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Politik

11. Dezember 2016 | 05:12 Uhr

Kein Sprengstoff gefunden : Geld für den Terror - Razzien bei möglichen IS-Helfern

vom

Polizisten durchsuchen Wohnungen in Plattenbaugebieten, Kisten mit beschlagnahmten Akten, Sprengstoffverdacht: Wieder ein Anti-Terror-Einsatz in Deutschland. Diesmal geht es vor allem um Terrorfinanzierung.

Thüringens Innenminister wirkt angespannt: Immer wieder schaut Holger Poppenhäger (SPD) bei einer Festveranstaltung im Landtag am Dienstag auf sein Handy. Schnell wird klar, es läuft ein bundesweiter Polizeieinsatz, und das Erfurter Landeskriminalamt hat die Federführung.

Wieder geht es um Terrorgefahr, dieses Mal vor allem um die Finanzierung des Terrors. Durchsuchungen gibt es außer in Thüringen auch in Hamburg, Dortmund, München und Leipzig.

Es ist bereits der zweite große Anti-Terror-Einsatz der deutschen Sicherheitsbehörden im Oktober. Erst in Sachsen die Festnahme des Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr und sein Suizid in der Haftanstalt in Leipzig, nun mit Schwerpunkt in Thüringen. Denn die Mehrzahl der Tatverdächtigen - 14 Tschetschenen mit russischen Pässen - lebt in dem ostdeutschen Bundesland. Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelt bereits seit der zweiten Hälfte 2015.

Der Hauptverdächtige ist nach Angaben der Ermittler ein 28-Jähriger Tschetschene, der im Verdacht steht, dass er sich der Terrormiliz IS in Syrien anschließen wollte. Er wohnt im beschaulichen Suhl mitten im Thüringer Wald - eine Tourismus- und Wanderregion. Dort fahren am frühen Dienstagmorgen Polizeitransporter und Spezialkräfte im Plattenbaugebiet Nord vor. Ziel ist eine Wohnung in einem mehrgeschossigen Bau. Schwere Schutzausrüstungen tragen die Beamten nicht, es gibt auch keine großflächigen Absperrungen.

Doch es gibt Spekulationen über einen möglichen Fund von Sprengstoff - vor dem Haus wird neben Polizeitransportern auch ein Fahrzeug mit der Aufschrift «Entschärfungsdienst» gesichtet. Von einem weißen Pulver ist die Rede. Dann Aufatmen - der Verdacht auf Sprengstoff zerschlägt sich. «Es wurde eine weiße Substanz gefunden, die ist ungefährlich», sagt eine LKA-Sprecherin.

In Jena-Lobeda, ebenfalls ein Plattenbaugebiet, tragen Beamte derweil eine gelbe Kiste aus einem Elfgeschosser. Ein Aktenordner, ein Laptop und Papiere sind zu erkennen. Die Durchsuchung der Wohnung läuft mehrere Stunden. Die riesigen Blocks mit mehreren Eingängen gelten als recht anonyme Wohnadresse. Die meisten Mieter kennen sich kaum.

Ins Rollen brachte der 28-Jährige aus Suhl die Ermittlungen. Stück für Stück gab es jedoch einen zweiten, schwerwiegenden Verdacht: Terrorfinanzierung. Er richtet sich auch gegen zehn weitere Männer und drei Frauen - allesamt tschetschenische Russen, die als Asylsuchende in Deutschland leben. «Wir untersuchen, ob Gelder ins Ausland geleitet wurden, um terroristische Vereinigungen zu finanzieren», so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera, Jens Wörmann. Ob es um Geld gezielt für die Terrormiliz IS geht und wie es beschafft werden sollte, ließen Staatsanwaltschaft und LKA offen - ebenso wie andere Details des Falls.

Abgeschlossen sind die Ermittlungen nicht, auch wenn es keine Festnahmen gab. «Es gibt keinen Haftbefehl», so die LKA-Sprecherin. Der 28-Jährige sei nach Vernehmungen durch die Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 17:36 Uhr

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