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Politik

09. Dezember 2016 | 16:34 Uhr

Steuerpläne der Regierung : Großer Wurf oder Mini-Entlastung?

vom
Aus der Onlineredaktion

Hintergründe zu den Steuerplänen der Bundesregierung und der Erhöhung der Familienleistungen

Änderungen beim Steuertarif, höhere Freibeträge, mehr Kindergeld – die Bundesregierung hat ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen. „Insgesamt entlasten wir Familien und Steuerzahler um mehr als sechs Milliarden Euro“, erklärte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gestern in Berlin. Großer Wurf oder Mini-Entlastung? Hintergründe zu den Steuerplänen der Bundesregierung und zur Erhöhung der Familienleistungen.

Was ändert sich bei den Freibeträgen?
Der Grundfreibetrag, derzeit 8652 Euro für Singles, soll in zwei Schritten angepasst werden, 2017 um 170 Euro, 2018 um weitere 200 Euro. Damit steigt der Betrag, ab dem die Einkommensteuer greift. Für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner verdoppelt sich der gemeinsame Freibetrag auf 17 644 Euro. Der Kinderfreibetrag, der aktuell bei 7248 Euro liegt, wird nach Plänen des Bundesfinanzministers 2017 zunächst um 110 Euro, 2018 schließlich um 100 Euro erhöht. Vom Kinderfreibetrag profitieren Familien mit höheren Einkommen, Geringverdiener jedoch nicht.

Wird die kalte Progressionabgebaut?
Der Begriff der kalten Progression beschreibt die Erhöhung der Steuerschuld als Folge von Einkommenssteigerungen – in Zeiten niedriger Inflation ist dieser Effekt nicht besonders ausgeprägt. Dennoch werden die Eckwerte des Steuertarifs um die geschätzte Inflationsrate angepasst: um 0,73 Prozent im kommenden Jahr und um 1,65 Prozent im Jahr 2017.

Wie wirken sich die steuerlichen Änderungen im Einzelnen aus?
Für Ledige ohne Kinder liegt die jährliche Entlastung im kommenden Jahr demnach zwischen 24 Euro und 145 Euro. Bei 1000 Euro Einkommen wären es zwei Euro im Monat, bei 3000 Euro beläuft sich die jährliche Entlastung auf 54 Euro, bei 5500 Euro sind es dagegen 89 Euro.

Eltern profitieren dagegen deutlich stärker. Bei Zusammenveranlagung kommt ein Paar mit zwei Kindern je nach Einkommen auf eine jährliche Entlastung von 48 Euro bis 392 Euro. Verdient der eine Ehepartner 2500, der andere 1000 Euro im Monat, hätten sie auf das Jahr gerechnet 128 Euro mehr zur Verfügung. Die Entlastung beläuft sich bei Familien mit zwei Kindern auf 154 Euro, wenn ein Elternteil 3500 verdient und das andere 2000 Euro.

173 Euro mehr im Portemonnaie wären es jährlich, wenn einer der Partner 5000 Euro Lohn pro Monate bezieht, während der andere 2500 Euro verdient.

Sind weitere Steuerentlastungen geplant?
Ja – allerdings erst nach der Bundestagswahl. Sowohl Union und SPD bereiten Entlastungen vor und werden dazu Aussagen in ihren Wahlprogrammen machen.

Die Sozialdemokraten wollen sie jedoch auf kleinere und mittlere Einkommen beschränken und erwägen eine Gegenfinanzierung etwa durch einen höheren Spitzensteuersatz. Die Union hatte das Volumen für mögliche Steuersenkungen zuletzt auf 15 Milliarden Euro beziffert.

Wird das Kindergeld erhöht?
Das Existenzminium, so verlangt es das Bundesverfassungsgericht, muss steuerfrei gestellt werden. Daher passt die Regierung die Freibeträge an.

Wie in der Vergangenheit auch wird im gleichen Schritt das Kindergeld angehoben – diesmal um zwei Euro monatlich. Bisher liegt es bei monatlich 190 Euro für die ersten beiden Kinder, 196 Euro für das dritte und je 221 Euro ab dem vierten Kind. Darüber wird der Kinderzuschlag für Geringverdiener um zehn auf 170 Euro monatlich erhöht. Das Geld soll Berufstätige davor bewahren, allein deshalb in Hartz IV zu rutschen, weil sie Kinder haben.

Was ändert sich 2017 bei den Sozialabgaben?
Die Beitragssätze für die Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung dürften gleich bleiben. Der Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung für Versicherte mit Kindern steigt Anfang 2017 um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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