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Politik

04. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Zusatzbeitrag bleibt konstant : Entwarnung für Versicherte?

vom
Aus der Onlineredaktion

Zusatzbeitrag bleibt 2017 wohl konstant. Der GKV-Schätzerkreis und seine Prognose

Gute Nachricht für die 71 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland:Der durchschnittliche Zusatzbeitrag steigt 2017 nicht. Sollte eine Kasse den Zusatzbeitrag erhöhen, erhalten die Mitglieder Post. Gesundheitsökonomen und Versicherungsexperten hatten zuletzt noch eine deutliche Erhöhung vorhergesagt. Dazu kommt es nun aber in den meisten Fällen wahrscheinlich doch nicht – jedenfalls vorerst.

Der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung hat gestern Nachmittag seine Prognose für das Jahr 2017 veröffentlicht. Das Bonner Gremium sieht Grund für Optimismus beim Blick auf das kommende Jahr. Nach der Schätzung bleibt der Zusatzbeitrag durchschnittlich 1,1 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens der gesetzlich Versicherten – im Schnitt zahlen die Versicherten weiterhin 22 Euro im Monat.

Entwarnung für Millionen Versicherte? „Die Horrorszenarien der letzten Wochen waren unbegründet“, moniert die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Maria Michalk. Kritiker sagen, hier zeige sich schon der Vorwahlkampf für die Bundestagswahl im September 2017. „Um den Wirbel um steigende Zusatzbeiträge im Wahljahr möglichst klein zu halten, schüttet die Bundesregierung 1,5 Milliarden Euro aus der Liquiditätsreserve an die Krankenkassen aus“, sagte gestern Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Eine Finanzspritze, deren Wirkung nur von kurzer Dauer sein wird.

Den tatsächlichen Zusatzbeitrag, der 2017 durchschnittlich gilt, legt am Ende das Bundesgesundheitsministerium fest – am 1. November wird er veröffentlicht. Die Prognose des Schätzerkreises dient dabei lediglich als Orientierung. Und auch die Versicherer selbst können davon abweichen.

Von dieser Freiheit machen viele Kassen auch Gebrauch. So beträgt der aktuelle Zusatzbeitrag etwa bei der AOK-Sachsen-Anhalt nur 0,3 Prozent.

Auch die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, sagte, die gesetzlichen Krankenkassen stünden derzeit besser da, als noch vor wenigen Monaten zu erwarten gewesen sei.

Grundsätzlich sei die Finanzlage der Krankenkassen solide, ist CDU-Gesundheitspolitikerin Michalk überzeugt. „Das heißt aber nicht, dass wir die Hände in den Schoss legen können.“ Man müsse die Entwicklung der Finanzen in den kommenden Jahren gut verfolgen. Auch wenn an den meisten Versicherten der Kelch der Beitragssteigerung im kommenden Jahr vorübergehen dürfte – die Debatte um die Finanzierung der Beiträge ist abermals entbrannt.

Nur aufgeschoben - Martin Litsch vom AOK-Bundesverband über Zusatzbeiträge

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der Gesetzlichen Krankenkassen bleibt bei 1,1 Prozent. Darüber sprach Larissa Koch mit Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.

Eine gute Nachricht?
Litsch: Auf jeden Fall.

Eigentlich war ein deutlicher Anstieg für 2017 vorhergesagt worden. Haben sich alle Experten geirrt?
Nein. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Entwicklung der beitragspflichtigen Einnahmen ist dieses Jahr deutlich positiver ausgefallen als angenommen, was mich sehr freut. Doch bereits 2017 werden die finanziellen Auswirkungen der gesundheitspolitischen Reformen wirksam. Allein die Krankenhäuser erhalten nächstes Jahr rund sieben Milliarden Euro mehr.

Werden Mehrbelastungen nur auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschoben?
Ja, die vielen kostspieligen Gesetze werden in den nächsten Jahren deutlich ins Kontor schlagen. Um den Wirbel um steigende Zusatzbeiträge im Wahljahr möglichst kleinzuhalten, schüttet die Bundesregierung 1,5 Milliarden Euro aus der Liquiditätsreserve an die Krankenkassen aus.
Der Arbeitgeberanteil soll bei 7,3 Prozent eingefroren bleiben. Ausgabensteigerungen sind von den Versicherten zu tragen – über die Zusatzbeiträge.

Eine Ungerechtigkeit?
Das ist letztlich eine politische Frage. Wichtiger als die Frage, ob wir zur Parität zurückkehren, ist aus meiner Sicht, wie wir die Ausgaben im Schach halten.

 

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