Vertreter des linken Flügels aus. „Das ist eine Einzelmeinung“, erklärte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Die Strategie für die Bundestagswahl legt die Bundespartei fest und nicht ein Landespolitiker aus Baden-Württemberg. Es braucht 2017 einen Politikwechsel in Berlin und kein Weiter so.“ Inhaltlich sei Ramelow den Grünen gerade in der Flüchtlingspolitik deutlich näher als Seehofer, „der die AfD rechts überholt“.

Linksparteichef Bernd Riexinger spottete genüsslich über Kretschmann und seine Äußerungen: „Wie ein BVB-Fan, der Schalke die Daumen drückt. Völlig absurd! Vielleicht sollte er die Mannschaft wechseln.“ Die Mehrheit der Grünen, stichelte Riexinger weiter, sei jedoch nicht auf Kretschmann-Kurs. Viele wüssten schließlich: „Wer mit Merkel ins Bett geht, wacht mit Seehofer im Arm auf.“
 

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erstellt am 04.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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