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Politik

07. Dezember 2016 | 09:41 Uhr

US-Wahl: Verliererin Hillary Clinton : Am Ende fehlte die Kraft für die Fans

vom

Trump-Sieg erschüttert Clinton-Lager bis ins Mark - Die Demokratin konnte bis zuletzt keine echte Begeisterung wecken

Die bitterste Stunde ihrer politischen Laufbahn vor Augen hatte Hillary Clinton nicht mehr die Kraft, sich in der Nacht ihren enttäuschten Anhängern zu stellen. Sie blieb mit ihrem Mann und Tochter Chelsea in einer Hotelsuite in Manhattan und schickt ihren Kampagnen-Manager John Podesta  vor, um zu den mit langen Gesichtern wartenden Anhängern im Javits-Kongresszentrum zu reden. Man zähle ja noch Stimmen aus, so Podesta, und deshalb möchten die Fans doch jetzt bitte nach Hause gehen. Man habe mehr zu sagen, wenn alle Ergebnisse da seien. Es war der frustrierende Schlußstrich unter eine geplante Siegesfeier. Ob man bestimmte Resultate anfechten wollte, ließ Podesta da noch offen. Was er allerdings den Anhängern nicht sagte, war: Clinton würde nur Minuten später Trump anrufen und ihm gratulieren.

Zu diesem Zeitpunkt, gegen zwei Uhr nachts Ostküsten-Zeit, hatten es die übervorsichtigen TV-Sender in den USA noch nicht gewagt, die Wahl für Donald Trump für entschieden zu erklären. Doch die Indizien waren bereits überwältigend, dass der Republikaner nicht mehr verlieren konnte: Er lag überraschend in Michigan, Wisconsin und Pennsylvania vorn. Doch Clinton debattierte offenbar zu diesem Zeitpunkt noch intern, wann der beste Zeitpunkt sei, die nun unabwendbare Niederlage einzugestehen.

Clinton hatte - auch für die Frauen in den USA - mit ihrer Kandidatur die "ultimative Glasdecke" durchbrechen und als erste Präsidentin Geschichte schreiben wollen. Und dabei vor allem von Frauen profitieren wollen, bei denen sie einen massiven Wahl-Vorteil gegenüber Donald Trump gesehen hatte. Doch am Ende mußte sie erkennen, was sich schon im Wahlkampf durch halbleere Hallen angedeutet hatte: Die Begeisterung für sie, die Profi-Politikerin mit 30jähriger Erfahrung und einer Tendenz zur Geheimniskrämerei am Rande der Legalität, blieb weit hinter dem Engagement zurück, das liberale Wähler 2008 und 2012 noch für Barack Obama gezeigt hatten. 

Seit 2001, als ihre Ära als First Lady endete, hatte Hillary Clinton ihr Leben ganz auf das große Ziel ausgerichtet: Selbst am Schreibtisch des Oval Office zu sitzen. Offiziell wies sie zunächst Ambtiionen auf das höchste Amt zurück. Doch ihre Karriere machte schnell klar, wohin der Weg führen sollte: Erst Senatorin für New York, wo sie einen Wohnsitz nahm, dann Gegenkandidatin von Barack Obama im Jahr 2008, dann Außenministerin. Stationen, die ein perfektes Sprungbrett darstellten. Und dann waren da Barack und Michelle Obama, die in den letzten Monaten aktiv in den Wahlkampf eingegriffen und bei den Veranstaltungen Clintons für viele Fans interessantere Zugpferde als die Bewerberin selbst waren,

Clinton wurde am Ende auch ein Opfer jener Stolpersteine, die sie sich selbst in den Weg gelegt hatte: Die Hälfte von Trumps Anhängern als "Bedauernswerte" anzukanzeln. Oder die neuen FBI -Ermittlungen zur leidigen Email-Affäre, die der Direktor der Bundespolizei gegen den Willen der Clinton wohlgesinnten Justizministerin Loretta Lynch durchsetzte. Es war wohl der Druck von Obama selbst, der das FBI dann dazu zwang, 48 Stunden vor der Wahl Clinton endgültig freizusprechen. Denn der Präsident wollte den Sieg Clintons unbedingt, um sein politisches Vermächtnis zu bewahren. Doch selbst die Unterstützung der Obamas, von Beyonce und von Bruce Springsteen halfen ihr am Ende nicht mehr.

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erstellt am 09.Nov.2016 | 14:12 Uhr

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