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Panorama

27. September 2016 | 03:52 Uhr

Goldenes Klo : „Sehr glänzend“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

New York steht Schlange vor goldenem Klo des Künstlers Maurizio Cattelan im Guggenheim-Museum

„Sind Sie etwa auch hier, um die Toilette zu benutzen?“, fragt die Frau an der Kasse des Guggenheim-Museums hörbar genervt. „Da waren heute schon einige da. 5. Stock, links.“

Im 5. Stock windet sich bereits eine Schlange von mindestens 30 Menschen durch die berühmte Rotunda des Museums am New Yorker Central Park. Ältere Damen mit Hüten, Teenager mit Selfie-Sticks und Männer mit Aktentaschen – sie alle wollen aufs Klo. Aufs goldene Klo.

Das voll funktionsfähige Toiletten-Kunstwerk des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan aus 18-karätigem Gold, das am Freitag in New York eröffnet wurde, versteckt sich derzeit hinter einer Tür mit der Aufschrift „Unisex“. „Einer nach dem anderen“, mahnt der betont seriöse Museumswärter. „Es darf immer nur einer alleine das Klo benutzen. Alle Taschen müssen draußen bleiben. Und, ganz wichtig, das Klo ist immer noch ein Kunstwerk, also nicht die Brille hochheben.“

Cattelan, dessen Werke auf dem Kunstmarkt häufig zweistellige Millionenbeträge erzielen, hatte sich eigentlich vor einigen Jahren aus der Branche verabschiedet. Mit dem Gold-Klo feiert der 55-Jährige nun ein spektakuläres Comeback. Eigentlich sollte der goldene Klo-Thron schon im Mai benutzbar sein, aber die Installation stellte sich als deutlich schwieriger heraus als gedacht. Ein zuverlässiger Klempner habe sich „mit einigen Schmetterlingen im Bauch“ darum gekümmert, sagt Michael Zall vom Guggenheim-Museum. Wie viel das von privaten Spendern finanzierte Kunstwerk, das auf unbegrenzte Zeit im Museum eingebaut bleiben soll, gekostet hat, will er nicht verraten.

Das Klo biete eine „Erfahrung von nie da gewesener Intimität mit einem Kunstwerk“, steht auf der Beschreibung neben der Toilettentür. „Cattelans Toilette verweist auf die Exzesse des Kunst-Markts, aber lässt auch an den amerikanischen Traum von unbegrenzten Möglichkeiten für alle denken.“ Der Titel „America“ sei „so bedeutungsgeladen, dass er schwerer zu wiegen scheint, als die Toilette selbst“, kommentiert die „New York Times“.

„Es besteht das Risiko, dass die Menschen das als Witz sehen, aber ich sehe es nicht als Witz“, sagt Künstler Cattelan. „Es ist nicht meine Aufgabe, den Menschen zu sagen, was ein Werk bedeutet. Aber ich glaube, dass die Menschen eine Bedeutung in diesem Werk sehen werden.“ Er sei glücklich, dass das Klo nicht auf einem Podest oder in einer Galerie sei. „Es ist in einem kleinen Raum und wartet auf dich, wenn du es brauchst. Als ich es dort vor kurzem zum ersten Mal sah, musste ich weinen. Na ja, fast.“

Die Schlange kommt unterdessen voran, wird allerdings hinten immer länger. Etwa drei Minuten verbringe jeder Besucher in dem Kloraum, sagt der Wärter. Immer wieder schiebt sich eine Reinigungsfrau dazwischen, wischt durch und füllt Klopapier nach. Jedes Mal wenn sich die Tür öffnet, bildet sich eine Menschentraube um die Klotür herum auf der Suche nach Blicken und Fotos. „Ich habe einen kleinen Blick drauf werfen können“, jubelt eine junge Frau.

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erstellt am 19.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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