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Politik

11. Dezember 2016 | 01:17 Uhr

#notokay : Das Trump-Beben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Video mit anstößigen und frauenfeindlichen Aussagen löst Schockwellen aus – doch der Präsidentschaftskandidat will nicht zurücktreten

Für den früheren Präsidentschaftskandidaten John McCain steht fest, dass er seinen Parteifreund Donald Trump nicht mehr unterstützen kann, nachdem dieser „sich sexueller Attacken gerühmt hat“. Trumps Vizepräsidentschafts-Kandidat Mike Pence sieht sich „abgestoßen“ durch die Worte seines potenziellen Chefs. Paul Ryan, Präsident des Abgeordnetenhauses, fühlt sich „angeekelt“. Und selbst Melania Trump, Gattin des New Yorker Geschäftsmannes, klagt über den Ehemann: Seine Bemerkungen seien unakzeptabel und „für mich beleidigend“.

Die elf Jahre alten Aussagen Trumps, aufgezeichnet von einem nicht abgeschalteten Mikrofon während eines Gesprächs mit dem TV-Moderator Billy Bush („Access Hollywood“), haben über Nacht die US-Republikaner in die seit langem tiefste Krise gestürzt. Die Partei sieht sich nun mit einem Spitzenkandidaten konfrontiert, der in den Äußerungen damit prahlt, wie er Frauen gegen deren Willen und damit ungesetzlich sexuell belästigt hat und der dabei jede Menge Obszönitäten gebraucht. Trump, der seine Aussagen zunächst mit Plaudereien in einem Männer-Umkleideraum verglichen hatte, war zwar mit einem Entschuldigungs-Video an die Öffentlichkeit getreten, dessen Kernsatz war: Er sei von seinem Wesen nicht wirklich so eine Person. Und Worte seien schließlich nicht so schlimm wie Taten, die beispielsweise Bill Clinton begangen habe. Doch das konnte die Entrüstung in der Öffentlichkeit und der eigenen Partei nicht abmildern.

Ausgerechnet in den Stunden vor der so wichtigen zweiten TV-Debatte mit Hillary Clinton, die für den gestrigen Abend angesetzt war, forderten immer mehr Republikaner die Absetzung des zur schweren Belastung gewordenen Spitzenkandidaten. Der beteuerte jedoch gegenüber Journalisten, es gebe „null Chancen“, dass er diese Position aufgebe. Deshalb wuchs am Wochenende der Druck auf Mike Pence, Trump die Stirn zu bieten und sich als Vize-kandidat offiziell zurückzuziehen. Das Kalkül innerhalb der Republikaner-Führung lautet so: Wenn Pence hinwirft, muss auch Trump die Konsequenzen ziehen und aufgeben. Doch dieser Plan wird nur aufgeben, wenn Donald Trump mitspielt – ein Bewerber, der sich als politischer Außenseiter verkauft hat, das Establishment in Washington als „dumm“ beschimpft und generell als unberechenbar und gelegentlich unbeherrscht gilt. Gerade letzteres hat dazu geführt, dass er das erste TV-Duell mit Hillary Clinton klar verlor und danach in den Umfragen absank. Doch Trump sagt auch angesichts der beispiellosen Skandal-Schlagzeilen: „Ich gebe nicht auf“. Und: „Meine Unterstützung ist unglaublich groß.“

Ob dies lediglich Wunschdenken entspricht, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Denn die Zeit drängt, wollen die Republikaner ihr lädiertes Aushängeschild noch wechseln. In vielen Bundesstaaten hat das „early voting“ begonnen, bei dem Wähler vorzeitig ihre Stimme abgeben können.

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