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Panorama

03. Dezember 2016 | 01:19 Uhr

Neu Delhi : Wenn Reisen zum Risiko wird

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die indische Bahn ist Gegenstand unzähliger schlimmer Reiseberichte: Gestern wurde sie wieder zur tödlichen Falle für mehr als 100 Menschen

Hunderte Menschen stehen vor dem Bahndamm und blicken auf einen völlig zerdrückten und zerstörten blauen Waggon der indischen Bahn. Andere Waggons liegen umgestürzt auf den Schienen oder sind vom Damm herunter gerollt. Helfer versuchen, in die zerstörten Wagen zu gelangen, auf der Suche nach Überlebenden.

Die Bilder aus dem nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh zeigen die Folgen eines der schlimmsten Zugunglücke, das Indien in den vergangenen Jahren erlebt hat. Gestern Morgen um kurz nach 3 Uhr Ortszeit entgleisten in der Nähe der Ortschaft Pukhrayan 14 der 23 Waggons des Patna-Indore-Express. Drei davon wurden so stark zerquetscht, dass die Rettungskräfte sich auf der Suche nach Überlebenden durch das Metall schneiden mussten.

Am Nachmittag erklärte die Polizei mindestens 116 Menschen für tot. Mehr als 200 seien verletzt, 75 davon schwer. Bahnsprecher Anil Saxena schätzt, dass in den drei besonders stark zerstörten Wagen bis zu 150 Menschen gesessen haben. Insgesamt seien in dem Zug rund 2500 Menschen gewesen, als der Unfall passierte. Was den Zug zum Entgleisen gebracht habe, wisse man noch nicht, sagt Saxena. Aus dem Bahnministerium hieß es jedoch, dass wahrscheinlich baufällige Schienen der Auslöser der Katastrophe waren.

Indiens Bahnnetz wird häufig als „Lebensader der Nation“ bezeichnet. Mit oft vier oder fünf verschiedenen Wagenklassen können selbst Inder mit sehr niedrigem Einkommen sich lange Fahrten leisten. Allerdings sind die Züge meist Monate im Voraus ausgebucht, und die günstigsten Klassen chronisch überfüllt – was die Opferzahlen bei Unfällen in die Höhe treibt.

Es wäre nicht das erste Mal, dass baufällige Schienen für die indische Bahn zur Todesfalle werden. Mehr als 90 000 Kilometer davon ziehen sich in verschiedenen Spurbreiten durch das Land. Mehr als 12 000 Züge fahren täglich rund 23 Millionen Passagiere durch Indien.

Doch seit die britischen Besatzer im Jahr 1947 das Land verließen, sind wenig neue Gleise hinzu gekommen. Allein, um das gigantische Netz instand zu halten, muss das Eisenbahnministerium jedes Jahr 4500 Kilometer Schienen erneuern. Dass das nicht immer gelingt, zeigt auch die Statistik des Ministeriums. Zwischen 50 und 80 Entgleisungen gibt es in Indien jedes Jahr. Häufig sterben selbst laut den offiziellen Statistiken mehr als 100 Menschen im Jahr bei Zugunfällen. Außerdem kommt es alle paar Jahre zu besonders schweren Unfällen.

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