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Panorama

04. Dezember 2016 | 07:06 Uhr

Bahn-Chaos : Unzumutbare Zustände von und nach Sylt

vom

Die Ersatzzüge der Nord-Ostsee-Bahn reichen nicht aus für den Andrang zu den Hauptverkehrszeiten.

Unglaubliche Szenen müssen sich auf den Bahnhöfen abgespielt haben: Hunderte Pendler, die sich an den Zugtüren drängelten, um in die wenigen Waggons zu kommen. Passagiere in vollbesetzten Zügen, die ihre Kollegen durch die Zugfenster in die Wagen gezerrt haben. Und ein einsamer NOB-Mitarbeiter, der kostenlos Kaffee und heiße Getränke an die wartenden Pendler ausschenkt.

Immer noch herrscht Ausnahmezustand an den Bahnhöfen an der Westküste, weil die Nord-Ostsee-Bahn am Donnerstag auf einen Schlag ihre Flotte an Personenwaggons stilllegen musste. Alle Wagenkupplungen der Reisezugwagen des kanadischen Herstellers Bombardier müssen einer Revision unterzogen werden. Mittlerweile hat sich die Situation etwas entspannt, auch wenn immer noch Verbindungen ausfallen. Doch die Züge reichen nicht aus, um die Massen von Berufspendlern aufzunehmen.

„Montag und Dienstag war es wieder grausig“, sagt Achim Bonnichsen, dessen Facebook-Gruppe „NOB Pendler“ mittlerweile 2875 Mitglieder hat. Zu den Hauptfahrzeiten reichte die Platzkapazität nicht aus, in Klanxbüll konnte morgens niemand mehr zusteigen. Viele Niebüller würden morgens nach Langenhorn fahren, um sich einen Platz im Zug nach Sylt zu sichern. Auf dem Rückweg am Montag Nachmittag seien dreißig oder vierzig Leute auf dem Bahnhof Keitum zurückgeblieben. Kollegen, die um 14.30 Uhr in Morsum Feierabend hatten, seien erst um 20 Uhr zuhause gewesen. Nach einem Umweg über Westerland – in Richtung Festland war ein Einsteigen einfach nicht möglich.

Mittlerweile schwindet auch das Verständnis für die Nord-Ostsee-Bahn. „Wir zahlen Vorkasse für eine Leistung, die wir nicht bekommen. Die Zeit der Entschuldigungen ist vorbei“, sagte Bonnichsen, „nun muss die NOB erklären, wie lange der Zustand anhält.“ Drei Wochen, so sei ihm beschieden worden, werde allein die Untersuchung der Kupplungen dauern, für die Ersatzteile würden acht Monate Lieferzeit veranschlagt. „Doch das interessiert die NOB vermutlich nicht mehr “ – die Bahngesellschaft gibt die Strecke am 11. Dezember an die DB Regio ab. Mitsamt den defekten Personenwaggons.

Der Vorschlag der Pendler: ein Schienenersatzverkehr mit Bussen, ähnlich wie zuletzt zwischen Heide und Itzehoe. Die Busse könnten am Westerländer ZOB starten, auf den Autozug fahren und die Passagiere am Niebüller Bahnhof wieder absetzen. Überhaupt sei der Autozug derzeit eine pünktliche Alternative zum Bahnchaos beim Personenverkehr, sagt Achim Bonnichsen. Viele Sylter Firmen schickten ihre Kleinbusse über den Hindenburgdamm, um die Mitarbeiter halbwegs pünktlich zur Arbeit zu bringen.

Busse auf dem Autozug statt überfüllte Personenwagen – ein Vorschlag, den auch der Verein der Sylter Unternehmer gerade prüft. „Wir sind dabei, über Nah.SH und die NOB Druck auszuüben“, erklärte SU-Geschäftsführer Ron Glauth – „wir wollen nicht tatenlos zugucken.“ Das Problem der defekten Wagenflotte könne sich noch wochenlang hinziehen. Der Frust der Pendler sei nicht gut für die Betriebe – „es muss schnell eine Lösung her.“ Auch bei den Arbeitgebern herrsche „sehr viel Unmut.“

Ein Funken Hoffnung kam gestern Abend von NOB-Pressesprecher Kay Goetze. Die Nord-Ostsee-Bahn setze alles daran, „mehr Kapazität auf die Hauptverkehrszeiten zu bringen.“ Am Mittwoch Morgen würden die NOB-Züge 81806, 81808 und 81812 „mit leicht erhöhten Kapazitäten“ auf die Insel fahren – das sind die Ankunftzeiten 6.01, 6.31 und 7.31 Uhr in Niebüll. „Zumindest ein Tropfen auf den heißen Stein“, meinte Goetze. Die DB und andere Unternehmen stellten der NOB Personenwagen zur Verfügung – „wir erfahren sehr viel Solidarität aus ganz Deutschland.“ Die Situation sei „eine Katastrophe – da bin ich ganz bei den Pendlern.“

 

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erstellt am 16.Nov.2016 | 12:52 Uhr

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