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Panorama

27. Juni 2016 | 04:10 Uhr

Herzlichen Glückwunsch zum Frauentag : Wir sind noch nicht am Ziel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Anlässlich des Internationalen Frauentags sprechen Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig und Schauspielerin Maria Furtwängler über Gleichstellung und sexuelle Belästigung von Frauen.

Wir sind zwei Frauen. Schauspielerin und Ärztin die eine, Politikerin die andere. Zum Internationalen Frauentag möchten wir gemeinsam darauf aufmerksam machen, dass wir trotz aller Bemühungen um die Gleichstellung der Frau in unserer Gesellschaft noch lange nicht am Ziel sind. Wir Frauen arbeiten und kümmern uns um die Familie. Beides geht, auch zusammen, aber endlich ohne Bevormundung und mit mehr Unterstützung. Wir machen das zusammen mit den Männern und mit dem Selbstbewusstsein, unser Leben nach unseren Vorstellungen leben zu wollen. Wir fordern Respekt, und wir fordern Gleichstellung.

Nach wie vor verdienen Frauen durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer. Ebenso wird die Arbeit der vielen Frauen in der Pflege oder in der Erziehung weder angemessen gewürdigt noch honoriert. Frauen haben immer noch einen viel zu geringen Anteil an der Führung von Unternehmen und gesellschaftlichen Institutionen. So sind zum Beispiel weniger als 10 Prozent der DAX-Vorstände weiblich. Auch in politischen Ämtern sind Frauen noch lange nicht so vertreten wie es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht: Wir sind mehr als 50 Prozent!

Darstellungen in Medien und Werbung tragen zu einer Verfestigung von Rollenbildern bei, die der Gleichstellung entgegenwirkt. Frauen müssen in ihrer Vielfalt gezeigt werden. Sie denken und handeln und sehen eben auch unterschiedlich aus. Wir müssen endlich unsere 90-60-90-Schablonen ablegen. Frauen sind mehr als sexy. Zu einer vielfältigeren Sicht kann auch beitragen, wenn mehr Frauen daran beteiligt sind, die Bilder von Frauen zu zeichnen.

Jede dritte Frau in Deutschland erleidet im Laufe ihres Lebens körperliche und/oder sexuelle Gewalt, in den meisten Fällen von ihrem Partner oder Ex-Partner. Sexuell motivierte Übergriffe auf Frauen gibt es in Deutschland nicht erst seit den Angriffen von Migranten in der Silvesternacht. Sexuelle Übergriffe dürfen nicht länger als Kavaliersdelikt behandelt werden – weder von der Gesellschaft noch vom Strafrecht. Die Zeiten, in denen wir Frauen uns nicht frei bewegen dürfen, in denen wir Frauen keine Miniröcke tragen sollen, die sind vorbei. Dass Männer meinen, Frauen angrabschen und belästigen zu können, ist respektlos. Dieses Verhalten muss bestraft werden können. Wir setzen uns daher schon länger für eine Verschärfung des Sexualstrafrechts ein, damit endlich auch in Deutschland die sexuelle Selbstbestimmung voraussetzungslos geschützt wird. Zudem müssen wir Frauen auch darin stärken, stark zu sein: sich zu wehren, Schutz zu suchen und Anzeige zu erstatten. Seit Jahrzehnten setzen Frauenhäuser, Frauenberatungsstellen und -notrufe sich unermüdlich dafür ein, unterstützen die Betroffenen, informieren die Öffentlichkeit und plädieren für mehr Präventionsarbeit. Sie müssen gehört werden und ihre Arbeit weiter gestärkt werden. Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ steht unter der Telefonnummer 08000 116 016 betroffenen Frauen und denen, die ihnen helfen wollen, rund um die Uhr zur Verfügung.

Am Internationalen Frauentag sind unsere Gedanken bei allen Frauen auf der Welt, die benachteiligt, unterdrückt und verletzt werden. Wir fordern Respekt gegenüber allen Frauen – nicht nur in Deutschland und nicht nur an diesem Tag. In unserem Grundgesetz ist die Gleichberechtigung von Frauen und Männern verankert. Bis zur tatsächlichen Gleichberechtigung und bis zu vollem Respekt haben wir noch Einiges zu tun. Bleiben wir dran.

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erstellt am 08.Mär.2016 | 05:00 Uhr

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