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Panorama

28. März 2017 | 12:10 Uhr

Osnabrück : So konnte Bärin „Tips“ aus dem Zoogehege ausbrechen

vom

„Eine Aneinanderreihung unglücklicher Zufälle“ führten zum Ausbruch von Bärin Tips im Osnabrücker Zoo am Samstagnachmittag. Eine Rekonstruktion der Ereignisse.

„Es war eine Aneinanderreihung unglücklicher Zufälle“, erläutert Zoodirektor Michael Böer in der Pressekonferenz am Sonntag den Hergang des Ausbruchs. Hybridbärin Tips war gerade erst aus ihrem Winterschlaf erwacht, entsprechend hungrig war sie – und entsprechend motiviert.

„Wir wissen nicht ganz genau, was geschehen ist“, sagt Böer, doch Tips Fußspuren weisen den Weg. Vermutlich war die Bärendame gerade in Jagdlaune. Vielleicht war sie hinter einem Vogel her. Sicher ist, dass sie sehr erregt war. So erregt, dass sie den elektrischen Zaun, wie er auch auf Schafweiden zu finden ist, einfach überwand. (Weiterlesen: Bär griff offenbar Zoomitarbeiter an)

Tips Bruder Taps musste am Sonntag drinnen bleiben

Michael Böer steht mitten auf der Bärenanlage. Nur die Silberfüchse, die auch auf der Anlage leben, wuseln neugierig herum. Taps, Tips Bruder, musste an diesem Sonntag im Bärenhaus bleiben. Solange bis der Außenbereich wieder ausbruchsicher ist.

Der Zoodirektor weist auf den Elektrozaun, der sich am äußeren Rand des Geheges und des Zoos befindet. Darüber führt der Laufsteg für Besucher entlang. Der Bereich hinter dem Elektrozaun ist eigentlich ein Rückzugsort für die Füchse und führt letztendlich zum Gehege der kleinen Strolche.

Tips wollte gerne wieder zurück

Hierher kommt Tips normalerweise nicht, denn der Stromschlag ist so stark, dass er die Bären bremst. (Kommentar zum Tod von Bärin „Tips“im Zoo Osnabrück: Noch mal Glück gehabt) Die Spuren belegen, dass Tips wieder zurück wollte. Doch nachdem die Jagdlust vergangen war, bemerkte sie den Stromschlag. „Sie fühlte sich unwohl“, sagt Böer. Die Bärin hinterließ sogar ein großes Geschäft. Laut dem Zoodirektor, der Fachtierarzt für Zoo- und Wildtiere ist, ein sicheres Zeichen für ihr Unwohlsein.

Tips war schlank – und passte durch

Danach gab es die zweite ungewöhnliche Situation. Die über die Wintermonate schlank gewordene Bärendame schlüpfte gegen 14.15 Uhr am Samstag durch ein im Durchmesser 30 bis 40 Zentimeter großes Schiebetürchen.

Und gelangt so ins Gehege, das für die Silberfüchse reserviert ist. Eigentlich soll auch das kein Problem sein, denn beim Bau war der Zoo auf Nummer sicher gegangen. „Deshalb ist der ganze Gehegekomplex, auch das der kleinen Füchse, bärensicher“, erklärt Böer.

Tips hatte Bärenkräfte

Doch Tips überwand auch diese Sicherheitsmaßnahme. In der für sie ungewohnten und wohl auch bedrohlichen Situation entwickelte sie offenbar Bärenkräfte, übte Druck auf ein Teil des Gitters aus, verbog es leicht und hob es aus den Angeln.

Tips bahnte sich zunächst ihren Weg von der Bärenanlage zum Löwenrondell. Dort traf Tips auf eine Mitarbeiterin. Diese stürzte bei dem Kontakt mit dem Bär, hatte aber Glück im Unglück: Bis auf einen Bluterguss blieb sie unverletzt.

Ein Bad bei den Klammeraffen

Die Hybridbärin lief vom Löwenrondell etwa 100 Meter weiter, nicht über die Wege, sondern quer durch die Vegetation. Dort gelangte sie zu der Anlage der Klammeraffen, wo sie noch in dem Graben der Klammeraffen ein Bad nahm.

Am Flamingogehege wurden Besucher dann erstmals auf den entlaufenen Bären aufmerksam und verständigten die Zoo-Mitarbeiter am Eingang. Diese begannen direkt nach der ersten Sichtung des Bären über dem Flamingogehege mit der Evakuierung des Geländes und brachten Besucher unter anderem vorübergehend in den Häusern des Parks in Sicherheit.

Angriffsgebärden von Tips

Extra ausgebildete Mitarbeiter aus dem tiergartenbiologischen Team kamen mit Betäubungsgewehr und Schusswaffen zur Stelle, an der sich Tips gerade aufhielt. Doch zunächst versuchten die Mitarbeiter Tips zu beruhigen.

Das 300 Kilo schwere Tier ging jedoch bald zu Angriffsgebärden über. „Sie drohte nicht, sondern bereitete sich auf einen Angriff vor“, berichtet Zoodirektor Michael Böer, dem am Samstagnachmittag der Schock und die Trauer deutlich anzumerken waren.

Um Menschenleben zu schützen, sei nichts anderes übrig geblieben, als die Bärin aus kürzester Distanz zu erschießen. Denn ein Betäubungsschuss hätte erst nach zehn bis 20 Minuten Wirkung gezeigt.

Lob von der Polizei

Das Risiko sei zu groß gewesen: „Da Tips unglücklicherweise an einem Wochenende und nachmittags aus dem Gehege entwich und der Zoo zu diesem Zeitpunkt ziemlich voll war, waren wir zu diesem schweren Schritt gezwungen, um unsere Besucher zu schützen“, so Böer. Zwischen der ersten Sichtung und dem tödlichen Schuss lagen etwa zehn Minuten.

Den 4000 Besuchern, die sich zu der Zeit auf dem Zoogelände aufhielten, ist nichts passiert. Die Polizei Osnabrück lobte vor allem die besonnene und zügige Reaktion der Zoomitarbeiter.

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erstellt am 12.Mär.2017 | 22:09 Uhr

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