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Politik

31. Juli 2016 | 11:40 Uhr

Flexi-Rente : Erst mit 70 in Rente

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Arbeitsagenturchef Weise schlägt Freiwilligenmodell vor – Koalition debattiert über Flexi-Rente

Der Ruf nach mehr Flexibilität beim Renteneintritt wird lauter. Die nächste Rentenreform steht bevor. Nach Einführung der Rente mit 63 für langjährig Versicherte müsse man „nun auch Anreize setzen, dass Arbeitnehmer, die fit sind, freiwillig bis 70 arbeiten können“, fordert Frank-Jürgen Weise, Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit. Die Große Koalition berät derzeit über Modelle für eine „Flexi-Rente“, auch als Antwort auf drohenden Fachkräftemangel. Länger arbeiten oder mit Abschlägen früher in den Ruhestand? Hintergründe zur Debatte über die Rente mit 70 von Rasmus Buchsteiner.

Über welche Modelle berät die Koalition?
Bisher besteht nur Konsens darüber, dass längeres Arbeiten nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters stärker gefördert werden soll. Die Union hat dazu Erleichterungen bei den Sozialbeiträgen sowie die Möglichkeit, Arbeitsverträge zu befristen, ins Gespräch gebracht. Die SPD steht dem allerdings ablehnend gegenüber und will stattdessen die Absenkung der Altersgrenze für die Teilrente von 63 auf 60 Jahre erreichen und so den (Teil-)Renteneintritt weiter vorziehen. Die zuständige Arbeitsgruppe der Koalition hatte sich vor Weihnachten ohne Ergebnis vertagt.


In welchem Alter gehen die meisten Deutschen in Rente?
Das tatsächliche Renteneintrittsalter der Deutschen lag im Jahr 2013 bei 64,1 Jahren. 1993 waren es noch 63,1 Jahre gewesen. Nach Angaben der Regierung hat die Zahl der älteren Beschäftigten in Deutschland in den letzten Jahren stark zugenommen. Inzwischen sind 1,6 Millionen Männer und Frauen zwischen 60 und 64 Jahren sozialversicherungspflichtig beschäftigt – eine Million mehr als noch im Jahr 2000.
 

Was fordern Fachleute?
Einige Rentenexperten und Teile der Wirtschaft halten die Rente mit 67 für nicht ausreichend, um die Rentenfinanzen zukunftsfest zu machen. Allerdings: Eine weitere Anhebung der Altersgrenze würde hohe dauerhafte Abschläge für all jene bedeuten, die früher in Rente gehen wollen oder müssen.

Welche Gesetze gelten jetzt für Beschäftigte, die über das übliche Rentenalter hinausarbeiten wollen?
Grundsätzlich ist niemand gezwungen, bei Erreichen der Altersgrenze auch in Rente zu gehen. Wer weiter in seinem Job arbeiten will und darüber mit seinem Arbeitgeber einig ist, kann auf einen Rentenantrag zunächst verzichten. Eine andere Variante wäre, Rente zu beantragen und weiterzuarbeiten. In diesem Fall muss der Arbeitnehmer keine Rentenbeiträge mehr zahlen. Wird vor Erreichen der Regelaltersgrenze Rente bezogen, sind Hinzuverdienstgrenzen zu beachten.

Wie viele Rentner arbeiten schon heute?
Die Zahl der Erwerbstätigen im Rentenalter hat sich nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zwischen 2001 und 2011 verdoppelt – auf 760 000.

Rechnet es sich, länger zu arbeiten?
Das kommt darauf an, heißt es von der Deutschen Rentenversicherung. Jedes weitee  Arbeitsjahr ohne gleichzeitigen Rentenbezug bringt einem Durchschnittsverdiener mit 45 Beitragsjahren im Westen ein monatliches Rentenplus von 108 Euro und 99 Euro im Osten. Wer das Rentenalter erreicht hat und trotzdem weiterarbeitet, erhält einen Rentenzuschlag von 0,5 Prozent je Monat.

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