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Politik

04. Dezember 2016 | 02:58 Uhr

Prozess um Zugunglück von Bad Aibling : „Große Schuld aufgeladen“

vom

Es war eines der schwersten Zugunglücke in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Fahrdienstleiter von Bad Aibling räumt vor Gericht schwere Fehler ein. Er soll durch ein Handyspiel abgelenkt gewesen sein. Nach Angaben der Ermittler spielte er nicht zum ersten Mal.

Wer ist der Mann, der am verheerenden Zugunglück von Bad Aibling schuld sein soll? Wie schaut er aus? Wird er Reue zeigen? Gespannt warten gestern Morgen nicht nur Hinterbliebene der Todesopfer am Landgericht Traunstein auf den Beginn des Prozesses gegen den Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn. Auch unbeteiligte Zuhörer sitzen im Schwurgerichtssaal des oberbayerischen Gerichts und wollen den Mann sehen, der nach Überzeugung der Anklagebehörde für den Tod von zwölf Männern und die teils lebensgefährlichen Verletzungen von 89 Zuginsassen verantwortlich sein soll. Seit dem Unfall vor neun Monaten war der Bahnmitarbeiter von der Bildfläche verschwunden.

Als der 40-Jährige kurz nach 8.45 Uhr – begleitet von seinen beiden Anwälten – in den Sitzungssaal geführt wird, richten sich alle Blicke auf ihn. Mit der Kapuze eines Anoraks versucht der bärtige Mann nur beim Hereingehen sein Gesicht teilweise zu verdecken. Ein Blitzlichtgewitter geht auf den eher kleingewachsenen Mann mit Lockenkopf nieder, als er auf der Anklagebank Platz nimmt. Seinen Anorak legt er jetzt ab, alle können ihm ins Gesicht schauen.

Dem Bahnbediensteten werden fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Nach Verlesung der Anklageschrift steht er auf und gibt eine persönliche Erklärung ab. Dabei wendet er sich direkt an die als Nebenkläger im Gericht sitzenden Angehörigen der Toten und die Verletzten: „Ich weiß, dass ich da am 9. Februar mir große Schuld aufgeladen habe.“ Seinen Fehler könne er nicht mehr rückgängig machen. „Ich möchte Ihnen sagen, dass ich in Gedanken bei Ihnen bin.“ Seine Verteidigerin verliest dann das Geständnis ihres Mandanten.

Darin räumt der Angeklagte ein, ein Sondersignal gegeben zu haben, das er nicht hätte geben dürfen, und einen Notruf falsch abgesetzt zu haben. Auch die verbotene Nutzung des Fantasy-Rollenspiels „Dungeon Hunter 5“ auf seinem Handy gesteht er, wie seine Anwälte später bestätigen. Der 40-Jährige wurde dadurch laut Anklage von der Arbeit abgelenkt. Mehr will der Fahrdienstleiter nicht sagen, im weiteren Prozessverlauf vielmehr schweigen. Als am Nachmittag der Rechtsmediziner die Todesursachen der zwölf Opfer vorträgt und mehrfach von Schädelhirntraumata sowie zweimal von Herzriss spricht, kann der 40-Jährige die Tränen kaum unterdrücken.

Thomas Staudinger kam beim Unglück mit Prellungen und gebrochener Nase davon. „Ich bin aufgeregt“, bekennt der 23-Jährige vor dem Sitzungssaal. Er will zumindest den ersten Prozesstag verfolgen. Zug fahren konnte der täglich zur Arbeit nach München pendelnde Laborant aus Bad Aibling erst wieder ein halbes Jahr nach dem Unglück. „Ich glaube, es geht ihm nicht gut“, sagt der 23-Jährige, der auf ein gerechtes Urteil hofft: „Der Mann ist genug gestraft.“ Im Sitzungssaal hört Staudinger wenig später die persönliche Erklärung des Angeklagten. Die Worte seien sehr emotional gewesen, meint er. „Die Entschuldigung hat mich auf jeden Fall berührt.“ Wer ist der Mann, der am verheerenden Zugunglück von Bad Aibling schuld sein soll? Wie schaut er aus? Wird er Reue zeigen? Gespannt warten gestern Morgen nicht nur Hinterbliebene der Todesopfer am Landgericht Traunstein auf den Beginn des Prozesses gegen den Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn. Auch unbeteiligte Zuhörer sitzen im Schwurgerichtssaal des oberbayerischen Gerichts und wollen den Mann sehen, der nach Überzeugung der Anklagebehörde für den Tod von zwölf Männern und die teils lebensgefährlichen Verletzungen von 89 Zuginsassen verantwortlich sein soll. Seit dem Unfall vor neun Monaten war der Bahnmitarbeiter von der Bildfläche verschwunden.

Als der 40-Jährige kurz nach 8.45 Uhr – begleitet von seinen beiden Anwälten – in den Sitzungssaal geführt wird, richten sich alle Blicke auf ihn. Mit der Kapuze eines Anoraks versucht der bärtige Mann nur beim Hereingehen sein Gesicht teilweise zu verdecken. Ein Blitzlichtgewitter geht auf den eher kleingewachsenen Mann mit Lockenkopf nieder, als er auf der Anklagebank Platz nimmt. Seinen Anorak legt er jetzt ab, alle können ihm ins Gesicht schauen.

Dem Bahnbediensteten werden fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Nach Verlesung der Anklageschrift steht er auf und gibt eine persönliche Erklärung ab. Dabei wendet er sich direkt an die als Nebenkläger im Gericht sitzenden Angehörigen der Toten und die Verletzten: „Ich weiß, dass ich da am 9. Februar mir große Schuld aufgeladen habe.“ Seinen Fehler könne er nicht mehr rückgängig machen. „Ich möchte Ihnen sagen, dass ich in Gedanken bei Ihnen bin.“ Seine Verteidigerin verliest dann das Geständnis ihres Mandanten.

Darin räumt der Angeklagte ein, ein Sondersignal gegeben zu haben, das er nicht hätte geben dürfen, und einen Notruf falsch abgesetzt zu haben. Auch die verbotene Nutzung des Fantasy-Rollenspiels „Dungeon Hunter 5“ auf seinem Handy gesteht er, wie seine Anwälte später bestätigen. Der 40-Jährige wurde dadurch laut Anklage von der Arbeit abgelenkt. Mehr will der Fahrdienstleiter nicht sagen, im weiteren Prozessverlauf vielmehr schweigen. Als am Nachmittag der Rechtsmediziner die Todesursachen der zwölf Opfer vorträgt und mehrfach von Schädelhirntraumata sowie zweimal von Herzriss spricht, kann der 40-Jährige die Tränen kaum unterdrücken.

 Thomas Staudinger kam beim Unglück mit Prellungen und gebrochener Nase davon. „Ich bin aufgeregt“, bekennt der 23-Jährige vor dem Sitzungssaal. Er will zumindest den ersten Prozesstag verfolgen. Zug fahren konnte der täglich zur Arbeit nach München pendelnde Laborant aus Bad Aibling erst wieder ein halbes Jahr nach dem Unglück. „Ich glaube, es geht ihm nicht gut“, sagt der 23-Jährige, der auf ein gerechtes Urteil hofft: „Der Mann ist genug gestraft.“ Im Sitzungssaal hört Staudinger wenig später die persönliche Erklärung des Angeklagten. Die Worte seien sehr emotional gewesen, meint er. „Die Entschuldigung hat mich auf jeden Fall berührt.“

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erstellt am 10.Nov.2016 | 13:20 Uhr

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