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Politik

05. Dezember 2016 | 11:30 Uhr

Massenräumung in Calais : Aufruhr im „Dschungel“

vom
Aus der Onlineredaktion

Frankreich antwortet auf Flüchtlingskrise mit Massenräumung – eine Aktion, die Wellen schlagen wird

Im „Dschungel von Calais“ leben tausende Flüchtlinge in einer Zelt- und Hüttenstadt. Viele von ihnen sind auf dem Weg nach Großbritannien in der nordfranzösischen Hafenstadt am Ärmelkanal gestrandet. Sie stammen aus Eritrea oder Äthiopien, aus Afghanistan, Pakistan oder dem Sudan. Die Pariser Regierung des sozialistischen Premiers Manuel Valls lässt nun das wilde Lager räumen. Die Aktion wird voraussichtlich eine Woche lang dauern – ein gigantisches Vorhaben, das auch bei europäischen Nachbarn Wellen schlagen dürfte. Hintergründe von Sebastian Kunigkeit:

Warum wird das Lager gerade jetzt aufgelöst?

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Die Regierung will vor dem Wintereinbruch handeln, um ein humanitäres Fiasko in dem überfüllten Lager zu verhindern. Die Menschen werden in Aufnahmezentren in ganz Frankreich verteilt – und dort unter besseren Bedingungen leben. Wer einen Asylantrag stellt, soll menschenwürdig untergebracht werden. Wer kein Recht auf Asyl hat, soll ausgewiesen werden – so lautet die Linie der Regierung.

Welche Rolle spielt die Flüchtlingskrise in Frankreich?

Das Land ist deutlich weniger von der Flüchtlingssituation betroffen als beispielsweise Deutschland. Frankreich registrierte im vergangenen Jahr gut 80 000 Asylanträge. Deutschland dagegen nahm knapp 477 000 Anträge an – fast das Sechsfache.

Wie nimmt die Bevölkerung von Calais die Flüchtlingskrise wahr?

Geschäftsleute klagen über Umsatzeinbrüche, Lastwagenfahrer fürchten Straßenblockaden durch Migranten. Tag für Tag sind hunderte Polizisten im Einsatz, am Rande des „Dschungels“ kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Migranten und Ordnungshütern. Entlang des Fährhafens und der Zugstrecken nach Großbritannien ziehen sich kilometerlange Zäune hin. Kriminalität ist auch ein Thema.

 

Ist das Problem von Calais neu?

Schon seit Jahren sammeln sich dort Migranten, die illegal auf die andere Seite des Ärmelkanals, nach Großbritannien, gelangen wollen. Nach Dover sind es nur rund 40 Kilometer, die engste Stelle des Kanals liegt nur ein paar Kilometer von Calais entfernt. Im Zuge der internationalen Flüchtlingskrise spitzte sich die Situation zu. Seit dem Frühjahr 2015 entstand auf einem Brachland ein Lager aus Zelten, Hütten und inzwischen auch vom Staat finanzierten Wohncontainern. Obwohl die Behörden einen Teil des Geländes im März räumten, lebten dort bis zur Beginn der Räumung offiziell etwa 6500 Menschen. Hilfsorganisationen sprachen hingegen im Sommer von mehr als 10  000 Migranten.

Wie ist der Grenzschutz zwischen Frankreich und Großbritannien geregelt?

Die britische Grenze wird faktisch in Nordfrankreich bewacht. In Calais verhindern französische Polizisten Tag für Tag, dass Migranten auf Lastwagen mit Ziel Großbritannien klettern. Pässe werden bereits im Hafen von Calais kontrolliert, von britischen Beamten. Wer nicht ins Land darf, muss in Frankreich bleiben. Umgekehrt kontrollieren französische Beamte schon auf britischem Boden, ob Reisende in den Schengen-Raum dürfen.

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