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Politik

26. Februar 2017 | 11:37 Uhr

Anti-Terror-Einsatz in Chemnitz : Gefundener Sprengstoff kontrolliert gesprengt

vom

„Das ist kein Spaß mehr!“ - In Chemnitz läuft ein großer Polizeieinsatz. Nach einem 22-jährigen Syrer wird gefahndet

Terroralarm in Sachsen: Die Polizei in Chemnitz hat bei ihrem Anti-Terror-Einsatz in einer Wohnung mehrere Hundert Gramm Sprengstoff gefunden. Das sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts am Sonnabend der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist kein Spaß mehr“, sagte er. Ein Verdächtiger, ein 22-jähriger Syrer, war am Sonnabend auf der Flucht, wie ein Sprecher des Landeskriminalamts berichtete. Aus Sicherheitskreisen erfuhr die Deutsche Presse-Agentur, dass es einen Zusammenhang mit der Terrormiliz „Islamischer Staat“ gibt.

Das Landeskriminalamt schrieb den 22-jährigen Syrer Dschaber Al-Bakr bundesweit öffentlich zur Fahndung aus. Er sei mit einem schwarzen Kapuzenpullover mit auffälligem Druck bekleidet.

<p>Dschaber Al-Bakr wurde von der Polizei gesucht.</p>

Dschaber Al-Bakr wurde von der Polizei gesucht.

Foto: Polizei Sachsen

Zuvor hatte die Polizei in Chemnitz stundenlang mit einem Großaufgebot ein Wohngebiet durchsucht. Das Plattenbauviertel wurde abgesperrt und teilweise geräumt. Die Polizei stürmte dabei auch eine Wohnung, ohne jedoch den gesuchten Verdächtigen zu fassen.

Über die aktuellen Ermittlungen informiert die sächsische Polizei auch bei Facebook und Twitter:

 

LKA-Sprecher Tom Bernhardt sagte: „Wir wollen ihn so schnell wie möglich finden.“ Die Durchsuchung in der Wohnung habe den Verdacht bestätigt, „dass dort mit Sprengstoff hantiert wurde“. Noch sei unklar, ob der Gesuchte als Flüchtling nach Deutschland gekommen sei. Beim Verfassungsschutz hätten jedoch „Erkenntnisse“ zu ihm vorgelegen.

Datum Vereitelte islamistische Sprengstoffanschläge in Deutschland
September 2007: Die islamistische Sauerland-Gruppe wird gefasst. Die vier Mitglieder werden wegen geplanter Terroranschläge auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland zu mehrjährige Freiheitsstrafen verurteilt.
April 2011: Ermittler nehmen in Düsseldorf drei mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder fest, die einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant hatten. Im Dezember 2011 wird ein vierter Verdächtiger gefasst. Die Männer müssen mehrere Jahre ins Gefängnis.
Februar 2016: Die Polizei kommt einer mutmaßlichen Terrorzelle auf die Schliche und schlägt gleichzeitig in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu. Die vier Verdächtigen hatten womöglich einen Anschlag in Berlin geplant.
Juni 2016: Spezialkräfte der Polizei nehmen drei mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Brandenburg fest. Sie sollen einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben.
September 2016: Ein 16-jähriger Flüchtling aus Syrien wird von der Polizei in Köln festgenommen. Laut den Ermittlern hatte er einen Sprengstoffanschlag geplant und von einem Chatpartner im Ausland Anweisungen zum Bombenbau erhalten.

Der Großeinsatz der Polizei hatte am frühen Morgen wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Bombenanschlags mit islamistischem Hintergrund begonnen. In dem Fritz-Heckert-Wohngebiet im Südwesten der Industriestadt wenige Kilometer östlich der Autobahn A72 leben auch viele Migranten leben.

Gegen 13 Uhr sprengten Spezialkräfte die Tür einer Wohnung, die Räume waren leer. Die Spurensicherung dauerte am Nachmittag noch an.

Medienberichte über einen geplanten Terroranschlag auf einen deutschen Flughafen bestätigte das LKA nicht.

Am Nachmittag wurden zudem drei Verdächtige festgenommen. Die Männer stehen unter Verdacht stehen, Kontakt zu dem flüchtigen Hauptverdächtigen, einem 22-jährigen Syrer, gehabt zu haben, wie das Landeskriminalamt berichtete. Die Männer würden nun befragt.

Zwei der Festgenommenen wurden am Hauptbahnhof gefasst, einer in der Plattenbausiedlung. Im Zuge der Anti-Terror-Ermittlungen gegen den mutmaßlichen islamistischen Bombenbauer hat die Polizei den Hauptbahnhof teilweise für Reisende gesperrt. Ein Spezialroboter untersuchte dort am Sonnabend auf einem Gleis einen roten Koffer, den zwei dort festgenommene Verdächtige bei sich hatten. Das teilte das Landeskriminalamt mit.

Nach der Flucht eines Terrorverdächtigen aus Chemnitz hat die Berliner Polizei ihre Kräfte in der Hauptstadt verstärkt. An den Bahnhöfen seien Beamte aus den Hundertschaften im Einsatz, sagte Polizeisprecher Winfried Wenzel am Sonnabend. Auch die Kollegen in den einzelnen Abschnitten seien mit dem Fahndungsbild des 22-jährigen Syrers unterwegs. "Wir sind maximal sensibilisiert", sagte Wenzel. Ein Fokus der Polizei liege auf dem Flughafen Tegel. Auch am zweiten Flughafen der Hauptstadt in Schönefeld wurden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht.

Das hochexplosive Material wurde am Sonnabend nach Polizeiangaben in einer eigens ausgehobenen Erdgrube von Spezialisten gesprengt und verbrannt. Eine heftige Druckwelle war noch in größerer Entfernung zu spüren. «Es gab keine Verletzten und keine Schäden», sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen. Das Material, laut den Ermittlern ein gefährlicheres Gemisch als TNT, war aus einer verdächtigen Wohnung geborgen worden.

Die seit dem Morgen geltende Sperrung in der Plattenbausiedlung sollte bis zu einer abschließenden Kontrolle noch aufrecht erhalten werden. Die meisten der rund 100 Bewohner, die tagsüber in Sicherheit gebracht worden waren, könnten in der Nacht in ihre Wohnungen zurück, sagte der LKA-Sprecher. Nur das Haus mit der verdächtigen Wohnung bleibe weiter gesperrt.

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